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Konglomerate : Siemens-Aktie drängt nach oben

  • Aktualisiert am

Auf der diesjährigen HV dürfte Siemens-Chef Kleinfeld wenig Grund zum Lachen haben Bild: ddp

Die Hauptversammlung des Siemens-Konzerns dürfte angesichts der Vorkommnisse der vergangenen Wochen turbulent werden. Doch nach guten Zahlen für das erste Quartal beeindruckt das den Aktienkurs wenig. Im Gegenteil: Die Notierung strebt neuen Höhen zu.

          Der Siemens-Konzern hat in den vergangenen Monaten sicherlich mehr Publizität erfahren als ihm lieb war. Auch am Donnerstag dürfte das Münchener Unternehmen wieder im Licht der Öffentlichkeit stehen.

          Denn dann werden auf der Hauptversammlung all die Dinge zur Sprache kommen, die dem Image des Mischkonzerns nicht unbedingt zuträglich waren. Erwartet wird, dass sich die Unternehmensführung auf harte Kritik nationaler und internationaler Investoren einstellen muss. Nach einem Bericht des „Handelsblatts“ vom Donnerstag hat die ISS, die größte und wichtigste Organisation für die Beratung institutioneller Investoren in den Vereinigten Staaten, ihren Kunden empfohlen, Vorstand und Aufsichtsrat von Siemens auf der Hauptversammlung nicht zu entlasten.

          Vor turbulenter Hauptversammlung

          Dieses Votum sei für institutionelle Aktionäre praktisch bindend, wird ein hochrangiger Fondsmanager zitiert. Auf der Hauptversammlung werde es einen großen Knall geben. Zu den Kunden von ISS gehören namhafte Fondsgesellschaften, die einer Entlastung des Siemens-Vorstands nicht zustimmen dürften.

          Auf Polizeibesuch hätte Siemens wohl lieber verzichtet

          ISS begründe die ablehnende Haltung gegenüber der Siemens-Führung damit, dass das Management zu spät auf den Korruptionsskandal reagiert und damit seine Pflichten vernachlässigt habe. Auch deutsche Aktionärsvertreter haben wegen der Pleite der ehemaligen Handy-Sparte und der Schmiergeldszahlungen bereits beantragt, die Siemens-Führung nicht zu entlasten.

          Der Kursentwicklung war all der Wirbel dagegen nicht abträglich. Seit dem Insolvenzantrag von BenQ Ende September hat die Aktiennotierung um nicht weniger als 16,5 Prozent zugelegt und setzte damit den Erholungstrend fort, den sie nach ihrem Junitief von 61,37 Euro seit August eingeschlagen hatte.

          Wenig beeindruckter Aktienkurs

          Am Mittwoch beschloss sie den Handel bei 77,96 Euro und damit in erreichbarer Nähe des Aprilhochs von 79,77 Euro, das gleichzeitig der höchste Stand des Aktienkurses seit dem Mai 2001 war.

          Verantwortlich für den Kursanstieg werden unter anderem neue Meldungen über die Zukunft des Konzerns gemacht, der derzeit bestrebt ist, seine Ertragskraft durch die Restrukturierung und die Trennung von margenschwachen und verlustbringenden Bereichen zu verbessern. Zu diesen Maßnahmen hatte auch der Verkauf der Handy-Sparte gehört, der aufgrund der nur wenig später folgenden Insolvenz dem Management so viel Kritik bescherte.

          Am Mittwoch waren es Meldungen zur Zukunft der Automobiltechniktochter Siemens VDO Automotive, die in der Nacht zum Donnerstag bestätigt wurden, aber zuvor der Aktie schon einen Kursanstieg um 1,8 Prozent beschert hatten.

          VDO soll an die Börse

          Demnach will Siemens VDO wie einst schon Infineon und Epcos an die Börse bringen. Siemens werde dabei die Aktienmehrheit behalten. Mit diesem Schritt würden die Voraussetzungen geschaffen, Siemens VDO „die notwendigen Finanzmittel und vergrößerten Handlungsspielraum für weiteres nachhaltiges und profitables Wachstum zu gewähren“.

          Gleichzeitig gab der Konzern bekannt, dass man das amerikanische Softwareunternehmen UGS übernehmen werde. Mit dieser Übernahme erweitere der Siemens-Bereich Automation and Drives sein Produktspektrum der Automatisierungstechnik um industrielle Software für Planung, Design und Simulation im Produktlebenszyklus-Management (PLM). Der Kaufpreis für UGS betrage rund 3,5 Milliarden Dollar inklusive Schulden.

          Sieht man von allen Schlagzeilen um Korruptionsfälle und die BenQ-Insolvenz einmal ab, so hat sich der Konzern im ersten Quartal des im September endenden Geschäftsjahres operativ insgesamt recht ansprechend entwickelt.

          Unerwartet gutes erstes Quartal

          Das Ergebnis der Bereiche stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um mehr als 50 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro, deutlich stärker als der Umsatz, der um sechs Prozent auf 19,1 Milliarden Euro zunahm. Analysten hatten im Schnitt mit einem Umsatz von 18,47 Milliarden Euro gerechnet.

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