https://www.faz.net/-gv6-nudn

Konsum : Altria-Aktie verschafft sich Luft

  • Aktualisiert am

Bild:

Die Aktie des Tabakkonzerns Altria reagiert mit deutlichen Kursgewinnen auf die positive Entwicklung in einem Schadensersatzprozess. Aber auch wenn die Aktie günstig erscheint, gewisse Restrisiken bleiben.

          Das scheinbar unendliche „Gerichtssaaldrama“ um Altria setzt sich fort. Am Dienstag hatte es zur Abwechslung wieder einmal positive Nachrichten für das Unternehmen gegeben. Der Aktienkurs reagiert am Mittwoch entsprechend, denn das Papier legt satte 10,55 Prozent auf 44,73 Dollar zu.

          Denn der Illinois Supreme Court hatte im Fall einer Schadenersatzklage gegen Philip Morris USA, eine Altria-Tochter, die erforderliche Kaution von rund zwölf Milliarden Dollar auf nun 6,8 Milliarden reduziert. Das Unternehmen hatte daraufhin erklärt, in diesem Fall in die Insolvenz zu gehen. Das wiederum würde hohe Zahlungen an verschiedene amerikanische Bundesstaaten in Frage stellen, zu denen es sich bei der Belegung früherer Schadenersatzforderungen in den Jahren 1997 und 1998 verpflichtet hatte. Auf diese Zahlungen sind allerdings die Staaten auf Grund der präkeren Finanzlage ziemlich stark angewiesen.

          Zügige Lösung des Falles möglich

          Mit der aktuellen Entscheidung bejaht das Gericht den Revisionsanspruch von Philip Morris USA in der so genannten „Lights“ Klage. Philip Morris USA (PM) tritt als Kaution die Ansprüche aus einer Konzernkreditlinie über sechs Milliarden Dollar an das Gericht ab. Zusätzlich sind die jährlich anfallenden Zinsen in Höhe von sieben Prozent auf ein spezielles Konto des Gerichts zu zahlen. Der Kredit ist in drei gleichen Teilraten im April der Jahre 2008, 2009 und 2010 zu tilgen. Zusätzlich zu der Abtretung der Kreditlinie sind 800 Millionen Dollar in vier Raten in bar an das Gericht zu überweisen.

          Philip Morris darf die Revision im Miles/Price Fall direkt beim Illinois Supreme Court einreichen. Dadurch ist mit einer relativ zügigen Entscheidung in dem Fall zu rechnen. Experten räumen den Tabakgegnern in der Berufung relativ geringe Erfolgsaussichten ein. Für eine tabakfreundliche Entscheidung spricht auch die Tatsache, daß erst vor kurzem der „Aspinal“ Fall, die älteste „Lights“ Klage, in der Revision abgewiesen wurde. Auch andere Einzelklagen in „Lights“ Fällen wurden schon abgewiesen.

          Damit schließt sich die Entscheidung vom Dienstag an eine Reihe tabakfreundlicher Entscheidungen in der jüngsten Vergangenheit an. Hierzu zählen die Abweisung der als besonders gefährlich eingestuften „Engle“ Sammelklage mit einer Forderung von 148 Milliarden Dollar. Auch die Entscheidung des Amerikanischen Supreme Courts zu der Frage nach einem angemessenen Verhältnis von Schadensersatz und Strafzahlung ist in diesem Zusammenhang zu nennen.

          Aktien und Anleihen reagieren positiv

          Neben der Aktie reagierten auch die ausstehenden Altria-Anleihen positiv auf die Meldung, der Renditeabstand zu Staatsanleihen reduzierte sich. Und diese Bewegung dürfte nach Einschätzung der Analysten der DZ Bank anhalten. Sie betrachten die beiden Anleihen - die 4,5 Prozent Philip Morris 04/06 mit der ISIN DE0002967205 und die 5,625 Prozent Philip Morris 06/08 mit der ISIN DE0002484557 als Kauf. Nachdem die Unsicherheit über die zu leistende Kaution nun beseitigt wurde und vor dem Hintergrund der zuvor bereits bekannt gewordenen tabakfreundlichen Entscheidungen bieten sich die Anleihen nun ihrer Meinung nach auch für den weniger risikobereiten Investor an.

          Sollte diese Einschätzung zutreffen, dann gilt sie natürlich auch für die Altriaaktie. Und auch dort sind die Analysten mehrheitlich ziemlich optimistisch. Die Experten von Smith Barney beispielsweis haben nicht nur ihre Kaufempfehlung erneuert, sonder auch das Kursziel von 50 auf 56 Dollar angehoben. Ausgehend vom aktuellen Niveau wäre das ein weiteres Plus von knapp 25 Prozent. Mit einem Kursgewinnverhältnis von knapp zehn auf Basis der Gewinnschätzungen und einer Dividendenrendite von sechs Prozent erscheint die Aktie auf günstig zu sein. Allerdings macht ein Blick auf den Chart gewisse Risiken deutlich. Denn in den vergangenen Monaten gab es immer wieder größere Kurssprünge. Auf dieser Basis dürfte das Papier eher für risikofreudige Anleger in Betracht kommen. Aber selbst die sollten nicht alles auf diese Karte setzen, denn dafür ist die Grundstimmung gegenüber der Industrie insgesamt zu schlecht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Berlin im Juli 2017: Überschwemmung auf der Märkischen Allee nach einem Unwetter

          Schwierige Stadtplanung : Schwamm drunter!

          Starkregen und Hochwasser bringen Städte immer wieder an ihre Grenzen. Sie müssen sich anpassen – denn der Klimawandel dürfte das Problem noch verschärfen.
          Olaf Koch, 49, ist seit sieben Jahren Vorstandsvorsitzender des Handelskonzerns Metro.

          Metro-Chef Koch im Interview : Ist Ihr Job noch sicher?

          Metro-Chef Olaf Koch hat eine feindliche Übernahme durch den tschechischen Milliardär Křetínský abgewehrt, doch die Probleme bleiben. Wie geht es mit dem Handelskonzern und ihm selbst weiter?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.