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Konsum : Medion-Aktie in der Defensive

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Auf Grund von Gewinnwarnungsgerüchten steht die Aktie von Medion unter Druck. Sie sieht optisch günstig aus, ist es aber nur bei deutlich steigendem Gewinn. Dem Chart fehlt die Dynamik.

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          Mit Kursverlusten von bis zu 8,5 Prozent auf 28,56 Euro im bisherigen Tagestief bei überdurchschnittlichen Umsätzen reagiert die Aktie des Elektronik-Großhandelsunternehmens Medion auf Spekulationen über eine Gewinnwarnung.

          „Es gibt Gerüchte über eine Gewinnwarnung von Medion am Markt", sagte ein Börsianer. „Es ist klar, daß das zweite Quartal von Medion nicht gut gelaufen ist. Allerdings würde mich eine Gewinnwarnung zum jetzigen Zeitpunkt schon sehr überraschen.“ Andere Marktteilnehmer äußerten sich ähnlich. Das Unternehmen selbst wollte solche Gerüchte nicht kommentieren. Im Mai hatte es noch versichert, Umsatz und Gewinn im Gesamtjahr im Vergleich mit der Vorperiode wie geplant um zehn Prozent steigern zu können.

          Aktie optisch günstig - aber nur bei deutlich steigendem Gewinn

          Die Konsensschätzung der Analysten nach I/B/E/S geht allerdings für das laufende Jahr von einer Gewinnsteigerung um etwas mehr als 15 Prozent auf 2,46 Euro je Aktie aus und für das kommende Jahr um weitere 13 Prozent auf 2,76 Euro je Aktie. Es handelt sich dabei offensichtlich um einen klassischen Fall linearer Extrapolation. Auf Basis dieser Schätzungen scheint die Aktie mit Kurs-Gewinnverhältnissen von knapp zwölf und 10,6 optisch eher günstig zu sein.

          Das würde sich allerdings im Falle einer Umsatz- und Gewinnwarnung unter Umständen deutlich ändern. Das Unternehmen dürfte sich mit mehreren Problemen konfrontiert sehen. Erstens mit einer starken Konkurrenz. Denn auch andere Anbieter drängen zum Teil mit relativ preisgünstigen Markenprodukten auf den Markt. Zweitens dürfte der sich nach mehreren größeren Verkaufsaktionen in den vergangenen Monaten und Jahren in einem aktuell wenig inspirierenden Konsumklima langsam aber sicher einer gewissen Sättigung nähern. Drittens ist der Erfolg der Auslandsexpansion noch relativ offen, da die Umsatzzuwächse wenigstens zum Teil gekontert werden durch negative Währungseffekte.

          Charttechnisch fehlt die Dynamik

          Charttechnisch bietet die Aktie ein wenig dynamisches Bild. Nach deutlichen Kursgewinnen in den Jahren 1999 und 2000 ist die Kursbewegung der Aktie in ein langfristiges Dreieck übergegangen, dessen Obergrenze nach unten führt und dessen Untergrenze bei 25,50 Euro liegt. Damit dürfte auch der Raum angedeutet sein, welchen das Papier bei enttäuschenden Nachrichten nach unten hat. Sollte es unter diese Marke fallen, sähe es technisch nicht sonderlich gut aus.

          Auf der anderen Seite müßte sich das Unternehmen in einem positiveren Umfeld sehr wahrscheinlich schon deutlich dynamischer entwickeln als in der jüngeren Vergangenheit, um sich wieder stärker nach oben zu orientieren und den flachen, langfristigen Abwärtstrend nach oben überwinden zu können. Beides zusammen könnte der Aktie wieder deutlichere Kursphantasie geben. Im Moment fehlen dafür die Anzeichen. Eine Dividendenrendite von 2,41 Prozent deutet zwar eine gewisse Solidität an, allerdings ist sie auch nicht sonderlich reizvoll. Damit dürften Anleger auf neue Impulse - beispielsweise eine höhere Ausschüttungsquote - warten, um den Wert neu und nur unter den genannten Umständen positiver bewerten zu können.

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