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Konsumgüter : Beiersdorf-Aktie droht nach unten durchzubrechen

  • Aktualisiert am

Produktion läuft „runder” als die Nachfrage Bild: Caro / Jandke

Auf Grund der Umsatzflaute und eines Gewinnrückgangs im zweiten Quartal und einer verkappten Umsatzwarnung steht die Aktie von Beiersdorf massiv unter Druck. Die charttechnische Lage ist kritisch.

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          Mit einem Kursverlust von bis zu knapp elf Prozent auf 82,25 Euro im bisherigen Tagestief reagiert die Aktie des Pharma- und Kosmetikunternehmens Beiersdorf auf die Umsatz- und Ertragszahlen des ersten Halbjahres.

          Dabei hat das Unternehmen im ersten Halbjahr zwar mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 257 Millionen Euro zwar operativ vier Prozent mehr verdient als im Vorjahr. Allerdings sind die offensichtlich zu hohen Erwartungen des Marktes nicht erfüllt worden. Denn Analysten hatten mit einem Ebit von 270 Millionen Euro gerechnet. Der Nettogewinn ist im zweiten Quartal im Jahresvergleich sogar um 13,6 Prozent auf 70 Millionen Euro oder 83,3 Cent je Aktie gefallen.

          Umsatzflaute und Gewinnrückgang im zweiten Quartal

          Der Umsatz legte um Wechselkurse bereinigt um 4,8 Prozent zu, unbereinigt um 3,1 Prozent. „Die Wechselkurseinflüsse waren deutlich geringer als im vergangenen Jahr", teilte das Hamburger Traditionsunternehmen mit. 2003 war der Umsatz bereinigt um Wechselkurse um vier Prozent gestiegen, zu aktuellen Kursen lediglich um 1,5 Prozent. Beiersdorf bekräftigte die Prognose für das Gesamtjahr, wonach das bereinigte Umsatzwachstum über dem des Vorjahres von vier Prozent liegen solle. Die Ebit-Rendite werde ebenso wie die Nettoumsatzrendite das Vorjahresniveau von etwas über zehn Prozent beziehungsweise über sechs Prozent erreichen.

          „Das Erreichen des Umsatzzieles wird durch die anhaltend nachfrageschwachen Märkte in Europa schwieriger", schränkte Beiersdorf allerdings ein. Das klingt so ähnlich wie eine Umsatzwarnung, was zu den Kursverlusten maßgeblich beigetragen haben dürfte. Das Unternehmen versucht, die Umsätze bei flauer Nachfrage durch Konzentration auf weniger aber höherwertige Produkte zu erhöhen. Dieses Ziel scheint allerdings im zweiten Quartal nur bedingt gelungen zu sein, denn in diesem Zeitraum lag das Umsatzwachstum nur bei 2,4 Prozent auf 1,19 Milliarden Euro.

          Stagnierende Nachfrage nach Konsumgüntern in Europa

          Damit scheint sich auch bei Beiersdorf zu bestätigen, was andere Konsumgüterunternehmen wie etwa L'Oreal oder Unilever schon angedeutet hatten: Die Nachfrage nach ihren Produkten sei eher verhalten. „Nach einer leichten Erholung der Nachfrage im Frühling scheint sich die Entwicklung im Kosmetikbereich nun wieder zu verschlechtern,“ zieht ein Analyst haarscharf die Schlußfolgerung. Das scheint selbst Unternehmen wie Beiersdorf in eine Stagnationsphase zu bringen, nachdem es in den vergangenen Jahre durch die Einführung neuer Niveaprodukte hatte den Umsatz steigern können.

          Auf Basis dieser Entwicklung mag die Aktie des Unternehmens mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 21 und 19 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr optisch nicht mehr ganz so teuer erscheinen, wie in der Vergangenheit. Aber einige der Gewinnschätzungen dürften noch zu hoch sein. Auch charttechnisch sieht es ziemlich kritisch aus. Denn mit den aktuellen Kursverlusten droht das Papier unter die letzte Unterstützung zu fallen. Sollte sie unterschritten werden, dürften weitere Kursverluste nicht ausgeschlossen sein. Die nächste Unterstützungszone beginnt bei etwa 70 Euro.

          Eine Dividendenrendite von knapp zwei Prozent dürfte sicherlich noch nicht reizvoll genug sein, um auf dem aktuellen Niveau für etwas Rückenwind zu sorgen. Insgesamt dürfte die Aktie erst dann wieder einen Blick wert sein, wenn sich ersten charttechnisch so etwas wie eine Bodenbildung abzeichnet und wenn das Unternehmen aufzeigt, wie es sich wieder dynamischer entwickeln kann.

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