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Neuer K+S-Chef im Interview : „Die K+S-Aktie ist das Doppelte wert“

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Das heißt: Ihre Aktie ist im Moment eine Wette auf den Kalipreis am Weltmarkt? Ein Markt, der kein wirklicher Markt ist, sondern von einem Oligopol beherrscht wird.

Das ist schon ein richtiger Markt, nur hat er in den vergangenen zwei, drei Jahren etliche schlechte Nachrichten produziert. Das mögen die Aktionäre nicht.

Ihre Börsenstory war immer: Die globale Kali-Nachfrage und damit der Preis steigen zwangsläufig, da immer mehr Menschen ernährt werden wollen. Was daran stimmt nicht mehr?

Der Megatrend ist weiterhin gültig, das wird jeder bestätigen, der sich mit dem Agrarmarkt beschäftigt: Bei steigender Weltbevölkerung und gleichzeitig sich verändernden Essgewohnheiten steigt der Bedarf an Nahrungsmitteln und automatisch der Bedarf an Düngemitteln. Ohne Kali kein optimaler Pflanzenertrag. Die weltweite Nachfrage ist auch gestiegen, nur litt der Preis durch das temporäre Überangebot. In den fetten Jahren haben die Kali-Konzerne, auch wir, in neue Anlagen investiert. Aufgrund der Komplexität bis zu deren Inbetriebnahme steigt die Produktion aber erst mit einer Verzögerung von sieben oder acht Jahren. Der Zuwachs an Kapazität ist bald abgeschlossen. Zuletzt sind keine neuen Projekte mehr von den Kali-Anbietern in Angriff genommen worden. Daraus folgt: Wir werden wieder Zyklen erleben, wo die Kali-Nachfrage die Kapazität überschreitet.

Anders gesprochen: Die Oligopolisten sprechen sich ab, wie sie die Kunden am meisten schröpfen können.

Von wegen! Absprachen wären rechtswidrig, davon kann nicht die Rede sein. Im Kali-Markt ist jeder Spieler so stark, dass klar ist: Man kann keinen mit einem Preiskrieg ins Aus zwingen. Wir zum Beispiel haben selbst im schwierigen Jahr 2016 eine halbe Milliarde Gewinn (Ebitda) gemacht – trotz schlechtem Kali-Preis, einem warmen Winter, der das Salzgeschäft beeinträchtigt hat, und Produktionseinschränkungen aufgrund der fehlenden Versenkung der Rückstände aus der Kali-Förderung. Das zeigt, wie robust wir sind.

Noch stabiler wäre die Lage, hätten Sie einen Großaktionär, der Sie vor weiteren Übernahmeversuchen schützt. Davon träumen jedenfalls viele Manager.

Wir träumen nicht.

Sie suchen einen Ankeraktionär?

Wenn ein Aktionär unsere strategische Ausrichtung begleitet, ist er herzlich eingeladen. Dazu führen wir Gespräche.

Warum ist ein Großaktionär so wichtig?

Weil er eine Stabilisierung bedeutet, also Stärke für das Unternehmen.

Wo findet sich so jemand für K+S?

Da gibt es viele Möglichkeiten, besonders bei langfristig denkenden Investoren!

Können Sie den Kreis etwas einengen?

Es hat keinen Sinn, einen Großaktionär unter unseren Kunden oder in derselben Branche zu suchen. Deren Interessen als Aktionär kollidieren schnell mit ihren anderen Motiven.

Zurück in den Schoß des einstigen Mutterkonzerns BASF ist aber auch keine Option?

Da sehe ich keinen Nutzen, weder für uns noch für die BASF.

Also bleiben die üblichen Verdächtigen: Die Staatsfonds aus China, den Scheichtümern oder Norwegen.

Wir melden uns, wenn es so weit ist.

Wäre jetzt aber der richtige Zeitpunkt, um mit dem Chef-Wechsel reinen Tisch zu machen im ewig währenden Streit mit Umweltschützern und Behörden um die Abwässer aus den Kali-Bergwerken?

Ich bin mir sicher, dass es uns gelingt, das Thema zu normalisieren, auch wenn es noch etwas Zeit bedarf.

Warum wird die Debatte so hitzig geführt? Finden Sie keinen Rückhalt in der Politik?

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