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Konjunkturdaten : Aktienmärkte leiden unter Wachstumsangst

Am Mittwoch fiel der Dax kurzzeitig unter die Marke von 7000 Punkten Bild:

Die Konjunkturdaten waren zuletzt so schwach, dass Anleger eine neue Rezession in Amerika befürchten. Das belastet Aktien in aller Welt. Zwischenzeitlich fällt der Dax sogar unter 7000 Punkte.

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          Wiederaufgekommene Sorgen um einen Rückfall der Vereinigten Staaten in die Rezession belasten die Aktienmärkte auf der ganzen Welt. Der amerikanische Leitindex S&P 500 hat seit seinem Jahreshoch Ende April fast 7 Prozent verloren auf nun 1280 Punkte. Der Euro Stoxx 50, der die 50 wichtigsten Aktien des Euroraums abbildet, fiel während derselben Zeit um gut 9 Prozent auf nun 2750 Punkte. Der hundert Werte umfassende F.A.Z.-Index ermäßigte sich von seinem Jahreshoch von 1716 Punkten um rund 8 Prozent auf aktuell 1590 Punkte. Und der Auswahlindex Dax, der die 30 wichtigsten börsennotierten deutschen Unternehmen abbildet, hat von seinem Jahreshoch ebenfalls 8 Prozent verloren. Am Mittwoch fiel der Dax im Tagesverlauf vorübergehend sogar zum ersten Mal seit der Nuklearkatastrophe in Japan im März unter die Marke von 7000 Punkten, bevor er dann den Tag auf 7060 Zählern beendete.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          "Wir haben vergleichsweise abrupt eine abermalige Rezessionsdebatte über die Vereinigten Staaten bekommen", sagt Ingo Mainert, der mitverantwortlich ist für die Anlagestrategie des Vermögensverwalters RCM/Allianz Global Investors, der zum deutschen Versicherer Allianz gehört und ein Vermögen von 120 Milliarden Euro verwaltet. Unerwartet schlecht waren zuletzt beispielsweise der wichtige amerikanische Wirtschaftsindikator des Institute for Supply Management (ISM) für das Verarbeitende Gewerbe ausgefallen. Und auch die amerikanische Arbeitslosenquote legte leicht zu auf 9,1 Prozent, während professionelle Marktbeobachter im Schnitt von 8,9 Prozent ausgegangen waren. Auch der amerikanische Notenbankpräsident Ben Bernanke gab jetzt zu, dass die Wirtschaftsleistung der größten Volkswirtschaft der Welt in diesem Jahr wohl schwächer als bisher erwartet zulegen werde. All das kontrastiert mit den noch zu Beginn des Jahres häufig heraufgesetzten Wachstumserwartungen für die Vereinigten Staaten.

          Das Warten auf steigende Kurse

          Eine höhere Unsicherheit und Nervosität führt üblicherweise dazu, dass Anleger als tendenziell risikoreicher geltende Anlageklassen wie Aktien und Rohstoffe abstoßen und Vermögen entweder bar vorhalten oder in als sicher geltende Anlagen wie amerikanische oder deutsche Staatsanleihen umschichten. "Unsere Modelle tendieren momentan eher in Richtung einer höheren Risikoaversion", sagt etwa Martin Estlander, der den finnischen Hedgefonds Estlander & Partner leitet und rund 750 Millionen Euro verwaltet. Die Strategie des Fonds basiert darauf, dass leistungsstarke Computer anhand mathematischer Modelle die Kursentwicklung auf 125 verschiedenen Teilmärkten analysieren auf der Suche nach Trends.

          Bild: F.A.Z.

          Estlander setzt identifizierte Trends hernach über standardisierte, in die Zukunft gerichtete Wertpapiere (Futures) um. Im aktuellen Umfeld, das nicht nur auf den Aktienmärkten, sondern auch im Rohstoff- und Währungsbereich durch hohe Kursschwankungen gekennzeichnet ist, wartet er ab. "Wir haben unsere Engagements in Aktien und Rohstoffen stark zurückgefahren und warten momentan eher ab. Im Anleihebereich setzen wir derzeit auf steigende Kurse in Europa und Amerika und auf einen fallenden Dollar." Nach einer Analyse der schweizerischen Bank Credit Suisse sind Hedgefonds, die gleichzeitig auf steigende und fallende Aktienkurse setzen, zuletzt etwas zurückhaltender in ihrem Optimismus geworden.

          Besserung in Sicht

          Gleichwohl sind Aktien anhand gängiger fundamentaler Bewertungsmaßstäbe wie etwa dem Verhältnis zwischen aktuellen Börsenkursen und den erwarteten Unternehmensgewinnen derzeit nicht teuer. Der Vermögensverwalter RCM/Allianz Global Investors nutzt die vielen zurückgegangenen Kurse schon für Zukäufe. "Wir haben begonnen, unsere Aktienquoten vorsichtig nach oben anzupassen, und fokussieren uns neben deutschen Werten auf international ausgerichtete amerikanische Unternehmen und ausgewählte Titel in den Schwellenländern", sagt Anlagestratege Mainert.

          Er geht davon aus, dass der Pessimismus über Amerika zunächst zwar zunehmen und die Aktienkurse weiter belasten könnte, die Vereinigten Staaten würden aber nicht tatsächlich in eine abermalige Rezession abrutschen. "Wir erwarten lediglich eine temporäre Wachstumsdelle, die in dieser Phase des Konjunkturzyklus durchaus typisch ist." In der zweiten Jahreshälfte werden sich die gesamtwirtschaftlichen Zahlen wieder bessern. Die Unternehmensergebnisse, die langfristig als der wichtigste Treiber für Aktienkurse gelten, sollten ohnehin robust bleiben. Unter den Schwellenländern sei dann etwa der chinesische Aktienmarkt besonders interessant.

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