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Kanadischer Pharmakonzern : Valeant schockt die Wall Street

  • -Aktualisiert am

Die Zentrale von Valeant in Laval, Quebec Bild: Reuters

Der große und umstrittene kanadische Pharmakonzern hat das Vertrauen der Anleger verspielt. Einige der bekanntesten Hedgefondsmanager melden Milliardenverluste.

          Für einige der bekanntesten Hedgefondsmanager an der Wall Street droht die Wette auf den umstrittenen kanadischen Pharmakonzern Valeant Pharmaceuticals zu einem folgenschweren Desaster zu werden. Valeant nahm am Dienstag seine Gewinnprognosen zurück und brachte die Möglichkeit eines Zahlungsausfalls ins Spiel. Der Aktienkurs halbierte sich. Im vergangenen August, bevor die ersten Zweifel an der Bilanz des Unternehmens laut wurden und Hedgefondsmanager wie William Ackman noch Jubelarien an der Börse dirigierten, war der Kurs bis auf 262 Dollar geklettert. Dienstag schlossen die Titel unter 34 Dollar, ein Wertverlust von mehr als 87 Prozent. Am Mittwoch erholte sich der Kurs von Valeant im frühen Handel nur leicht.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Skeptische Anleger scheinen den letzten Rest von Vertrauen verloren zu haben. Die schlechten Nachrichten übermittelte der Vorstandsvorsitzende von Valeant, Michael Pearson, in einer mit Spannung erwarten Telefonkonferenz. Der unter starkem Druck stehende Pearson war zwei Monate krankgeschrieben. Als er die Auszeit im Februar beendete, nahm Valeant umgehend seine Gewinnprognosen zurück. Das Unternehmen hat zudem den vor zwei Wochen fällig gewesenen Jahresbericht für 2015 noch nicht bei der Börsenaufsicht eingereicht. Einen genauen Termin dafür konnte Pearson nicht nennen. „Was die Glaubwürdigkeit der Geschäftsführung angeht, wir müssen uns das verdienen“, sagte Pearson, der seine Rückkehr als eine Art persönlichen Neustart bei Valeant charakterisierte.

          1 Milliarde Verlust allein dienstags

          Ackman, Gründer der Hedgefondsgesellschaft Pershing Square Capital, nahm kein Blatt vor den Mund und sprach von einem „Schock“ für den Markt. Investoren hätten „das Vertrauen in das Unternehmen“ komplett verloren. Ackman glaubt allerdings weiterhin, dass der Wert von Valeant den aktuellen Marktpreis um ein Vielfaches übersteige.

          Pershing Square hat allein am Dienstag rund 1 Milliarde Dollar verloren. Es handelt sich dabei um Buchverluste, also um nicht realisierte Einbußen, weil der Hedgefonds die Aktien weiter hält. Seit dem vergangenen Jahr ist der Buchwert von Ackmans Beteiligung an Valeant um 3 Milliarden Dollar geschmolzen. Der Aktionärsaktivist hatte erstmals 2014 Aktien von Valeant gekauft. Er wollte das Unternehmen, das durch eine Reihe von Akquisitionen groß geworden war, zum Kauf des Konkurrenten Allergan bringen. Allergan, Hersteller des Antifaltenmittels Botox, sperrte sich allerdings gegen die Avancen und wurde schließlich vom Pharmakonzern Actavis gekauft. Pershing Square hält 9 Prozent der Anteile an Valeant.

          Der größte Aktionär von Valeant mit einem Anteil von mehr als 10 Prozent ist die Investmentgesellschaft Ruane, Cunniff & Goldfarb, deren Gründer eine enge persönliche Verbindung mit dem Starinvestor Warren Buffett hatte. Paulson Partners, die Hedgefondsgesellschaft von John Paulson hält mehr als 3 Prozent der Anteile von Valeant. Paulson, der sich an der Wall Street in der Finanzkrise einen Namen mit einer großen, erfolgreichen Wette auf fallende Häuserpreise gemacht hatte, hatte seine Position wie Ruane, Cunniff & Goldfarb und Ackman im vierten Quartal aufgestockt.

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