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Konsum : Karstadt-Aktie - ein schlafender Riese erwacht

  • Aktualisiert am

Karstadt-Aktie verdient mehr Aufmerksamkeit Bild: dpa

Die KarstadtQuelle-Aktie lebt von der Restrukturierungsstory. Dies dürfte anhalten, auch wenn die neuen Umsatzzahlen keine Fantasie bringen.

          2 Min.

          Bei Karstadt handelte es sich lange um eine Schlafwagen-Aktie. Selbst zu Zeiten der Dax-Zugehörigkeit wurde sie von den meisten Anlegern kaum beachtet.

          Grund dafür war die Schläfrigkeit des Managements und die Geringschätzung der Bedürfnisse der Akteure an den Finanzmärkten. Als Folge davon wurde das Potenzial, welches in den Konsum-Riesen schlummerte, lange nicht richtig ausgeschöpft und letztlich wurde sogar die Mitgliedschaft im Dax verspielt.

          Umsatzzahlen ohne Überraschungen

          Nach dem Abstieg aus der ersten Börsenliga ist nun aber plötzlich Leben in der Bude. Ein neues Managementteam versucht den Konzern auf Vordermann zu bringen. Die Umbauarbeiten werden an der Börse gut angenommen. Seit September ist die Aktie in der Spitze um rund 50 Prozent gestiegen.

          Die am Donnerstag veröffentlichten Umsatzzahlen dürften diesem Kursschub zwar keinen neuen Nachhalt verleihen (am Mittag steht ein Plus von 0,35 Prozent auf 43,25 Euro zu Buche). Schließlich lag die im Vorjahr verbuchte Umsatzsteigerung um vier Prozent auf 15,9 Milliarden Euro nur im Rahmen der Erwartungen. Doch mittelfristig dürfte die Börse die Restrukturierungsgeschichte weiter spielen.

          Nach einer charttechnisch zunächst durchaus angezeigten Verschnaufpause, deren Korrekturpotenzial aber begrenzt sein dürfte, könnte sich der Aktienkurs noch etwas Potenzial erschließen. Als weiter tragende Säulen des Aktienkurses sollten sich dabei die Öffnung gegenüber dem Kapitalmarkt und der besser als befürchtet laufende Konsum erweisen.

          KarstadtQuelle streckt die Fühler in neue Richtungen aus

          Fantasie aus Börsianersicht beinhalten laut Analyst Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe zudem neue Geschäftsinitiativen. So wurde die Kooperation mit dem Kaffeeshopbetreiber Starbucks und die Gerüchte über eine gemeinsame Kundenkreditkarte mit der Deutschen Telekom positiv aufgenommen. Sollte Ende Januar in Sachen Kooperation mit der Deutschen Telekom tatsächlich ein überzeugendes Konzept vorgelegt werden, könnte dies die neue Zuversicht der Anleger für die KarstadtQuelle-Aktie noch einmal verstärken.

          Dass das Management versucht, den Konzern umzukrempeln, zeigt sich auch an den neuesten Nachrichten. Demnach sollen die Bankaktivitäten für die Privatkunden im Zuge der Expansion im Geschäftsfeld Dienstleistungen gebündelt und das Geschäftsfeld Immobilien ausgebaut werden. Ziel im Immobilienbereich ist es, eine führende Rolle im Center- und Facility-Management im Einzelhandel zu übernehmen.

          Trotz allem Aktionismus soll aber auch die Ergebnisseite nicht vernachlässigt werden - auch das war früher nicht immer selbstverständlich bei Karstadt. Als Zielgröße bis 2003 gilt es, eine Verdoppelung der Nettoumsatzrendite auf drei Prozent zu erreichen. Im vierten Quartal scheint man dabei ein Stück voran gekommen zu sein. Zumindest sah der Vorstand anlässlich der Umsatzbekanntgabe keine Veranlassung von der Vorgabe abzurücken, dass der Vorsteuergewinn im Jahr 2001 um 25 Prozent gestiegen sein soll.

          Fazit: Die Restrukturierungsstory sollte die KarstadtQuelle-Aktie mittelfristig noch bis in den Bereich der bisherigen Rekordwerte aus dem Jahr 1998 bei knapp über 50 Euro tragen können. Gleichzeitig dürften wegen der allgemeine Lage der Branche - ein echter Konsumboom ist weit und breit nicht in Sicht - die Bäume aber auch nicht in den Himmel wachsen.

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