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Japan : Wetten auf Konjunkturprogramm beflügelt den Nikkei

  • Aktualisiert am

Bild: AFP

In Japan soll das geplante Konjunkturprogramm größer ausfallen als bisher erwartet. Käufe von Automobilen, Haushaltsgeräten und Solaranlagen sollen gefördert werden. Die Börsen der Region reagieren darauf trotz verbleibender Risiken positiv.

          Mit massiven Kursgewinnen reagierten am Gründonnerstag die asiatischen Börsen sowohl auf die leicht positiven Vorgaben von der Wall Street als auch auf ein neues Konjunkturprogramm, das von der japanischen Regierung ins Gespräch gebracht wurde.

          Der Nikkei ging daraufhin mit einem Plus von 3,7 Prozent auf 8.916 Zähler aus dem Handel, der taiwanesische Taiex legte um 4,1 Prozent zu, der südkoreanische Kospi-Index um 4,3 Prozent, der Straits Times Index in Singapur um 2,5 Prozent und selbst der Schenzhen Composite verbuchte ein Plus von 1,6 Prozent.

          Käufe von Automobilen, Haushaltsgeräten und Solaranlagen sollen gefördert werden

          Die Anleger verstärken auf diese Weise die in den vergangenen Wochen schon aufgekommenen Wetten auf positive Auswirkungen der weltweit angekündigten und zum Teil schon wirkenden Konjunkturprogramme. Immerhin führt beispielsweise alleine schon die Abwrackprämie in Deutschland zu einem Kredit finanzierten Boom beim Geschäft mit Kleinwagen.

          Die japanische Regierungspartei LDP plant angesichts der schwersten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg ein neues Konjunkturpaket im Volumen von 15,4 Billionen Yen. Das Paket, dessen Details am Donnerstag vorgestellt wurde, entspricht rund drei Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Japans und fällt damit deutlich größer aus als zunächst erwartet. Bislang war nur ein Konjunkturprogramm in Höhe von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) geplant.

          Nach dem Entwurf der Regierungspartei soll mit dem zusätzlichen Geld unter anderem der Kauf von Automobilen, Haushaltsgeräten und Solaranlagen gefördert werden. Kein Wunder also, dass die Aktien von Autozulieferern wie Pioneer, dem Technologieunternehmen Sharp und Mazda Kursgewinn zwischen knapp 19 und zehn Prozent verbuchen konnten. Seit Jahresbeginn haben die Aktien von Mazda Motor, Nissan Motor, Suzuki Motor und Honda Motor in Antizipation solcher Programme und aufgrund des allgemeinen Trends zu Kleinwagen zwischen 66 und 46 Prozent zugelegt.

          Japan traf die Wirtschaftskrise besonders hart. Denn das Land hatte nach der Krise der 80er-Jahre den Binnenmarkt nicht reformiert und statt dessen mit tiefen Zinsen und einer schwachen Währung auf den Exportsektor gesetzt. Der stagnierende Binnenkonsum rächte sich spätestens in dem Moment, im dem die Exporte wegbrachen. Die weltweit sinkende Nachfrage nach Autos und Elektronikgeräten belastet die japanische Industrie schwer.

          Im ersten Quartal des laufenden Jahres sind die Exporte in die Vereinigten Staaten um 36,5 Prozent gefallen, die in den Asean-Raum um 32 Prozent, die nach Europa um 26 Prozent und die nach China um knapp 21 Prozent. Insgesamt sind die realen Exporte in den ersten drei Monaten des Jahres 2009 um 28,3 Prozent gefallen. Mit einem Minus von 48,2 Prozent waren die Exportrückgänge in der Fahrzeugbranche am deutlichsten, gefolgt von Technologie-, Kapital- und Konsumgütern. Selbst der Export von Zwischenprodukten ging um 17,5 Prozent zurück. Die Importe gingen ebenfalls deutlich zurück, allerdings weniger stark als die Importe. Das führt dazu, dass die Handelsbilanz negativ wurde.

          Japanische Aktien sind allenfalls buchtechnisch günstig - nicht mit Blick auf die Gewinnerwartungen

          Zu den Kursgewinnen am Donnerstag mag auch die Tatsache beigetragen haben, dass die Maschinenbauaufträge im Februar im Vergleich mit dem Vormonat um 1,4 Prozent zugelegt haben. Allerdings von tiefem Niveau. Denn sie liegen 30 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Selbst die Regierung warnte jedoch vor zu großem Optimismus, da die Aufträge der Industrie und aus dem Ausland weiterhin auf Tiefstständen verharrten. Im Januar waren die Maschinenbauaufträge der zweitgrößten Volkswirtschaft angesichts der Exporteinbrüche auf den tiefsten Stand seit fast 22 Jahren gesunken.

          Der Auftragseingang aus dem Ausland, der als Indikator für Japans Exportentwicklung gilt, ging im Berichtsmonat um 22,9 Prozent im Vergleich zum Januar und um 74,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf das Rekordtief von 296,5 Milliarden Yen zurück. Auch von der produzierenden Industrie Japans gingen 8,1 Prozent weniger Aufträge ein. Dagegen erhöhte sich der Auftragseingang seitens nicht produzierender Unternehmen um 3,3 Prozent, hieß es. Die Auftragsdaten gelten als ein wichtiger Indikator für Investitionen der japanischen Unternehmen in den nächsten drei bis sechs Monaten. Im März sind die Aufträge für den japanischen Werkzeugmaschinenbau im Jahresvergleich um 84,5 Prozent gefallen.

          Die Stimmung an der japanischen Börse wird weniger getragen von der fundamentalen Lage als von der Positionierung der Anleger. Tatsächlich haben japanische Anleger in den vergangenen Wochen die Käufe ausländischer Anleihen und Aktien deutlich eingeschränkt. Sie dürften angesichts der anhaltenden Wechselkursvolatilität und der tiefen Renditen eher zum Erwerb japanischer Wertpapiere tendieren. Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnis von 27 sind die Werte im Nikkei zwar auf Basis der Gewinnschätzungen nicht günstig. Bei einzelnen Werten sieht das jedoch anders aus. Angesichts der andauernden Wirtschaftsschwäche weltweit, insbesondere jedoch der angeschlagenen Konsumenten in den Vereinigten Staaten, scheint die Wette auf die Fortdauer der Aktienmärkte allgemein gewagt zu sein. Bei Käufen empfehlen sich regelmäßig gepflegte Absicherungsstrategien.

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