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Marktbericht : IWF-Aussage zu Athen lässt Dax-Plus schmelzen

  • Aktualisiert am

De Internationale Währungsfonds mit Hauptsitz in Washington. Bild: dpa

Der Dax geht am Donnerstag zwar noch im Plus aus dem Handel, sank in der zweiten Tageshälfte aber wieder deutlich ab. Grund waren Äußerungen des Internationalen Währungsfonds zur Griechenland-Krise.

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          Der Dax hat am Donnerstag ein weiteres Mal unter erheblicher Unsicherheit und hoher Nervosität rund um Griechenland gelitten und den Großteil seiner Tagesgewinne eingebüßt. Hoffnungen auf eine Einigung im Schuldenstreit schwanden am Nachmittag, da der Internationale Währungsfonds (IWF) keinerlei Annäherung in den Gesprächen mit Athen sieht.

          Nach dieser Aussage des IWF lösten sich in Sekundenschnelle rund 100 Punkte im Leitindex in Luft auf. Sein zuvor rund 1,6 prozentiges Plus schmolz zusehends weiter ab, doch letztlich konnte der Dax noch ein Plus von 0,6 Prozent retten und ging bei 11.332,8 Punkten aus dem Handel. Für den Index der mittelgroßen Werte M-Dax ging es um 0,9 Prozent auf 20.243,4 Punkte nach oben. Der Tec-Dax stieg um 1,1 Prozent auf 1678,8 Punkte.

          Scharfe Töne vom IWF

          In ungewöhnlich scharfen Tönen kritisierte IWF-Sprecher Gerry Rice in Washington den Mangel an Kompromissbereitschaft des kurz vor der Staatspleite stehenden Eurolandes. „Es gibt große Differenzen zwischen uns in den meisten Kernthemen“, sagte er. Große Hürden gebe es weiterhin bei Renten, Steuern und der Schuldenfinanzierung.

          „Griechenland hat wieder einmal die Nerven der Marktteilnehmer strapaziert“, sagte Händler Andreas Lipkow von Kliegel & Hafner zu den neuen Entwicklungen. „Langsam scheint einem nicht mehr viel übrig zu bleiben, als einen Grexit schnellstmöglich herbeizusehnen, denn alles andere kostet, Zeit, Geld und Nerven.“

          Positive Studien geben Allianz und Lanxess Auftrieb

          Unter den Einzelwerten im Dax standen vor allem Allianz und Lanxess in der Gunst der Anleger. Die Baader Bank empfahl die Anteilsscheine des Spezialchemie-Unternehmens zum Kauf und verhalf den Lanxess-Aktien damit zu einem Plus von 1,6 Prozent. Wie Analyst Markus Mayer schrieb, könnte die Lanxess-Aktie trotz kurzfristiger Risiken zu einer der interessantesten Anlagegeschichten in der europäischen Chemiebranche werden. Eine positive Studie der Berenberg Bank stützte Allianz . Die Aktien gewannen als Favorit 1,7 Prozent. Der Versicherer dürfte im laufenden Jahr die Marktprognosen wieder deutlich übertreffen, hieß es unter anderem.

          Im M-Dax erholten sich die Aktien von Gerry Weber mit einem Plus von knapp 5 Prozent leicht von einem Kurseinbruch von etwas mehr als 30 Prozent am Tag zuvor. Der Modekonzern hatte am Mittwoch zum dritten Mal in weniger als einem Jahr seine Prognosen gekappt.

          Erfolgreicher Börsengang von Siltronic

          Erfreulich verlief trotz des nervösen Marktverlaufs der Börsengang der Wacker-Chemie-Tochter Siltronic. Nachdem das Investoren-Interesse zunächst schwach erschienen war und der Ausgabepreis der Papiere des Halbleiterunternehmens mit 30 Euro am untersten Ende der Preisspanne gelegen hatte, starteten sie dann mit einem Plus von 5 Prozent in den Handel. Bei 33,15 Euro beendeten sie schließlich ihren ersten Tag an der Börse und legten damit im Vergleich zum Ausgabepreis um 10,5 Prozent zu.

          Europaweit bröckelten die Gewinne an den Börsen infolge des IWF-Kommentars zu Griechenland ab: Der Euro Stoxx 50 als Leitindex der Eurozone beendete den Tag noch mit einem Plus von 0,7 Prozent bei 3551,9 Punkten. In gleicher Größenordnung legte der Pariser Leitindex zu, während der wichtigste Index in London um 0,2 Prozent vorrückte. Moderate Gewinne verzeichnete auch der amerikanische Leitindex Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss.

          Am deutschen Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,80 Prozent am Vortag auf 0,78 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,06 Prozent auf 137,26 Punkte. Der Bund-Future zog um 0,95 Prozent auf 150,55 Punkte an. Der Kurs des Euro gab nach: Die Europäische Zentralbank legte den Referenzkurs auf 1,1232 (Mittwoch: 1,1279) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8903 (0,8866) Euro.

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