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Konkurs-Aktien : Aktie der Gontard & Metallbank steigt nach Bericht über Reaktivierung

  • Aktualisiert am

Gontard & Metallbank: Seit Jahren dicht Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Ein Zeitungsbericht über die Wiederbelebung der Gontard & Metallbank läßt die Konkursaktie am Freitag kometenhaft ansteigen. Doch noch ist es nicht soweit. Das Verlustrisiko ist sehr hoch.

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          Um rund 40 Prozent legt am Freitag die Aktie der Gontard & Metallbank nach Börseneröffnung zu. Der Grund: Das „Handelsblatt“ hat einen Bericht veröffentlicht, wonach eine Investorengruppe aus dem insolventen Institut eine Direktbank für den Mittelstand schaffen will.

          Zu diesem Zweck hätten die Investoren schon sechs Millionen Euro in die Vorbereitung des Projekts und in die derzeit bei 25 Cents notierende Aktie gesteckt, heißt es weiter. Dies würde nachträglich den starken Kursanstieg der Aktie im Sommer des vergangenen Jahres erklären. Seinerzeit hatte sich die Aktie vom Kursniveau bei vier Cents binnen drei Wochen auf 39 Cents annähernd verzehnfacht.

          Keine neue Meldung ...

          Danach gab sie rasch nach, hält sich aber seitdem in einer Handelsspanne zwischen 16 und 26 Cents. Vermutlich sprangen damals einige Trittbrettfahrer auf, die ebenso rasch wieder ausstiegen. Zwar kamen bereits Anfang August erste Spekulationen darüber auf, daß jemand den Börsenmantel kaufen wolle, doch war die mehrheitliche Meinung in Internet-Foren, daß es sich um einen „Abzocke“ handele.

          Ganz neu ist die Meldung indes nicht. Bereits am 17. August wurde im Internet kolportiert, daß der Name und die Historie der Gontard Bank „vermutlich wieder reaktiviert (würden) durch eine deutsche Mittelstandsvereinigung, die sich auf die Fahne geschrieben hat, eine echte Mittelstandsbank zu begründen“.

          Circa 500 Unternehmer hätten einen Pool gebildet, der Teile der Bank übernehmen wolle. Am 13. August war in der Börsenzeitung eine Meldung veröffentlicht worden, daß die Aktienclubs Köln mittlerweile ein größeres Paket an der AG hielten, was am 20. September auf 25 Prozent beziffert wurde.

          ... aber ein neuer Stellenwert

          Jetzt erhalten die Meldungen indes durch die Verbreitung in einer seriösen Wirtschaftszeitung einen anderen Stellenwert. Laut dem „Handelsblatt“ hält die Investorengruppe nach deren Recherchen mittlerweile annähernd 60 Prozent der Aktien, wogegen diese diesen Wert selbst mit knapp 30 Prozent angebe.

          Der Initiator und Gründer der Aktienclubs Köln, der Kölner Finanz- und Unternehmensberater Alexander Lichtenberg, sagte der Zeitung, man wolle die übrigen Gontard-Eigner jetzt ins Boot holen, um die Gläubiger zum Forderungsverzicht zu bewegen. Er glaubt noch im Herbst oder Winter des Jahres die ersten Kunden gewinnen zu können.

          Lichtenberg kommt laut Biographie auf der Website des Aktien-Clubs Köln aus der Finanzbranche, wo er für Versicherer Firmenkunden betreut habe und bei der Dresdner Bank im Rahmen der Übernahme durch die Allianz für Personal- und Beratungsoptimierungen zuständig gewesen sei.

          Umsetzung bislang nur in Ansätzen

          Doch bislang scheint es sich eher um hochfliegende Pläne zu handeln, die der Realisierung noch harren. Bislang habe die Gruppe laut Bericht weder bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eine Banklizenz beantragt noch Vorstände mit der erforderlichen Kompetenz benannt. Auch Insolvenzverwalter Klaus Pannen sei noch nicht angesprochen worden.

          Damit scheint es aber bei den wahrhaft wesentlichen Schritten zur Reaktivierung des Instituts noch keine Erfolge zu geben. Weder sind die Schulden neu verhandelt, noch die rechtlichen Grundlagen geschaffen, noch ist der Insolvenzplan außer Kraft gesetzt. Das bedeutet, daß das Vorhaben noch an jedem einzelnen Punkt scheitern kann.

          Wer sich daher jetzt bei der Aktie einkauft, geht ein extrem hohes Risiko ein. Ein größerer Einstieg von Anlegern könnte den Kurs des marktengen Wertes stark hochtreiben. Kann das Vorhaben dann am Ende nicht durchgeführt werden, könnte es praktisch zum Totalverlust kommen, indem sich die Geschichte praktisch wiederholt. 1999 war die Aktie zu 25,05 Euro gestartet, verlor aber rasch an Wert, bevor sie im Zuge der Insolvenz im Mai 2002 auf ein Niveau um zwei Cents abstürzte. Dort blieb sie über drei Jahre.

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