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Kapitalmarktprognosen für 2013 : Optimismus für den Aktienmarkt

Spanischer Bulle: Das Land sei dem bisherigen Export-Europameister Deutschland auf den Fersen, urteilt die Helaba Bild: REUTERS

Die ersten Kapitalmarktprognosen für 2013 sind vorsichtig optimistisch: Die Deutsche Bank und die Landesbank Hessen-Thüringen sehen eine abnehmende Unsicherheit der Anleger voraus.

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          Die ersten Kapitalmarktprognosen für das kommende Jahr sind von einem vorsichtigen Optimismus getragen. So erwartet die Deutsche Bank zwar nur eine verhaltene Entwicklung der Weltkonjunktur. Der weitere Verlauf der Euro-Krise lasse sich nicht zuverlässig prognostizieren, sagte Stefan Schneider, der Leiter der Abteilung Makroökonomie bei Deutsche Bank Research: „Die Anstrengungen der Politik und der Europäischen Zentralbank, verbunden mit außergewöhnlich niedrigen Leitzinsen in den großen Industriestaaten, sollten im kommenden Jahr zu einer besseren Stimmung von Unternehmen und Konsumenten führen.“ Die abnehmende Unsicherheit der Anleger führe zu sinkenden Risikoprämien an den Kapitalmärkten.

          Gerald Braunberger
          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ulrich Stephan, der Chef-Anlagestratege für Privat- und Geschäftskunden der Deutschen Bank, sieht den Dax zum Jahresende 2013 bei 8000 Punkten, den Preis für eine Unze Gold bei 2000 Dollar, die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bei 2,50 Prozent und den Wechselkurs des Euro bei 1,20 Dollar. Das Musterportfolio der Bank besteht zu einem Drittel aus Aktien, wobei Stephan in Europa Banken-, Versicherungs- und Chemietitel bevorzugt und in Amerika Aktien von Finanz-, Informationstechnologie- und Industrieunternehmen empfiehlt.

          „Deutschlands Wirtschaft steht am Wendepunkt“

          Renten der niedrigen Risikoklassen 1-2 (siehe Grafik) beinhalten unter anderem die sehr sicheren Pfandbriefe, während zu den Renten der höheren Risikoklassen 3-5 unter anderem Anleihen von Unternehmen und Schwellenländern zählen. Als Depotbeimischung empfiehlt Stephan auch Staatsanleihen aus Italien und Spanien, bevorzugt enthalten in Rentenfonds. Rohstoffanlagen sollten am ehesten in den Märkten für Edelmetalle und Industriemetalle vorgenommen werden. Am Devisenmarkt sieht Stephan den Dollar aufwerten.

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          Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) sieht eine Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent, dass die extrem lockere Geldpolitik der Notenbanken und die Transfers der reichen Euroländer nach Griechenland die Euro-Staatsschuldenkrise beenden. „Deutschland steckt gerade im schwächsten Quartal dieses Konjunkturzyklus“, sagte Chefvolkswirtin Gertrud Traud am Donnerstag zu Journalisten und fügte hinzu: „Das Rezessionsgerede gehört in die Vergangenheit. Deutschlands Wirtschaft steht am Wendepunkt, vor einem investitionsgetriebenen Aufschwung.“ Tritt dieses Szenario tatsächlich ein, werde der Dax auf „deutlich mehr als 8000 Punkte“ steigen, die Rendite von Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit nahe 2 Prozent klettern und der Euro auf 1,40 Dollar aufwerten.

          Spanien ist kostengünstiger geworden

          Traud stützt ihr Hauptszenario auf die Erwartung, dass sich das Jahreswachstumstempo Chinas bei 7,5 Prozent stabilisiert und Brasiliens Konjunktur wieder anzieht. Dann werde die Weltwirtschaft 2013 um 3,3 Prozent und die deutsche Wirtschaft um 1,2 Prozent wachsen. „Mit einer Wende der konjunkturellen Frühindikatoren, wie zuletzt beim Ifo-Index gesehen hellen, sich auch die Ertragsperspektiven der Unternehmen auf und bieten Aktien Raum für eine moderate Bewertungsexpansion“, sagt Traud. Auch wenn die Weltkonjunktur „nicht vom Euroraum gemacht“ werde, so dürften doch die Reformen dort greifen. So sei vor allem Spanien kostengünstiger geworden und nun dem bisherigen Export-Europameister Deutschland auf den Fersen. Der europäische Aktienindex Euro Stoxx 50 werde im Jahr 2013 besser abschneiden als der Dax. Vom Jahr 2014 an dürfte für Aktien eine schwierigere Phase anbrechen, vermutet Traud.

          In einem „Risikoszenario“ für 2013, dem die Helaba eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 15 Prozent zugesteht, gelingt es den Notenbanken nicht dauerhaft, die Risikoprämien zu drücken; die Unternehmen investieren dann kaum und die Volkswirtschaften geraten stärker in ein deflationäres Umfeld. Tritt dieses Krisenszenario ein, werde der Dax höchstens bis auf 5000 Punkte fallen, meint Traud, denn dann sei das Kurs-Buchwert-Verhältnis genau eins. In einem dritten, positiven Übertreibungsszenario (Wahrscheinlichkeit 10 Prozent) schießen die Notenbanken übers Ziel hinaus: Die üppig bereitgestellte Liquidität gelangt in den Kreditkanal, die Unternehmen investieren kräftig. Der Euro könnte dann bis auf 1,60 Dollar aufwerten, meint Traud. Allerdings käme es dann auch zu höherer Inflation.

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