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Japan : Balanceakt auf dem Hochseil

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Kampf dem Abschwung Bild: AP

War Japan im Jahr 1999 die große Hoffung vieler Anleger, so ist die im Jahr 2000 geschwunden. Neue Tiefstände im Nikkei und verhaltene Wirtschaftsaussichten machen Anfang 2001 wenig Mut.

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          Obwohl sich in Japan nach Jahren der Stagnation im letzten Jahr eine Wirtschaftserholung andeutete, scheint der Schein getrogen zu haben. So zeigte der Tankan-Bericht im vergangenen Monat, dass die Stimmung in der Wirtschaft zunehmend schlechter wird. Die Industrieproduktion, die Investitionen und auch der Export laufen schlechter, als ursprünglich erwartet worden war.

          So war es nicht verwunderlich, dass auch der Nikkei als führender Aktienindex vergangene Woche mit weniger als 13.500 Punkten auf den tiefsten Punkt seit etwas mehr als zwei Jahren gefallen ist. Gerade das aber hat wieder alte Ängste über die Kreditportfolios der japanischen Banken hochkommen lassen. Denn die haben bei der Vergabe von Kredit in großem Ausmaß Wertpapiere als Sicherheiten entgegengenommen. Sinkt die Börse, so geraten sie zunehmend selber unter Druck. Wie in der Vergangenheit kamen auch sofort Gerüchte auf, die japanische Regierung würde intervenieren, um den Markt zu stützen. Aber diese Interventionen geraten zunehmend in Kritik. Immer mehr Anleger sind überzeugt, dass diese Aktionen höchstens kurzfristig helfen.

          Japan in der Rezession?

          Befindet sich die japanische Wirtschaft wieder in einer Rezession? Technisch gesehen scheint das möglich. Immerhin wird das Wachstum für das dritte Quartal des Jahres 2000 deutlich nach unten revidiert werden und das vierte Quartal war ebenfalls schwach. Im ersten Halbjahr des Jahres 2001 dürfte sich die Abschwächung der Weltwirtschaft bemerkbar machen. So ruht die Hoffnung auf einem etwas stärkeren zweiten Halbjahr. Analysten erwarten, dass der größte Wachstumsbeitrag von privaten Investitionen kommen könnte. Sie sollten zu einem Anstieg der Gewinne bei Industrieunternehmen führen.

          Allerdings trübt sich der Export schon wieder ein, so dass der Höhepunkt der Industrieproduktion schon überschritten sein könnte. Weite Teile der Wirtschaft leiden noch unter Überkapazitäten und notwendige Restrukturierungen kommen nur langsam voran. Auch die Arbeitslosenrate ist wieder angestiegen und liegt mit 4,8 Prozent nur knapp unter dem Rekordhoch vom Frühjahr 2000. Die Löhne steigen kaum.

          So fallen die Einzelhandelsumsätze immer tiefer und eine Verbesserung des privaten Konsums ist unwahrscheinlich. Gleichzeitig drücken bestehende Überkapazitäten das Preisniveau und führen zu einer negativen Inflationsrate. Konnte der Außenhandel im Jahr 2000 noch vom pulsierenden Welthandel profitieren, so schwächte sich der positive Handelsbilanzsaldo in den letzten Monaten zunehmend ab. Gleichzeitig nimmt der Kapitalexport immer mehr zu. Die Unsicherheiten über den Reformeifer in Politik und Wirtschaft und die generelle Sorge um die japanische Wirtschaftsentwicklung sorgt für einen steigenden Kapitalabfluss.

          Hat der Yen aus in den letzten Wochen sowohl gegen den Dollar, aber noch viel stärker gegen den Euro an Wert verloren, so trifft die Abwertung auf keinen großen Widerstand der Politik und der Notenbank. Im Gegenteil, sie steht sogar unter Druck, die Zinsen, die sie im August zum ersten Mal seit zehn Jahren erhöht hatte, wieder zu senken. Auch wenn das angesichts des tiefen Zinsniveaus kaum einen Wachstumsimpuls bringen würde.

          Privater Konsum entscheidet

          Reden vereinzelte Stimmen schon von einer zweiten Asienkrise, wird die weitere Entwicklung vor allem von der Entwicklung im privaten Konsum abhängen. Wäre der in der Lage, einen gewissen Exportrückgang zu kompensieren und bräche nicht unerwartet stark ein, so sollte sich die Wirtschaft nach Meinung von Analysten auf einem schmale Grad dahinhangeln können. Blieben dann unerwartete Störungen aus, könnten steigende Einkommen zu einem steigenden Konsum führen und die Lage weiter stabilisieren. Ein Balanceakt auf dem Hochseil.

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