https://www.faz.net/-gv6-8cdoc

Technische Analyse : Konservative Strategie auch für das Aktienjahr 2016

  • -Aktualisiert am

Mit der Daimler-Aktie lässt sich 2016 wohl für Anleger Rendite machen. Bild: AP

Ein Aktienkorb aus sechs Euro-Stoxx-50-Titeln ist derzeit für Anleger interessant.

          4 Min.

          Nach den zum Teil sehr deutlichen Kursgewinnen an den europäischen Aktienmärkten in den Jahren 2012 bis 2015 bleibt mit Blick auf 2016 - begleitet von weiterhin sehr niedrigen Renditen bei den Staatsanleihen der Kern-Eurozone - eine technisch motivierte, konservative Strategie an den Euro-Aktienmärkten von Interesse. Bei dieser Anlagestrategie wird ein gleichgewichteter Aktienkorb aus Euro-Stoxx-50-Titeln aufgebaut, die eine Kombination aus einer attraktiven technischen Lage und einer erwarteten attraktiven Dividendenrendite aufweisen. Das schon in früheren Jahren verwendete Selektionsverfahren liefert diesmal - vor dem Hintergrund des schwierigen Jahresauftakts an den internationalen Aktienmärkten - den defensiver ausgerichteten Aktienkorb aus Allianz (Sicherungsstopp: 109 Euro, aktueller Kurs 151 Euro), AXA (16,40 Euro, aktuell: 23,50 Euro), Daimler (sichern bei 48 Euro, aktuell: 64 Euro), Deutsche Telekom (9,90 Euro, aktuell: 15,50 Euro), Enel (sichern bei 2,45 Euro, aktueller Kurs: 3,70 Euro) und Vinci (39,50 Euro, aktuell: 60 Euro).

          Die konservative Strategie für 2015 umfasste einen gleichgewichteten Aktienkorb aus Allianz, Daimler, Generali, Sanofi, Unibail Rodamco und Unilever. Innerhalb des Zeitraums vom 12. Januar bis 31. Dezember 2015 hat der Euro-Stoxx-50-Performance-Index, bei dem die um die länderbezogenen Steuersätze reduzierten Dividendenzahlungen der Indexmitglieder anteilig in Kursgewinne umgerechnet werden, einen Kursanstieg um 9 Prozent erreicht. Parallel dazu hat ein Anleger mit diesem Aktienkorb einen Kursgewinn von 13 Prozent erzielt, wobei die im Laufe des Jahres erhaltenen Dividendenzahlungen ebenfalls jeweils um die anfallende Steuer reduziert sind. Im Vergleich hat sich der Rex-P, der Rentenperformance-Index, der repräsentativ für die Zinskurve von deutschen Staatsanleihen steht, um 0,5 Prozent verbessert. Bei diesem Index werden die anfallenden Stückzinsen, die reinvestiert werden, nicht um einen Steueranteil reduziert. Summiert man die seit Anfang 2005 vorgestellten Aktienkörbe und berücksichtigt den jeweils zum Jahreswechsel erfolgen Tausch, so ergibt sich ein Gesamtanstieg von 106 Prozent. Der Euro-Stoxx-50-Performance-Index als Repräsentant für eine „Kaufen-und-Halten-Strategie“ befindet sich nach diesem elfjährigen Zeitraum bei einem Plus von 44 Prozent. Eine Alternativ-Anlage in den Rex-P-Index, ebenfalls als Repräsentant für eine „Kaufen-und-Halten-Strategie“ bei den Staatsanleihen, hätte in dieser Periode einen Kursanstieg von 56 Prozent geliefert.

          Dividendenrendite für Auswahl entscheidend

          Für die Auswahl der Titel für den Aktienkorb 2016 wird wieder das mehrstufige Selektionsverfahren, das auch in den Vorjahren genutzt wurde, verwendet. Erstens soll die Aktie aus dem Euro Stoxx 50 stammen. Zweitens sollte die erwartete Dividendenrendite diesmal über 3 Prozent und damit deutlich oberhalb der Zinskurven für deutsche und anderer Eurostaatsanleihen liegen. Hierbei wird der Aspekt berücksichtigt, dass aus analytischer Sicht die Dividendenrenditen von Aktien aus anderen Euroländern auch von den dortigen, zum Teil höheren Anleiherenditen mitbeeinflusst werden. Drittens sollten die Titel ein attraktives technisches Gesamtbild aufweisen, so dass die Chance auf eine Eigendynamik der Kursentwicklung besteht.

