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Kanadischer Pharmakonzern : Valeant schockt die Wall Street

  • -Aktualisiert am

Konkurrenten übernehmen, Preise erhöhen

Valeant war im vergangenen Oktober erstmals stark unter Druck geraten, weil der einflussreiche Investor Andrew Left Valeant in die Nähe von Enron gerückt hatte – dem berüchtigten texanischen Energiekonzern, der vor 15 Jahren wegen Bilanzbetrug zusammengebrochen war. Left, der für Wetten auf fallende Kurse bekannt ist, hatte zwar keine harten Beweise. Aber er beschrieb eine Reihe von Verdachtsmomenten, die aus einer undurchsichtigen Informationspolitik des Unternehmens resultieren. Er mokierte sich über spezielle Versandapotheken, die Valeant nutzte, um Ärzte und Patienten mit Anreizen zu den teureren Valeant-Produkten zu steuern. Left vermutete auch, dass eine der Apotheken Scheinumsätze buchte. Valeant dementierte lautstark, aber die Unsicherheit blieb.

Dazu kommt, dass die Geschäftsmethoden von Valeant umstritten sind. Der Konzern übernimmt Konkurrenten und erhöht danach drastisch die Preise der Medikamente. Eigene Forschung und Entwicklung betrieb das Unternehmen bis jetzt nicht. Charlie Munger, der angesehene Geschäftspartner von Warren Buffett, hatte diese Methode der Umsatzsteigerung im vergangenen Jahr als „zutiefst unmoralisch“ bezeichnet. Ackman keilte umgehend zurück und warf Munger und Buffett ihre langjährige Beteiligung an Coca-Cola vor. Der für seine zuckerhaltigen Getränke bekannte Konzern habe der Gesellschaft „enormen Schaden“ zugefügt. Die Beteiligung an Valeant sorgte auch beim Großaktionär Ruane, Cunniff & Goldfarb für Streit. Zwei der fünf Verwaltungsräte sind wegen der Größe der Position, die damals ein Drittel des von der Gesellschaft geführten Sequoia Fund ausmachte, im November abrupt zurückgetreten.

„Der Markt hat mehr Fragen als Antworten bekommen.“

Auch im aktuellen Präsidentenwahlkampf spielt Valeant eine unrühmliche Rolle. Hillary Clinton, die wahrscheinliche Kandidatin der Demokratischen Partei, hatte die Preispolitik von Valeant im Januar als „räuberisch“ und „ungerechtfertigt“ kritisiert. Sie zitierte aus dem Brief einer Patientin, die sich beklagte, dass der Preis für zehn Fläschchen eines Valeant-Migräne-Medikaments seit Juni 2014 von 3000 Dollar auf mehr als 14000 Dollar angehoben wurde. Auch der bei den Republikanern führende Donald Trump hat die hohen Kosten für Medikamente in den Vereinigten Staaten bei seinen Auftritten wiederholt kritisiert. Gegen Valeant laufen wegen der Preispolitik auch Ermittlungen des amerikanischen Justizministeriums und des Kongresses.

In der Telefonkonferenz am Dienstag deutete Vorstandschef Pearson an, dass Valeant seine Strategie ändern könnte. Jedenfalls wurden ausgesetzte Preiserhöhungen, konservativere Umsatzerwartungen und steigende Ausgaben für Kommunikation und Lobbytätigkeiten als Gründe für reduzierte Gewinnprognosen genannt. Die Prognose von 6,2 bis 6,6 Milliarden Dollar für die kommenden 12 Monate wurde nach der Konferenz auf 6 Milliarden Dollar nach unten korrigiert. Analyst Timothy Chiang von Börsenmakler BTIG war davon nicht beeindruckt: „Der Markt hat mehr Fragen als Antworten bekommen.“

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