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Jordan Belfort : Der echte Wolf der Wall Street

Der echte Jordan Belfort Bild: SIPA

Sex, Drogen, Millionen: Jordan Belfort hat Tausende von Privatanlegern abgezockt und ging dafür in den Knast. Jetzt wird sein Leben zum Film. Und er selbst berät als Motivationstrainer Unternehmen - auch die Deutsche Bank zählt er zu seinen Kunden.

          Ein Mann der leisen Töne ist Jordan Belfort nicht. Wer auf der Internetseite des Motivationstrainers landet, wird von Superlativen erschlagen. „In den neunziger Jahren baute Jordan Belfort eine der dynamischsten und erfolgreichsten Vertriebsorganisationen in der Geschichte der Wall Street auf.“ Das ist nur der erste Satz der Rubrik „Über Jordan“. Er verdiente mehr als 50 Millionen Dollar im Jahr, eine Meisterleistung, die ihm den Namen „Wolf der Wall Street“ einbrachte, heißt es. Als Besitzer des Börsenmaklers Stratton Oakmont habe Belfort mehr als 1000 Anlageberater beschäftigt und mehr als 30 Firmen im Millionenwert aus dem Nichts aufgebaut. Seine Lebensgeschichte, der Stoff für seine beiden „internationalen Bestseller“, sei die Vorlage für den aktuellen Kinohit von Regisseur Martin Scorsese mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          In der Tat ist „The Wolf of Wall Street“ in den Vereinigten Staaten über Weihnachten erfolgreich angelaufen und kommt in der kommenden Woche, am 16. Januar, auch in Deutschland in die Kinos. Sein Buch erscheint am Montag als Taschenbuch bei Goldmann. Ansonsten ist die Art und Weise, mit der sich Belfort anpreist, aber fragwürdig.

          Stratton Oakmont ist mitnichten als Erfolgsgeschichte bekannt. Im Gegenteil: Die Gesellschaft mit Sitz in der Stadt Lake Success, auf Long Island vor den Toren New Yorks, wurde in den neunziger Jahren zum Synonym für Wertpapierbetrug. Es war eine gigantische Drückerkolonne für Ramschaktien. Stratton zockte Tausende Privatanleger ab und wurde 1998 von der Börsenaufsicht SEC geschlossen. Belfort wurde verhaftet und 2003 wegen Wertpapierbetrugs und Geldwäsche zu vier Jahren Haft verurteilt. Die vergleichsweise geringe Strafe hatte er seiner Zusammenarbeit mit der Bundespolizei FBI und der Staatsanwaltschaft zu verdanken. Schon nach 22 Monaten wurde er wieder entlassen. Die Staatsanwaltschaft bezifferte die Verluste der Anleger auf mehr als 200 Millionen Dollar.

          „Pump and Dump“

          Auf seiner Internetseite sind dazu nur kryptische Andeutungen zu finden. Vage spricht er von einem spektakulären Absturz und von „Versuchungen des erfolgreichen Lebensstils an der Wall Street“, denen er erlegen sei.

          Obwohl die Geschichte noch gar nicht so lange zurückliegt, war Belfort in den vergangenen Jahren in Vergessenheit geraten. Das kollektive Gedächtnis der Wall Street ist kurz. Zudem hat es in den vergangenen Jahren einige neue Skandale gegeben, die die Blicke von Belfort weg in andere Abgründe der Wall Street zogen. Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat zuletzt fast einhundert Hedgefondsmanager, Analysten und Geschäftsleute wegen Insiderhandels überführt. Auch noch nicht verblasst ist die Erinnerung an den Börsenmakler Bernie Madoff, der seine Kunden um 18 Milliarden Dollar prellte, als sein Schneeballsystem im Finanzkrisenjahr 2008 zusammenbrach.

          Was Madoff Ende des vergangenen Jahrzehnts war, war Belfort zehn Jahre davor. Der Fall erregte damals so viel Aufsehen, dass die „New York Times“ sogar die Frage erörterte, ob Long Island möglicherweise ein besonderer Nährboden für Anlagebetrüger sei. Das Magazin „New York“ veröffentlichte seitenlange Geschichten zur Verwicklung des populären Schuhdesigners Steve Madden mit Belfort, der erstmals Aktien seines gleichnamigen Unternehmens emittiert hatte. Madden kam aus der gleichen Gegend in Long Island und kannte Belforts Geschäftspartner Danny Porush noch aus Kindertagen. Madden wurde schließlich auch wegen Wertpapierbetrugs zu einer Haftstrafe verurteilt.

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