          Viertens sollten die Aktien im Sinne der Diversifikation nicht nur aus einem Sektor beziehungsweise aus einem Land stammen. Fünftens wird ein Risikomanagement vorgenommen. Jeder Titel erhält einen Sicherungsstopp, der sich im Laufe des Jahres jeweils um den Betrag der gezahlten Dividenden beziehungsweise eventuell um die Auswirkungen einer Kapitalmaßnahme verringert. Fällt die Aktie unter diesen Sicherungsstopp, wird die Position automatisch geschlossen. Durch dieses Risikomanagement soll der Aktienkorb gegen eine unerwartet einsetzende Baisse sowohl in den einzelnen Titeln als auch am Gesamtmarkt geschützt werden. Sechstens werden mögliche Barmittel, also zum Beispiel die um die jeweiligen länderspezifischen Steuern reduzierten Dividendenzahlungen zunächst bis zum Dezember 2016 zu geldmarktüblichen Konditionen angelegt.

          Bild: F.A.Z.

          Der französische Versicherungskonzern AXA hatte zwar schon zum Jahres-wechsel 2008/2009 sein damaliges Baisse-Tief erreicht, jedoch ist die Aktie erst in der zweiten Jahreshälfte 2012 aus der damaligen Bodenformation und dem vorherigen, jahrelangen Baisse-Trend herausgekommen. Im November 2012 hat die Aktie die technische Bodenformation mit einem Kaufsignal durch den Sprung über die Widerstandszone um 13 Euro verlassen und befindet sich seitdem in einer Hausse-Bewegung. Hierbei ergab sich im Jahr 2014 unterhalb der Widerstandszone um 20 Euro eine mittelfristige Konsolidierung in Form einer Seitwärtspendelbewegung. Im Januar 2015 hat AXA mit einem neuen Kaufsignal durch den Sprung auf mehr als 20 Euro die Hausse-Bewegung - allerdings mit einer moderateren Aufwärtsdynamik - wieder aufgenommen. AXA, die weiterhin eine relative Stärke gegenüber dem Euro Stoxx 50 aufweist, sollte den intakten Hausse-Trend weiter fortsetzen, wobei das nächste, mittelfristige technische Etappenziel bei 26 Euro liegen sollte. Da AXA auf Basis der erwarteten Dividende aktuell eine Dividendenrendite von über 4,5 Prozent aufweist, wird die Aktie in den Aktienkorb für die konservative Strategie 2016 aufgenommen. Der strategische Sicherungsstopp sollte bei 16,40 Euro liegen.

          Die französische Vinci, deren Geschäftsschwerpunkte sowohl im Betrieb und der Instandhaltung von öffentlicher Infrastruktur wie Autobahnen und Flughäfen als auch im Baugewerbe und in baubezogenen Spezialdiensten bestehen, gehört zu den Euro-Stoxx-50-Titeln mit einer intakten, technischen Hausse. Der übergeordnete, siebenjährige Hausse-Trend, der im März 2009 bei 21,70 Euro startete, liegt aktuell bei 40 Euro. Zusätzlich gibt es einen leicht beschleunigten Hausse-Trend mit einem Ausgangspunkt im November 2011 bei 28,50 Euro, der zurzeit bei 43,50 Euro anzutreffen ist. Im Oktober 2015 hatte sich Vinci mit einem technischen Kaufsignal aus der Konsolidierung unterhalb der Widerstandszone um 59 Euro nach oben abgesetzt, so dass sich die Hausse in dieser Aktie fortsetzt. Als erstes mittelfristiges technisches Etappenziel deutet sich für Vinci, die eine ausgeprägte relative Stärke gegenüber dem Euro Stoxx 50 aufweist, der Bereich um 62,50 Euro an. Das langfristige technische Kurspotential sollte deutlich höher liegen. Da Vinci aufgrund der zweimal im Jahr gezahlten Dividende eine erwartete Dividendenrendite von 3,2 Prozent für 2016 bietet, wird dieser Titel ebenfalls in den Aktienkorb aufgenommen. Der strategische Sicherungsstopp für diese Aktie sollte bei 39,50 Euro liegen.

          Der Autor leitet das europäische Index-Research von Commerzbank Corporates & Markets.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.