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Konglomerate : Siemens-Aktie reizvoll für Optimisten

  • Aktualisiert am

Die schwierigen Quartale liegen noch vor dem Konzern Bild: dpa

Recht gut waren die Zahlen, die Siemens für das abgelaufene Quartal vorlegte, vor allem in Anbetracht der Umstände. Die Ziele sind ambitioniert, aber die Bewertung der Aktie verheißt Spielraum. Für Aktien-Optimisten scheint dies eine Gelegenheit zu sein.

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          Die Börsianer sind mal wieder optimistisch und so kaufen sie. Aber was sollen sie auch anderes machen? Schließlich ist es ihr Beruf oder ihre Leidenschaft und beides kann man nicht ausüben, in dem man keine Aktien kauft.

          So findet sich immer ein Kaufgrund. Der Gewinn von Texas Instruments fällt um 86 Prozent? Macht nichts - der Ausblick war ja schon düster. Philips macht Verluste? Macht nicht - die hätten ja noch höher sein können. Fannie und Freddie stehen kurz vor der Pleite? Macht nichts - Barclays schreibt ja optimistische Briefe. Und im übrigen wird's Obama schon richten.

          Umsatz und Gewinn steigen

          Und so wäre es eine Überraschung, wenn der Kurs der Siemens-Aktie am Dienstag nach der Zahlenvorlage nicht steigen würde. Der Bericht zum ersten Quartal sei gut ausgefallen, lobte ein Händler.

          Bild: F.A.Z.

          In dem im Dezember zu Ende gegangenen ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2008/2009 steigerte Siemens den operativen Gewinn um ein Fünftel auf gut zwei Milliarden Euro. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 1,2 Milliarden Euro, etwas mehr als von den Analysten im Durchschnitt geschätzt. Im Vorjahresquartal waren es ohne den Sondereffekt durch den Verkauf von VDO 1,1 Milliarden Euro gewesen.

          Der Umsatz wuchs um 7 Prozent auf 19,6 Milliarden Euro und damit etwas stärker als erwartet. Allerdings profitierte Siemens vom langfristig angelegten Projektgeschäft und zehrte vom hohen Auftragseingang der vergangenen zwei Jahre. In diesem zeigen sich dagegen die Folgen der nachlassenden Konjunktur: Er schrumpfte um 8 Prozent auf 22,2 Milliarden Euro.

          Auftragseingang lässt nach

          Der Vorstandsvorsitzende Peter Löscher sagte, damit habe Siemens besser abgeschnitten als die meisten Wettbewerber. Die Aufträge gingen in allen Regionen der Welt und in den meisten Divisionen zurück. Im Industriesektor, der mit Abstand größten der drei Sparten, brachen die Ordereingänge um elf Prozent ein. Bei bestehenden Aufträgen habe es keine wesentlichen Stornierungen gegeben, betonte Siemens.

          In der Industriesparte zeigten sich auch bereits Bremsspuren. So hielt sich der Umsatz in der Industriesparte mit 9,35 Milliarden Euro noch über dem Vorjahresniveau, das Ergebnis ging aber von 994 auf 907 Millionen Euro zurück. Das habe im Wesentlichen daran gelegen, dass die bisherige Ertragsperle Automatisierungstechnik unter Umsatzschwund und einem „ungünstigeren Produktmix“ litt.

          Medizintechnik verfehlt Margenziel abermals

          Weiterhin gut liefen dagegen die Geschäfte im Energie-Bereich. Der Auftragseingang ging nur leicht auf 8,534 Milliarden Euro zurück, der Umsatz lag mit 6,232 Milliarden Euro aber um 24 Prozent über dem Vorjahreszeitraum, das Ergebnis verdoppelte sich auf 756 Millionen Euro. Vor allem die Kraftwerkstechnik trug dazu bei. Hier konnte sogar die Marge deutlich von 6,9 auf 12,1 Prozent erhöht werden, während sie im Industriebereich von 10,8 auf 9,7 Prozent fiel.

          Die Medizintechnik verbuchte den größten Erfolg beim Auftragseingang. Die Sparte erhielt mit 2,896 Milliarden Euro sogar mehr Bestellungen als im Vorjahreszeitraum - obgleich weiterhin im amerikanischen Gesundheitssystem gespart wird. Der Umsatz stieg um 11 Prozent auf 2,94 Milliarden Euro, das Ergebnis lag stabil bei 342 Millionen Euro. Belastungen über 41 Millionen Euro aus Verzögerungen bei einem Partikeltherapie-Großprojekt verhinderten eine Verbesserung, und so verfehlte die Medizintechnik wie schon im Vorjahresquartal die Margenvorgabe. Statt 14 bis 17 Prozent erwirtschaftetet sie nur 11,6 Prozent.

          Ziele „noch ambitionierter“

          Das operative Ergebnis der drei Sparten soll im laufenden Geschäftsjahr auf 8 bis 8,5 Milliarden Euro steigen, bekräftigte Löscher. Indes zeigte er sich vorsichtiger als früher: Angesichts der weltweiten Rezession seien die Ziele „noch ambitionierter“ geworden. „Wir werden uns das jedes Quartal sehr genau ansehen.“ Der Umsatz soll weiter doppelt so schnell zulegen wie die Weltwirtschaft - beziehungsweise halb so stark schrumpfen.

          Dies dürfte die Börsianer, wie gesagt, kaum beeindrucken, ebenso wenig wie Schwund und Zielverfehlungen bei den Margen. Und ganz falsch liegen sie damit nicht - den Umständen entsprechend sind die Ergebnisse gut, die Siemens für das vergangene Quartal vorgelegt hat. Und die Bestätigung der Ziele für das laufende Geschäftsjahr dürfte dem Aktienkurs deutlichen Schub verleihen, aller Vorsicht zum Trotz.

          Einstiegsmöglichkeit für Optimisten

          Für das laufende Geschäftsjahr liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie auf Basis der Analystenschätzungen bei 8,7 für das kommende Jahr bei 8,1. Das ist sicher nicht teuer. Bedenkt man zudem, dass die Aktie auf dem niedrigsten Niveau seit 2002 gehandelt wird. Vorbörslich verzeichnet der Aktienkurs bereits ein Plus von knapp 6 Prozent.

          Das Risiko von Aktien-Investments bleibt aber bestehen. Nur wer glaubt, dass das Schlimmste bereits überstanden ist, findet jetzt eine günstige Einstiegsmöglichkeit. Und kaufern und liegen lassen ist derzeit gewiss nicht- wenn die Strategie denn je richtig war.

          Immerhin bestätigte Löscher, dass es Gespräche über Kurzarbeit an drei Standorten gebe. Die schwierigeren Quartale lägen noch vor dem Konzern. Der Ergebnisausblick stehe auch nur unter der Voraussetzung, dass es auf Seiten der Kunden nicht zu wesentlichen Verzögerungen oder Stornierungen komme und die Preise durch das aktuelle Umfeld nicht „noch weiter gedrückt“ würden. Finanzvorstand Joe Kaeser rechnet allerdings bei einem kontinuierlichen Abschwung mit einem härteren Preiskampf. „Wir werden diesen Preiskampf nicht initiieren und nicht anführen. Wir können uns dem aber nicht entziehen.“

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