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K+S-Vorstand im Gespräch : Der Kali-Zauber

  • -Aktualisiert am

K+S verliert über Nacht 40 Prozent an Wert. Die Aufsicht ermittelt, der Chef muss sich rechtfertigen. Bild: dapd

Der Bergbaukonzern K+S verliert über Nacht 40 Prozent an Wert. Die Aufsicht ermittelt, der Chef muss sich rechtfertigen.

          Norbert Steiner hat einen Rekord geschafft, auf den niemand scharf ist: Vierzig Prozent hat seine K+S, die frühere Kali und Salz, binnen Tagen an Wert verloren, mehrere Milliarden Euro. Das zehrt. So schnell ist noch nie ein Dax-Konzern an der Börse abgestürzt. Vorlaute Analysten zweifeln schon an der Überlebensfähigkeit des Konzerns.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Alles nicht schön. Alles Unsinn, glaubt man dem Vorstandsvorsitzenden Steiner, einem Baum von einem Mann: „Die fundamentalen globalen Nachfragetrends sind intakt“, spricht der Manager im Hauptquartier auf Kassels Wilhelmshöhe. „K+S ist mit Düngemitteln und Salzen sehr robust. Da schwitzt man nicht bei jedem Sturm.“ Soll die Welt da draußen nur toben, Steiner sieht sich gewappnet: „solides Unternehmen, stabile Bilanz, stabile Kunden, unabhängige Stellung.“

          Der „schwarze Dienstag“

          Eingebrockt hat ihm das Desaster ein Russe, seines Zeichens Chef des weltgrößten Kalikonzerns Uralkali: Wladislaw Baumgertner heißt der Mann, an und für sich ein angenehmer Zeitgenosse, wie Steiner findet, der nun darüber rätselt, was in die Russen gefahren ist, einen Preiskrieg anzuzetteln.

          Seit dem 30. Juli, jenem „schwarzen Dienstag“, als Baumgertner angekündigt hat, mehr Menge auf den Markt zu werfen, gingen weltweit mehr als 15 Milliarden Euro Börsenwert verloren. Reihum sind die Kurse der Kaliaktien eingebrochen, inklusive die von Baumgertners eigener Firma, was erst recht die Phantasie beflügelt: Hat der Kreml die selbstmörderische Attacke ausgeheckt? Steckt politisches Kalkül dahinter? Soll K+S sturmreif geschossen werden für eine feindliche Übernahme?

          Ein friedvoll-stabiler Ankeraktionär fehlt in Kassel. Größter Anteilseigner sind momentan Russen namens Eurochem (mit zehn Prozent), die ehemalige Muttergesellschaft BASF ist vor zwei Jahren ausgestiegen - zu Preisen dreimal so hoch wie sie heute aufgerufen werden. Noch hat der Weltmarktpreis für die Tonne Kali auf die Worte Baumgertners nicht reagiert. „Noch ist alles Spekulation, Hypothese, reines Kopfkino“, sagt deshalb der K+S-Chef. „Wir bewegen uns in Was-wäre-wenn-Szenarien.“

          Der Preis bestimmt die Story

          An der Börse freilich rechnen sie schon, wie lange er Kampfpreise unter 300 Dollar je Tonne aushalten könnte (der Höchstpreis lag kurzzeitig mal bei 1000 Dollar). K+S, der Konzern, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1889 zurückreichen, fördert sein Kali ausschließlich in Deutschland. Und hierzulande ist der Abbau teurer als etwa in Russland, vom Ärger mit Umweltschützern ganz zu schweigen - aber das ist eine andere Geschichte.

          Solange der Kalipreis sich in verträglichen Sphären bewegt, läuft alles prima für K+S. An der dahinter liegenden Story, die Steiner so gern erzählt, gibt’s nichts zu deuteln: Die Weltbevölkerung wächst, also wächst auch der Hunger. 80 Millionen Menschen kommen jedes Jahr auf dem Globus dazu. Bis zum Jahr 2050 werden laut Welternährungsorganisation FAO 9,6 Milliarden Menschen die Erde bevölkern. „Um die zu ernähren, müssen die landwirtschaftlichen Erträge deutlich steigern“, sagt Steiner. „Das geht nicht ohne Mineraldünger.“

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