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Kommentar : Unruhige Zeiten für Apple-Fans

Die Aktien des Internetriesen Apple verloren innerhalb einer Woche zehn Prozent. Bild: dpa

Apple ist die beliebteste ausländische Aktie der Deutschen. Doch die Anleger mussten in der vergangenen Woche einiges einstecken. Ein Kommentar.

          Apple ist die beliebteste ausländische Aktie der Deutschen. Diese mussten in der vergangene Woche einiges einstecken. Denn der Kurs verlor zehn Prozent. 50 Milliarden Dollar Börsenwert wurden in wenigen Tagen vernichtet - so viel, wie BMW insgesamt bewertet ist. Und das in einer Woche, in der die anderen Aktien nur leicht nachgaben.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Meldungen aus der Apple-Zentrale waren auch nicht ermutigend. Es gab auch früher schon heftige Kurseinbrüche, aber da meldete der Chef Tim Cook Rekordgewinne, nur die Börse hatte noch mehr erwartet. Doch diesmal verkündete das Unternehmen erstmals seit 2003 einen Umsatzrückgang. Und die Verkaufszahlen des iPhone gingen zum ersten Mal überhaupt zurück. Das trifft Apple ins Mark, denn das Smartphone ist das wichtigste Produkt. Es macht 60 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

          Phantasie für neuen Schwung

          Kurz danach verkaufte Großinvestor Carl Icahn seine Apple-Anteile. Zwar lobte er das Unternehmen, warnte aber vor China, das gerade erst einige Online-Dienste von Apple gesperrt hatte. Der Markt dort ist einer der wichtigsten für die Amerikaner. Baut Peking weitere Hürden auf, könnte das Apple empfindlich treffen. So gibt es derzeit wenig, was Hoffnung macht. Im Herbst kommen die neuen iPhone-Modelle auf den Markt, und die Fans werden wieder eifrig zugreifen. Sie sind treu, was Apple seit Jahren hilft. Aber sie halten die Smartphones länger als früher, und Neukunden gewinnt Apple nur wenige. Die Konkurrenz von Samsung und zunehmend auch aus China macht sich bemerkbar.

          Aber wenn schon das iPhone nicht mehr für die fulminanten Wachstumszahlen der Vergangenheit sorgen kann, muss endlich eine neue Produktidee den Umsatzschub bringen, denn da kam seit iPad und iPhone nur noch die Apple Watch auf den Markt. Von ihr hört man jedoch bisher nicht, dass sie sich blendend verkauft.

          So eine Phantasie brauchte es aber, um der Aktie neuen Schwung zu geben. Oder eben überraschend große Umsatzsteigerungen beim iPhone, die aber derzeit nicht wahrscheinlich sind. Die im Kurs eingepreisten Erwartungen sind noch immer hoch. Werden sie nicht bald erfüllt, wird der Kurs noch weiter kräftig fallen. Für Anleger heißt das: Es gehört derzeit schon einige Risikobereitschaft dazu, auf die Apple-Aktie zu setzen. Die „idiotensichere Wette“, wie Icahn sein Apple-Investment einmal bezeichnet hat, ist sie nicht mehr. Das sagt jetzt sogar Carl Icahn selbst.

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