https://www.faz.net/-gv6-8xtan

Neuer K+S-Chef im Interview : „Die K+S-Aktie ist das Doppelte wert“

  • Aktualisiert am

Es ist eine große Herausforderung, Ökonomie, Ökologie und Soziales in Einklang zu bringen. Die Positionen liegen oftmals sehr weit auseinander. Und vielleicht hätten auch wir an der einen oder anderen Stelle mehr zuhören sollen.

Sie hätten nachgiebiger sein sollen?

Nein. Aber man muss die Nöte der anderen Seite erkennen – und anerkennen: Wir werden uns selbstkritisch fragen, was wir noch besser machen können. Wir wollen in Deutschland weiter Bergbau betreiben!

Sind oder waren Sie politisch aktiv?

Nein, aber Politik interessiert mich schon immer, nur hat sich meine Weltsicht geändert in meinem Leben. Sie kennen doch den Spruch: Wer mit 18 kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer es mit 40 immer noch ist, der hat keinen Verstand. So wild links war ich nicht, aber einen politischen Farbenwechsel gab es. Als Manager pflege ich heute gute Beziehungen in alle Regierungen, die für unser Geschäft von Belang sind.

Klar ist: Die Umwelt wird geschädigt, wenn Sie Abwasser aus dem Bergwerk in den Fluss Werra leiten – die Frage ist nur, wie stark.

Es gibt keinen Bergbau, keine Industrie überhaupt, die ohne Eingriff in die Umwelt vonstattengeht. Wir haben in der Region Werra die jährlichen salzhaltigen Abwässer von 20 Millionen Kubikmeter auf derzeit 7 Millionen Kubikmeter reduziert. Ab 2018 werden wir weitere 20 Prozent mit einer neuen Anlage einsparen. Das ist ein gewaltiger Schritt.

Im Zusammenhang mit früheren Genehmigungen hat der Staatsanwalt Anklage gegen ein Dutzend K+S-Manager erhoben, inklusive Ihres direkten Vorgängers Steiner. Hat dies noch finanzielle Folgen für den Konzern?

Nein. Die Anklage durch die Staatsanwaltschaft Meiningen ist vom Landgericht Meiningen bereits im September 2016 nicht zugelassen worden, auch wenn dagegen die Staatsanwaltschaft Beschwerde eingelegt hat.

Wann entscheidet die nächsthöhere Instanz in Jena?

Das ist für uns nicht abzusehen.

Wie ändert sich mit Ihnen der Management-Stil in Kassel? Wird die Krawatte abgeschafft?

Nur weil ich heute keine trage? Nein, da mache ich keine Vorschriften, man muss den Leuten nicht alles diktieren. Ich mag generell kein Vorstandsgehabe und habe auch nicht vor, mir dies anzueignen. So fahre ich auch weiterhin lieber selbst als mit Fahrer. Klar, als Vorstandsvorsitzender habe ich eine herausragende Rolle, sehe mich aber als Spielertrainer: Der gibt dem Team Richtung, setzt Impulse und steht zugleich gemeinsam mit der Mannschaft auf dem Spielfeld und kommuniziert intensiv mit seinen Leuten. Deswegen werde ich neben meiner Zeit in Kassel viel unterwegs sein, da ich nicht nur über Videobotschaften und Telefonkonferenzen kommunizieren will.

Ihr Vorgänger Norbert Steiner ist Mitglied der Wagner-Freunde, Sie von Borussia Dortmund: Ist das der wichtigste Unterschied?

Auch ich gehe gerne in Konzerte, nur nicht unbedingt zu den Festspielen nach Bayreuth. Leider spiele ich kein Instrument. Ich habe mir aber unbedingt vorgenommen, Klavier zu lernen. Angeblich geht das auch in meinem Alter. Erst mal habe ich in meiner neuen Aufgabe jedoch anderes zu tun.

Für den Fußball bleibt keine Zeit?

Hoffentlich doch. Wenn möglich, gehe ich mit meinem Sohn ins Stadion. Ich bin Fan, Mitglied und Dauerkarten-Besitzer von Borussia Dortmund.

Eine Meisterschaft feiern Sie da so schnell nicht wieder, der Titel geht sowieso nur noch nach München.

Das sehe ich anders. Der FC Bayern steht vor einem Generationswechsel, den die Dortmunder schon eingeläutet haben: In den nächsten zwei, drei Jahren kann der BVB durchaus wieder Meister werden. Daran merken Sie: Ich bin grundsätzlich Optimist!

Der neue K+S-Chef

Der promovierte Kaufmann Burkhard Lohr wurde 1963 in Essen geboren. Nach dem Studium in Köln arbeitet er zunächst für Mannesmann und Hochtief. Im Jahr 2012 wechselt er zu K+S in den Vorstand, dem er nun vorsteht. Lohr ist verheiratet, hat zwei Kinder und treibt ausgiebig Sport: „Bei Auslandsreisen habe ich immer meine Laufschuhe dabei.“ Zwei- bis dreimal die Woche 10 bis 15 Kilometer - das ist heute das Pensum des Mannes, der in seiner Jugend für die Tusem Essen mehrfach Stadtmeister geworden ist: „Meine Spezialdisziplin waren die 110 Meter Hürden.“

Weitere Themen

Topmeldungen

Bereits ab 14.00 Uhr könnte die gefühlte Temperatur über 32 Grad liegen, dann herrscht Warnstufe 2. (Archivbild aufgenommen in Berlin)

Deutscher Wetterdienst : Hitzewarnung für Deutschland

Der Deutsche Wetterdienst rechnet ab Montag mit ersten Hitzewarnungen. Ab Mittwoch soll dann ganz Deutschland von einer Hitzewelle erfasst werden. Besonders Kinder, alte und kranke Menschen sind durch die hohen Temperaturen gefährdet.
Als erster auf dem Tourmalet: Thibaut Pinot jubelt über den Etappensieg bei der Tour de France.

Tour de France : Pinot bezwingt den legendären Berg

Bei der Fahrt auf den berüchtigten Tourmalet ist Thibaut Pinot am Schnellsten. Zweiter wird ebenfalls ein Franzose, der das Gelbe Trikot behält. Emanuel Buchmann landet nach einer starken Leistung auf Platz vier.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.