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Japan/Einzelhandel : Rettungsplan für Daiei nicht überzeugend

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Mit einem halbherzigen Kraftakt soll die japanische Supermarktkette Daiei vor dem Aus bewahrt werden. Die Börse reagiert ablehnend.

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          Auf wenig Gegenliebe stößt offenbar in Japan das vorgelegte Sanierungskonzept für Daiei. Die Aktie des zweitgrößten japanischen Einzelhändlers reagierte am Montag jedenfalls mit einem Kurssturz um rund 30 Prozent auf 115 Yen. Auch die Kurse der betroffenen Bankaktien gerieten unter Druck. UFJ Holding, der größter Gläubiger von Daiei, verlor fünf Prozent auf 283.000 Yen.

          Der Rettungsplan sieht vor, dass die Banken zur Rettung von Daiei auf Kredite im Wert von rund 420 Milliarden Yen (3,6 Milliarden Euro) verzichten oder diese in eine Beteiligung umwandeln. 6.000 Mitarbeiter, umgerechnet 17 Prozent der Belegschaft, sollen ihren Arbeitsplatz verlieren und 50 der 321 Supermärkte geschlossen werden.

          Zweifel am langfristigen Konzept

          Marktbeobachter bezweifeln aber, ob damit die Probleme von Daiei langfristig gelöst sind. Immerhin soll sich die Verschuldung auch nach Ablauf des auf drei Jahre veranschlagten Sanierungskonzepts auf über eine Billion Yen belaufen. Die entscheidende Frage ist zudem, wie die Supermarktkette ausgerechnet in einer Zeit profitabel werden will, in der Japans Konjunktur von Deflation und Konsumzurückhaltung geprägt ist.

          "Auch mit dem neuen Plan wird Daiei Mühe haben, den Turnaround zu schaffen", meldet Akihide Kinugawa Zweifel an. Noch deutlicher wird Takashi Yanahira, Analyst bei ING Baring Securities: "Das wird Daiei nicht wirklich wieder auf die Beine bringen. Sie müssten mindestens 100 Geschäfte schließen, um die Geschäfte wieder zum Laufen zu bringen." Takashi rät daher unverändert zum Verkauf der Aktie.

          Echter Reformwillen bleibt in Frage gestellt

          Vor allem wirft das Vorhaben die Frage auf, wie Japan ganz allgemein mit in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen sowie den notleidenden Krediten der Banken umgehen will. Die jetzige Lösung wird jedenfalls als nicht sehr marktwirtschaftlich eingeschätzt, denn streng genommen wäre Daiei eigentlich schon lange pleite. Die Vorgehensweise wird daher als weiterer Beleg dafür gewertet, dass die Probleme des Landes zu zögerlich angegangen werden.

          Die Reaktion der Kreditratingagentur Standard & Poor´s fiel ebenfalls negativ aus. Die Kreditwürdigkeit von Daiei wurde auf CCpi von CCC-pi zurückgestuft, was die akute Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit bedeutet. Das Vorhaben, Anleihen durch Aktien zu ersetzen, wird von Standard & Poor´s als Teilausfall bei der Schuldentilgung eingeschätzt. Die Vorschusslorbeeren für den Rettungsplan der insgesamt mit 2,3 Billionen Yen verschuldeten Gruppe, die sich in einer lockeren Kursverdoppelung seit Jahresanfang widerspiegelten, scheinen damit schon wieder verspielt worden zu sein.

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