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Kali-Aktien : Uralkali sorgt für Turbulenzen

Kaliabbau der Firma Uralkali in Russland in der Nähe der Stadtt Berezniki Bild: REUTERS

Der Weltmarktführer Uralkali erschüttert den Kalimarkt: Der Kurs des deutschen Produzenten K+S fiel zwischenzeitlich um mehr als 25 Prozent. Die Dax-Mitgliedschaft des Unternehmens gerät in Gefahr.

          Die Aktienkurse der wenigen Kaliproduzenten auf der Welt sind am Dienstag kräftig unter Druck geraten. Grund dafür ist eine Telefonkonferenz des Vorstandsvorsitzenden von Weltmarktführer Uralkali, Wladislaw Baumgertner. Darin kündigte dieser an, im nächsten Jahr 30 Prozent mehr zu produzieren, China günstiger beliefern und die Vertriebsgemeinschaft mit Belaruskali aufkündigen zu wollen. Der Kalimarkt wird damit in seinen Grundfesten erschüttert. In dem übersichtlichen Düngemittelmarkt sind bislang im wesentlichen nur drei Gruppen aktiv.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Zum einen ist dies die Vertriebsgemeinschaft Belarus Potash Company (BPC) bestehend aus Uralkali und Belaruskali. Zum zweiten gibt es die nordamerikanische Vertriebsorganisation Canadian Potash Exporters (Canpotex) mit den Unternehmen Potash Corporation of Saskatchewan, Mosaic und Agrium sowie die in Kassel ansässige K+S. Bislang gehörte es in diesem Markt zum guten Ton, gegenüber der staatlich organisierten Einkaufsmacht der wichtigsten Exportmärkte China und Indien an einem Strang zu ziehen.

          „Letztlich gewinnt keiner der Anbieter“

          „Kali ist kein knapper Rohstoff, da kommt es auf die Disziplin der Produzenten an, wenn der Preis hochgehalten werden soll“, sagt Lars Hettche, Aktienanalyst des Bankhauses Metzler. „Wenn einer aus dem Kartell ausschert, ist das schlecht für alle, wie an den Aktienkursen abzulesen ist.“ Der Kurs des deutschen Produzenten K+S fiel bis zum Nachmittag um mehr als 25 Prozent. Eine Aktie kostete erstmals seit Anfang 2007 wieder weniger als 20 Euro. Auch die Kurse der kanadischen Potash, der amerikanischen Mosaic und der kanadischen Agrium gerieten erheblich unter Druck.

          Aber auch der Kurs von Uralkali selbst fiel nach den Aussagen des Vorstandsvorsitzenden um ein Viertel. Ein anderer Analyst meint: „Die bisherige Erfahrung zeigt, dass der Preisbrecher eines Kartells zunächst ein wenig gewinnt, sich der Markt aber letztlich auf einem niedrigeren Preisniveau wieder einpendelt und damit letztlich keiner der Anbieter gewonnen hat. “ Die Rechnung, dass über mehr Menge der niedrigere Preis überkompensiert werden kann, gehe selten auf.

          Für K+S hätte eine Umsetzung der Uralkali-Ankündigungen besonders unangenehme Folgen. „K+S hat vergleichsweise hohe Produktionskosten und kann seine Menge kurzfristig auch nicht nennenswert erhöhen“, sagt Analyst Hettche. „Ein niedrigerer Preis schlägt angesichts konstanter Produktionskosten voll auf den Gewinn durch.“ Im Jahr 2012 hatte K+S Produktionskosten von 219 Euro je Tonne Kali.

          Dies entspricht etwa 290 Dollar. Der Uralkali-Vorstandsvorsitzende hält durch sein Vorgehen bald Kalipreise von 300 Dollar für möglich. Derzeit sind es 400 Dollar. Der jüngste Geschäftsabschluss von Uralkali mit China sah einen Preis von 350 Dollar je Tonne vor. Würde der Preis tatsächlich auf 300 Dollar sinken, würde K+S mit seiner Kalisparte kaum noch Gewinn erwirtschaften. Das Kaligeschäft trägt bislang etwa 70 Prozent zum Gewinn bei, das Salzgeschäft nur 30 Prozent.

          „Die Kursreaktion ist übertrieben“

          K+S sah sich angesichts des Kursverfalls der Aktie am Dienstag zu einer Stellungnahme veranlasst: „Die in der Presse kolportierten Preise für Kalidüngemittel sind für uns nicht nachvollziehbar und entsprechen aus unserer Sicht in keiner Weise der aktuellen Angebots- und Nachfragesituation“, teilte das Unternehmen mit. „Die positiven mittel- und langfristigen Trends im Kalidüngemittelgeschäft haben nach wie vor Bestand.“ Eine umfassende Bewertung der aktuellen Situation sei derzeit allerdings noch nicht möglich.

          Die meisten Analysten waren vor der Uralkali-Ankündigung optimistisch für die K+S-Aktie gestimmt und rieten zum Kauf. Die Äußerungen irritierten sie nun erheblich. Viele konnten noch nicht sagen, ob sie ihre Empfehlungen aufrechterhalten. Nur die Nord LB bekräftigte am Dienstag ihre Kaufempfehlung, allerdings mit einem von 41 auf 34 Euro gesenkten Kursziel. „Ich halte die Kursreaktion für übertrieben, die Absatzerwartungen sind langfristig positiv“, sagt Thorsten Strauss, Aktienanalyst der Nord LB. „Das Bevölkerungswachstum in einigen Schwellenländern mit höherem Fleischkonsum macht bei einer begrenzten Anbaufläche für Futtermittel mehr Düngung nötig.“

          Analyst Hettche könnte sich vorstellen, dass Uralkali die Äußerungen getätigt hat, um neue Wettbewerber aus dem Markt fernzuhalten. Der britisch-australische Bergbaukonzern BHP Billiton plant den Markteinstieg, ebenso spielte die brasilianische Vale schon mit dem Gedanken. K+S baut derzeit neben seinen bestehenden Bergwerken mit Schwerpunkt im hessisch-thüringischen Grenzgebiet eine Kali-Förderung in Kanada auf. Schon vor der Uralkali-Mitteilung gehörten die Aktien der Kaliproduzenten im Zuge der allgemeinen Schwäche der Rohstoffaktien in diesem Jahr zu den schwächeren Werten am Aktienmarkt.

          K+S war Dienstagmittag rund 40 Prozent weniger Wert als zu Jahresbeginn. Mit einem Börsenwert von etwa 4 Milliarden Euro gerät die Dax-Mitgliedschaft des Aufsteigers aus dem Jahr 2008 in Gefahr. Würde der Kurs im August noch weiter fallen, droht Anfang September der Abstieg in den M-Dax. Als Aufstiegskandidaten gelten Kabel Deutschland und Brenntag.

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