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Kapitalmärkte : Chinas Bauernbank schafft Rekord-Börsengang

Schwächste der großen Staatsbanken: Kunden vor einer ABC-Filiale in Peking Bild: AP

Mit Erlösen von 22 Milliarden Dollar setzt die Agricultural Bank of China einen neuen Maßstab für Neuemissionen von Aktien. Der Erfolg des Börsengangs war zuvor vielfach bezweifelt worden.

          Die chinesische Landwirtschaftsbank Agricultural Bank of China (ABC) dürfte an der Börse so viel Geld einsammeln wie nie ein Unternehmen zuvor. Zwar werden die Details erst an diesem Donnerstag bekanntgegeben. Nach Ende der Preisbildungsphase bestätigte die Bank aber am Mittwoch, dass sie die Aktien in Schanghai am oberen Ende der Preisspanne für 2,68 Yuan (0,32 Euro) je Stück anbieten wird. Zugleich sickerte durch, dass die Titel der Doppelemission in Hongkong für 3,20 Hongkong-Dollar verkauft werden sollen. Das wäre am unteren Ende der verkürzten Spanne von 3,18 bis 3,38 Hongkong-Dollar.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Insgesamt dürfte die Bank über ihre Konsortialbanken, zu denen die Deutsche Bank und Goldman Sachs gehören, mindestens 19,3 Milliarden Dollar erlösen. Beobachter rechnen damit, dass die Mehrzuteilungsoption ausgeübt wird, da die Aktien mehrfach überzeichnet gewesen seien. Für Schanghai bestätigte die ABC diesen Schritt. In diesem Falle flössen 22,2 Milliarden Dollar in die Kasse. Damit wäre die Finanzierung nominal betrachtet der größte Börsengang aller Zeiten. Bisher hielt die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) diesen Rekord. Sie nahm 2006 rund 21,9 Milliarden Dollar ein.

          Chinas Kapitalmärkte entwickeln sich schlecht

          Die ABC bietet in dem Börsengang in Schanghai am Donnerstag kommender Woche ohne Mehrzuteilung 22,24 Milliarden Aktien an, in Hongkong stehen am folgenden Tag 25,4 Milliarden Papiere zum Verkauf. Der Schritt bedeutet eine Kapitalerhöhung, wodurch künftig 15 Prozent der Anteile an der Börse notiert sind, der Rest befindet sich weiter in Staatsbesitz. Die ABC ist die letzte der vier großen öffentlichen Banken, die an die Finanzmärkte geht; die anderen sind die ICBC, die China Construction Bank und die Bank of China.

          Infografik: Die größten Börsengänge der Welt

          Der Verkaufsprospekt bleibt ungenau, wofür die ABC das frische Geld braucht. Es dürfte in erster Linie dazu dienen, die Eigenkapitalausstattung zu verbessern. Dazu hatte die Bankenregulierung alle Großbanken verpflichtet, nachdem diese 2009 auf Regierungsgeheiß hin zur Konjunkturbelebung Rekordkredite über 1000 Milliarden Euro ausgegeben hatten.

          Der Erfolg des Börsenganges war vielfach bezweifelt worden, auch hatte es Gerüchte über eine abermalige Verschiebung des schon lange geplanten Schrittes gegeben, weil sich Chinas Kapitalmärkte schlechter entwickeln als fast alle anderen in Asien. War der Börsenindex Shanghai Composite im vergangenen Jahr noch um 80 Prozent gestiegen, so hat er seit Jahresbeginn 2010 ein Viertel an Wert verloren. Auch die ABC bekommt das zu spüren. So musste sie sich von der Hoffnung verabschieden, bis zu 30 Milliarden Dollar zu erlösen.

          Immerhin kommt die Bank anderen Staatsinstituten zuvor, die zur Verbesserung ihrer Mittelausstattung ebenfalls Milliarden aufnehmen müssen. Am Mittwoch zogen die Aktienkurse auf dem Festland etwas an, in Hongkong fielen sie dagegen.

          Die Stärken der Bank liegen in ihrer Kundennähe

          Die ABC ist nicht nur die letzte der großen Staatsbanken an der Börse, sie gilt auch als die schwächste. Die Bilanzsumme beträgt rund 7014 Milliarden Yuan, der Jahresüberschuss erreicht 51 Milliarden. Als Anlagerendite schafft die Bank nicht mehr als 0,7 Prozent, der Anteil der notleidenden Kredite macht 4,32 Prozent aus. Die Vergleichszahlen der ICBC lauten: 11.800 Yuan Bilanzsumme, 129 Milliarden Yuan Nettogewinn, 1,1 Prozent Rendite und 1,54 Prozent faule Kredite.

          Im Vergleich zu früher steht die ABC freilich glänzend da. Die 1951 von Mao Tsetung gegründete Bank war 2007 praktisch zahlungsunfähig, nachdem der Anteil der Kreditausfälle 24 Prozent erreicht hatte. Daraufhin rettete der Staat die Bank mit 30 Milliarden Dollar. Die Stärken der Bank liegen in ihrer Kundennähe und ihrer Präsenz auf dem Land. In 24.000 Zweigstellen kümmern sich rund 440.000 Mitarbeiter um 320 Millionen Kunden; das sind mehr Personen, als in den Vereinigten Staaten leben. Großanleger oder Ankerinvestoren habe sich zur Abnahme von mehr als der Hälfte der Hongkonger Aktien verpflichtet. Qatars Staatsfonds will 2,8 Milliarden Dollar investieren, Kuweit 800 Millionen und die Standard Chartered Bank 500 Millionen. Auf chinesischer Seite haben sich Versicherer und Staatsunternehmer zur Anlage bereiterklärt.

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