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Kaufen oder nicht : Adidas im Aktiencheck

Adidas-Geschäft in Russland Bild: AFP

Investoren wollen dem Herzogenauracher Sportwarenhersteller Adidas angeblich Reebok abkaufen. Beflügelt das die Dax-Aktie?

          3 Min.

          Es war am vergangenen Montagmorgen, als im beschaulichen Herzogenaurach eine Nachricht aus dem fernen New York die Runde machte: Adidas, der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt und seit seiner Gründung in dem bayerischen Städtchen beheimatet, hatte es auf die Titelseite des „Wall Street Journal“ geschafft. Allerdings dürfte sich die Freude des Vorstandsvorsitzenden Herbert Hainer in Grenzen gehalten haben. Denn auf dem Titelblatt stand zu lesen: „Investorengruppe bietet für die Adidas-Tochtergesellschaft Reebok.“

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Weder in Herzogenaurach noch in Hongkong, wo der vermeintliche Käufer Jynwei Capital residiert (auch Investoren aus Abu Dhabi sollen interessiert sein), wollte man die Zeitungsmeldung bestätigen. Doch die Reaktion an der Börse war eindeutig: Sogleich legte die Adidas-Aktie um sieben Prozent zu. Es war der erste größerere Zugewinn in einem Jahr, in dem die Aktie die Anleger bislang bitter enttäuscht hatte - das Minus seit Jahresanfang hatte bis zu diesem Zeitpunkt mehr als 30 Prozent betragen. Die Euphorie der Anleger lässt sich darum so interpretieren: Sie ist ein deutliches Misstrauensvotum gegen Adidas-Vorstandschef Hainer. Denn der hatte wieder und wieder erklärt, Reebok stehe nicht zum Verkauf.

          Seit dem Gerücht vom Montag sind die Analysten nun mit Blick auf die Entwicklung der Adidas-Aktie so uneinig wie selten: 54 Prozent geben kein klares Votum ab, 30 Prozent raten zum Kauf und 16 Prozent zum Verkauf - ein ungewöhnlich hoher Wert innerhalb der Analystengemeinde, die sonst zu deutlich mehr Optimismus neigt. Wird der Kurs sich also wieder in Richtung seines Höchststandes zu Jahresbeginn bewegen, ist jetzt womöglich die ideale Einstiegsgelegenheit? Oder dauert die Schwächephase der Aktie an?

          Bild: F.A.Z.

          Wie stets an der Börse kann niemand die Antwort darauf mit hundertprozentiger Sicherheit wissen. Aber vieles spricht dafür, dass der Adidas-Aktienkurs nicht weiter durchstarten wird. Und das hat nicht nur mit Reebok zu tun.

          Denn der Sportartikelhersteller hat eine Fülle von Problemen. Da ist zunächst einmal das Russland-Geschäft: Fast zehn Prozent seines Umsatzes hat Adidas zuletzt in Russland erzielt, auf dem riesigen Markt ist Konkurrent Nike so gut wie gar nicht präsent - eigentlich ein großer Vorteil. Doch dann kam die Russland-Krise, der Rubel wertete ab, und die sonst sehr konsumfreudigen Russen halten sich seitdem mit Ausgaben zurück. Niemand kann vorhersehen, wie lange das noch so gehen wird. So ist die strategisch kluge Ausrichtung des Adidas-Konzerns auf Russland wegen der politischen Unsicherheit zum großen Problem geworden.

          Beherrschbar erscheinen dagegen die Schwierigkeiten, denen sich die Adidas-Golfsparte „Taylormade“ derzeit ausgesetzt sieht: Marktführer Adidas hatte hier unlängst eine Fülle neuer Modelle herausgebracht, doch man wurde die Schläger einfach nicht los. Die Folge: ein starker Rückgang der Preise, der den Gewinn der Sparte sinken ließ. Alles in allem ein grober Managementfehler, urteilen viele Analysten, aber korrigierbar. Anders sieht dies auf dem wichtigsten Sportartikelmarkt der Welt aus - in den Vereinigten Staaten. Wie kein anderes Volk begeistern sich die Amerikaner für Trikots und Sportschuhe, aber Analyst Peter Steiner vom Bankhaus Metzler bringt das Problem auf den Punkt: „Adidas kommt dort gegen Nike nicht an.“ Es ist nicht nur das Design der Adidas-Schuhe, das den Amerikanern weniger zusagt.

          Zudem ist es Adidas bislang nicht gelungen, einen wirklich populären Sportler zu verpflichten, der der Marke in Amerika ein Gesicht gibt. Selbst der Kauf von Reebok 2005, eigentlich gedacht, um Nike auf dem Heimatmarkt zu attackieren, hat an der Unterlegenheit nichts ändern können. Das Urteil vieler Experten ist darum hart: Adidas habe in Amerika den Anschluss verloren - selbst wenn Reebok nun wieder verkauft würde, ließe sich mit den Einnahmen der Rückstand nicht wettmachen. Zumal viele davon ausgehen, dass Vorstandschef Hainer einfach nicht verkaufen will. Die Kursgewinne der vergangenen Tage könnten sich so als Strohfeuer erweisen.

          Fazit: Zwar ist Adidas der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt, bleibt im Fußballgeschäft eine Macht und verwöhnt die Aktionäre regelmäßig mit einer Dividende. Die Adidas-Aktie für alle Zeiten abzuschreiben wäre daher ein Fehler. Aber der Blick in die nähere Zukunft zeigt: Eine schnelle Lösung der Probleme ist nicht in Sicht. Eine vernünftige Basis für Kursgewinne sieht anders aus. Jetzt Adidas-Aktien zu kaufen, kann man daher nicht empfehlen.

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