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Konsumgüter : Aktie von Beiersdorf wirkt wieder gepflegter

  • Aktualisiert am

Weiter das Flaggschiff von Beiersdorf: Nivea Bild: AP

Beiersdorf hat 2004 vor Zinsen und Steuern mehr verdient als erwartet und will die Umsatzrendite steigern. Trotz nur neutraler Kommentare von Analysten verbucht die Aktie schöne Kursgewinne. Sie ist aber nicht günstig.

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          Am Dienstag führt die Aktie von Beiersdorf die Liste der Gewinner im Mittelwerteindex MDax an. Der Grund: Der Konsumgüterhersteller hat für 2004 ein überraschend gutes vorläufiges Ergebnis vor Zinsen und Steuern vorgelegt und für das laufende Jahr eine höhere Umsatzendite angekündigt.

          Die Notiz um 2,6 Prozent auf 88,64 Euro. Sie bestätigt damit die klare Aufwärtstendenz seit dem Mehrjahrestief von 71,29 Euro im Oktober vergangenen Jahres. Während die Aktie im Jahresvergleich zu den klaren Enttäuschungen im MDax zählt, läuft sie seit Wochen dem bullenstarken Index deutlich voraus und hat im Zuge des Mitte Dezember erfolgten Ausbruchs aus dem seit Juli ausgebildeten Abwärtstrend ein Kaufsignal gesendet. Allerdings ist das Papier nicht günstig bewertet, was einen Minuspunkt darstellt.

          Umsatzrendite soll von 6,5 Prozent auf sieben Prozent steigen

          Der Markenartikelhersteller Beiersdorf hat im vergangenen Jahr bei stagnierendem Gewinn den Umsatz gesteigert. Wie der im MDax notierte Hersteller von Marken wie Nivea oder Tesa am Dienstag in Hamburg mitteilte, blieb der Überschuß nach vorläufigen Berechnungen mit 300 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank von 484 Millionen auf 480 Millionen Euro. Aber: Analysten hatten im Durchschnitt lediglich 462 Millionen Euro erwartet.

          Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Beiersdorf.
          Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Beiersdorf. :

          Beim Umsatz legte der Konzern um 2,5 Prozent auf 4,546 Milliarden Euro zu. Bereinigt um Wechselkurseffekte lag das Wachstum bei 4,1 Prozent. Die Umsatzrendite lag gemessen am Ebit folglich bei mehr als zehn Prozent und erfüllte das selbst gesteckte Ziel des Unternehmens, hieß es. Auch bei der Nettoumsatzrendite erreichte Beiersdorf die Erwartungen mit einem Ergebnis von 6,5 Prozent.

          Auch für 2005 erwartet der Nivea-Hersteller ein wechselkursbereinigtes Umsatzplus über dem Vorjahr. Die Nettoumsatzrendite soll auf sieben Prozent nach gut 6,5 Prozent steigen. Eigentlich hatte Analysten keine Prognose erwartet.

          Analysten sehen Aktie als Halte-Position oder Kauf an

          Die Kommentare von Analysten fielen neutral aus. „Keine großen Überraschungen“ habe Beiersdorf präsentiert, meint die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Die LRP stuft die Aktie weiter als „Marktperformer“, also als Halte-Position ein, und nennt ein Kursziel von 85 Euro. „Neutral“ sieht auch die Hypo-Vereinsbank weiter die Beiersdorf-Aktie an, nennt aber 90 Euro als Kursziel. Die Zahlen hätten im Rahmen ihrer Erwartungen gelegen, deshalb gebe es keinen Anlaß, die Empfehlung zu ändern.

          „Bullisher“ sind die Deutsche Bank und die DZ Bank eingestellt. Aus Sicht der DZ Bank ist das Papier 92 Euro wert und ein Kauf. Das Frankfurter Institut hält dem Konzern das positive Umsatzwachstum in Deutschland zugute. Die Deutsche Bank rät zum Kauf der Aktie, die sie bei 100 Euro als gut bezahlt ansieht. Sie unterstellt ein Umsatzwachstum von fünf Prozent für diese Bewertung.

          Aktie fast doppelt so hoch bewertet wie Henkel

          Um die beiden höheren der genannten Kursregionen zu erreichen, muß die Aktie über die bei knapp 92 Euro liegende technische Hürde laufen. Angesichts des aktuellen Schwungs nach dem Ausbruch aus dem seit Sommer aufgebauten Abwärtstrend könnte ihr dies noch in dieser Woche gelingen. Ein weiteres starkes technisches Kaufsignal wäre indes erst ein Sprung über das Zwölfmonatshoch bei 99,65 Euro. Aus der Bewertung ergibt sich indes nicht allzuviel Kursphantasie. Der Titel ist mit einem anhand des Ergebnisses je Aktie von 3,86 Euro errechneten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 23 für 2004 und einem auf den Gewinnschätzungen basierenden KGV von 19 für das laufende Jahr fast doppelt so teuer wie Henkel, aber immerhin günstiger als Wella.

          Vor diesem Hintergrund sollten Besitzer der Aktie angesichts des Trends dem Titel ruhig treu bleiben - ein Kauf ist sie nur für jene, die keine großen Kurssprünge erwarten, sondern eine moderate Aufwärtsbewegung, die bei einer verbesserten Ertragslage entspräche.

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