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Konsum : Aktie von Gerry Weber erscheint nicht uninteressant

Gerry-Weber-Filiale im Centro Oberhausen Bild: dpa

Wie man mit Bekleidung Geld verdient, das machen H&M und Inditex schon seit einigen Jahren vor: Sie entwerfen die Kleider, lassen sie schneidern und verkaufen sie unter eigener Regie. Auch Gerry Weber verdient auf diese Weise gutes Geld.

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          Wie ein Unternehmen mit Bekleidung Geld verdient, das machen H&M und Inditex (“Zara“) schon seit einigen Jahren vor: Sie entwerfen nicht nur die Kleider und lassen sie schneidern, sondern verkaufen sie auch unter eigener Regie. Diesen Kurs hat Gerhard Weber inzwischen auch seinem Unternehmen, dem Modekonzern Gerry Weber, verordnet.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dessen Kernmarke für Damenkleidung verkauft sich gut, die kleineren Marken dagegen nicht besonders: Taifun für junge Leute, Samoon für Übergrößen und die Herrenlinie - sie alle laufen derzeit schlecht. Zum Glück für die Anleger ist ihr Einfluss auf den Konzernerfolg nur klein.

          Doch in einigen Jahren werden die beiden Unternehmensgründer aus dem Vorstand ausscheiden. Dass die Nachfolger das Geschäft ebenso gut weiterführen können, ist noch nicht bewiesen. Der Trost: Den Familien der beiden Gründer gehören derzeit mehr als die Hälfte der Aktien, die Gründer werden also auch nach ihrem Abschied genug Einfluss auf das Geschäft behalten.

          Anleger können darum ruhig auf die positiven Daten schauen: Umsatz und Gewinn steigen seit Jahren, auch die Dividende wächst mit - und die Aktie ist im Verhältnis zu den Gewinnen immer noch recht günstig: Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse liegen auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr bei 13 und 10,7.

          „Wir haben die schöneren Kleiderläden“

          Gerry Weber entwirft nicht nur Bekleidung, sondern verkauft sie immer öfter in eigenen Geschäften. Im folgenden Interview erklärt er unter anderem, aus welchem Grund.

          Herr Weber, Sie wollen mehr eigene Läden aufmachen. Warum?

          Wir wissen heute schon mehr über den Markt als viele Händler, darum lassen uns viele Händler ihre Bestellformulare ausfüllen. Wenn wir die Läden selbst betreiben, haben wir das Ohr noch besser am Kunden. H&M und Zara machen das auch so. Dazu kommt: Der Handel verdient wenig Geld. Deshalb ist die Einrichtung alt. Wir haben mehr Geld und können die Läden schöner einrichten.

          Wenn der Handel so wenig Geld verdient, wird Sie der Einstieg in den Handel aber wahrscheinlich Marge kosten.

          Nein. Wir sind eines von wenigen Unternehmen, die darauf achten, dass der Handel eine auskömmliche Marge bekommt. Das kommt uns zugute, wenn wir selbst verkaufen. Darum werden wir es schaffen, unsere Ebit-Marge . . .

          . . . die Marge vor Zinsen und Steuern . . .

          . . . in den kommenden vier Jahren von 10,3 auf 15 Prozent anzuheben und den Umsatz zu verdoppeln.

          Ihre Aktie kommt trotzdem nicht voran.

          Unsere Kurse sind aber auch nicht in dem Maß gefallen wie andere in der Finanzkrise. Lassen Sie uns sehen, wo der Kurs demnächst steht. Für das vergangene Geschäftsjahr haben wir die Dividende von 40 auf 50 Cent angehoben, abhängig vom Geschäftsverlauf könnte das dieses Jahr wieder passieren.

          Wenn die Dividende so steigt wie Ihre Gewinnprognose, müsste sie dann bei 60 Cent liegen.

          Das kann ich nicht ausschließen.

          Risiken kommen aus Ihren kleineren Marken: Taifun, Samoon und Ihre Herrenlinie verkaufen sich nicht gut.

          Samoon läuft immer besser, und auch für Taifun bauen wir jetzt eigene Läden auf. Die werden darum dieses Jahr einen Umsatzschub haben. Im Herrenbereich ist noch etliches zu tun, aber dafür haben wir jetzt einen Produktmanager eingestellt, der unserem Lizenznehmer Hilfestellung geben wird.

          Eingestellt haben Sie auch Doris Strätker als neues Vorstandsmitglied. Wird sie Ihre Nachfolgerin?

          Für den kreativen Teil der Arbeit auf jeden Fall. Für den kaufmännischen Teil wird sicherlich ein weiterer Vorstand dazukommen. Und vielleicht gibt es noch einen - das wären dann drei Vorstände, wenn mein Mitgründer Udo Hardieck und ich aufgehört haben. Aber mehr werden es nicht. Wir wollen die Wege kurz halten.

          Der Konsum in Deutschland läuft schlecht. Ist das ein Problem für Sie?

          Nur ein kleines. Wir machen schon mehr als die Hälfte unseres Umsatzes außerhalb von Deutschland, und dieser Anteil wird steigen. Wir haben jetzt schon Geschäfte in Ägypten, in Osteuropa, im Mittleren Osten und in China.

          Ihr Top-Argument für die Aktie?

          Das ist die Kontinuität. Wir haben nie etwas überhitzt und sind stetig vorangekommen. Und: Wir gehören zu den wenigen deutschen Marken, die gute Chancen haben, ein Global Player zu werden.

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