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Japan : Auch Söhne Nippons kaufen wieder Aktien

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Nachdem an Japans Aktienbörsen wieder Geld zu verdienen ist, wagen nach internationalen Investoren auch gebrannte Privatanleger wieder den Einstieg. Nippons Söhne schieben Nikkei & Co. an.

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          Die Nachfrage internationaler Investoren brachte der Börse Tokio vor über zwei Monaten die Trendwende. Jetzt sind es die heimischen Privatanleger, die den Aufwärtstrend stützen dürften. In der Woche bis zum 27. Juni haben sie für 6,5 Milliarden Yen mehr Aktien gekauft als verkauft.

          Dem war ein Anstieg des Nikkei 225-Index von über 20 Prozent seit Anfang 2001 vorangegangen. Am Anfang waren die Gewinne größtenteils auf Regierungsmaßnahmen zurückzuführen, die darauf abzielten, zu Aktienkäufen zu ermuntern.

          Hoffnung auf mehr als nur ein Strohfeuer

          "Diese Rallye ist anders als die anderen und könnte sich eine Weile halten", betont Hiromichi Tsuyukubo, Fondsmanager bei Tokyo- Mitsubishi Asset Managment Ltd. "Der größte Unterschied besteht darin, dass diesmal die Privatanleger beteiligt sind." Nach Angaben der Bank of Japan schlummern rund zwölf Billionen Dollar auf japanischen Sparbüchern.

          Steigende Handelsvolumina verzeichnen beispielsweise die auf Privatanleger ausgerichteten Online-Broker, darunter Monex Inc., eine Tochtergesellschaft von Sony Corp., oder Matsui Securities Co. Dieser neuen Nachfrage verdankt der Nikkei 225-Index, der am 28. April auf ein 20-Jahrestief abgesackt war, daß es wieder aufwärts geht. Banken wie UFJ Holdings Inc. und Mizuho Group Inc. führten die Kursgewinner an, ebenso wie NEC Corp., Japans zweitgrößter Halbleiterhersteller, und Isuzu Motors Ltd., der umsatzstärkste LKW-Hersteller.

          Ein Indiz für das gestärkte Vertrauen in den japanischen Markt war die Meldung, dass Lehman Brothers Inc. und Merrill Lynch & Co. den Investoren vergangene Woche dazu geraten haben, ihre Japan-Positionen auszubauen. "Aus Angst wurde Gier", beschreibt Curtis Freeze, Fondsmanager bei Prospect Asset Management in Hawaii, die Marktteilnehmer. Er setzt auf Aktien von Nischen-Einzelhändlern, Immobilienunternehmen und Dienstleistern mit größerem Gewinnwachstumspotential.

          Deutlich steigende Unternehmensgewinne erwartet

          Tsuyukubo zufolge dürfte sich die Rallye fortsetzen, weil das Zinsniveau weltweit gefallen ist. Durch die niedrigen Zinsen haben einige Investoren Kapital aus Anleihen in Aktien verlagert, von denen sie sich vergleichsweise höhere Renditen versprechen. "In den nächsten drei bis sechs Monaten können wir einen Teilausstieg aus Anleihen mit langer Laufzeit zugunsten von Aktien erwarten", prognostiziert Chua Soon Hock von Asia Genesis Asset Management Pte. in Singapur.

          Die Anzeichen für eine Verbesserung der Konjunktur und der Unternehmensgewinne rechtfertigen weitere Kursgewinne, sagen Investoren. Aus der letzten Tankan-Umfrage der Bank of Japan ging hervor, dass der Index für das Geschäftsklima mittlerweile auf dem höchsten Stand seit März 2001 angelangt ist. Japans Industrieproduktion verzeichnete im Mai den größten Zuwachs seit einem Jahr. Die Exporte legten im April und im Mai zu.

          Daiwa Institute of Research, eine Tochtergesellschaft von Daiwa Securities Group Inc., sieht den Vorsteuergewinn der 300 größten japanischen Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr 16,8 Prozent steigen. Vertrauen fassen auch die Privatanleger. "Sie werden risikofreudiger und kaufen Aktien zu", beobachtet Yoshihiko Ito, Fondsmanager bei Asahi Life Investment Co. "Es kann sein, daß wir das Gegenteil von dem erleben, was in den letzten paar Jahren der Fall war."

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