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Konsum : Übernahme: Aktie von Procter & Gamble wird nicht günstiger

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie von Gillette in den vergangenen Jahren in Dollar Bild:

Procter & Gamble will Gillette übernehmen und von Synergien profitieren. Ob die Rechnung auf geht, wird sich noch zeigen müssen. Faktisch wird das entstehende Unternehmen zwar ein Riese sein, aber kein Schnäppchen.

          2 Min.

          In den Vereinigten Staaten greift der Größenwahn immer weiter um sich. Nach der Schaffung von Unternehmensriesen wie der Citibank im Finanzsektor oder von General Electric, das sich schon längst keiner spezifischen Branche mehr zuordnen läßt, scheint nun der Einzelhandelssektor von der Übernahmewelle und Fusionitis ergriffen zu werden.

          Nachdem vor wenigen Tagen der vom aggressiven Hedge-Fonds-Manager Edward Lampert wieder aufgepäppelte Einzelhandelskonzern Kmart angekündigt hat, Sears, Roebuck & Co. übernehmen zu wollen, kommt nun nächste Schlag.

          Procter & Gamble (P&G) will Gillette übernehmen ...

          Denn der Konsumgüterriese Procter & Gamble (P&G) will den durch seine unter dem eigenen Namen vermarkteten Rasierer und Batterien bekannt gewordenen Konkurrenten Gillette übernehmen. Das fusionierte Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von mehr als 60 Milliarden Dollar im Jahr würde Unilever als größten Konsumgüterproduzenten der Welt überholen.

          Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie von Procter & Gamble in den vergangenen Jahren in Dollar
          Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie von Procter & Gamble in den vergangenen Jahren in Dollar :

          Die Führungsgremien beider Firmen hätten der Übernahme am Donnerstag einmütig zugestimmt, teilte P&G am Freitag mit. Den Angaben zufolge übernimmt P&G das gesamte Geschäft von Gillette. Die Aktionäre von Gillette sollen je 0,975 P&G-Aktien für ihre Anteilsscheine erhalten. Daraus errechnet sich ein Preis von 53,94 Dollar je Gillette-Aktie, ein Aufschlag von fast 18 Prozent auf den Schlußkurs vom Donnerstag. Insgesamt liegt das Volumen der Transaktion bei rund 57 Milliarden Dollar.

          Der Konzern rechnet im Zuge der Fusion mit der Streichung von rund 6.000 Stellen, vier Prozent der Belegschaft der beiden Unternehmen, und erwartet Umsatz- und Kosteneffekte im Volumen von 14 bis 16 Milliarden Dollar. Der Zusammenschluß zwischen dem Pampers- und Ariel-Produzenten P&G aus Cincinnati und dem in Boston ansässigen Hersteller von Duracell-Batterien und Oral-B-Zahnpflegeprodukten Gillette eröffne die Chance auf zweistellige Gewinnwachstumsraten im Jahr. Gillette-Rasierer zählen weltweit zu den bekanntesten Marken. P&G hob zudem die Prognose für sein Umsatzwachstum auf fünf bis sieben von vier bis sechs Prozent an.

          ... aber oft bringen Übernahmen nicht das, was sie versprechen

          Außerdem will P&G in den nächsten 18 Monaten eigene Aktien im Wert zwischen 18 und 22 Milliarden Dollar zurückkaufen. Der Milliardär Warren Buffett, der gegenwärtig neun Prozent an Gillette hält, hat angekündigt, er wolle anläßlich der Fusion 100 Millionen Aktien von P&G erwerben. Die Übernahme soll bis zum Herbst abgeschlossen sein.

          Auf solche Weise werden in den Vereinigten Staaten „wahre Werte“ geschaffen. Wie „wahr“ sie sind, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Denn in der Vergangenheit hat sich immer wieder gezeigt, daß sich die vor solchen Transaktionen erträumten Synergien nicht oder zumindest nicht in der erwarteten Dimension realisieren lassen. Manche „wilden“ Expansionen sind auch völlig schief gelaufen und haben lediglich zu künstlich aufgeblasenen oder gar gefälschten Bilanzen geführt. Man denke nur an Ahold und selbst Unilever steht nicht sonderlich gut da.

          Gleichzeitig erinnert die Übernahme in Form eines Aktientausches an die überzogenen Transaktionen im Technologiebereich in den 90er-Jahren. Ein Transaktionswert von 57 Milliarden Dollar hört sich zwar gut an. Aber es sollte berücksichtig werden, daß beide Aktien mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 27 und 24 bei Gillette und von 21 und 19 bei Procter & Gamble auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr und der Schlußkurse vom Donnertag keine Schnäppchen. Und das dürfte sich durch die Fusion auch nicht ändern.

          Charttechnisch sehen zwar beider Werte relativ gut aus. Allerdings bleibt abzuwarten, ob sich das nach der Fusion nicht ändert. Mittelfristig dürfte in Amerika auch der Konsum einen Dämpfer erhalten. Denn die Sparquote im Lande ist einfach zu tief, als daß sich langfristig aufrechterhalten werden könnte.

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