https://www.faz.net/-gv6-37i8

Italien : Banken werben um Steuersünder

  • Aktualisiert am

Italiens Steuersünder sind gefragt Bild: dpa

Italiens Banken wollen von der Steueramnestie profitieren. Schätzungsweise sollen bis Juli rund 100 Milliarden Euro wieder „legal“ angelegt werden.

          2 Min.

          Noch nie waren Italiens Steuersünder so gefragt wie heute. Denn von der Steueramnestie wollen auch die Banken profitieren. Ihr 500 Milliarden Euro schweres Investmentfondsgeschäft könnte einen Schub gut gebrauchen. Für das Private Banking, das nur einen Bruchteil der 400 Milliarden Euro verwaltet, die Italiens Oberschicht besitzt, gilt das Gleiche.

          Sanpaolo IMI und IntesaBci werben mit großformatigen Anzeigen um die schätzungsweise 100 Milliarden Euro, die in den letzten Jahren am italienischen Fiskus vorbeigeschmuggelt wurden. Banca C. Steinhauslin bietet Seminare für Steuersünder und Steuerberater. Und Banca Profilo übernimmt sogar die Steuer von 2,5 Prozent, mit der Rückflüsse belegt werden. Die Amnestie, deren Frist bis Ende Juni verlängert wurde, "wird ein Riesenerfolg", meint Giuseppe Di Sisto, verantwortlich für Private Banking bei Credito Italiano. "Wir sehen immer größere Beträge zurück kommen."

          Kampf gegen die Schattenwirtschaft

          Das flüchtige Kapital soll zurückfließen, in die Wirtschaft und in die Staatskasse. Premierminister Silvio Berlusconi will die Schattenwirtschaft verringern. Sie wird auf über 15 Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts geschätzt. Wer nach Ablauf der Frist noch Kapital am Fiskus vorbeischleust, muss mit harten Strafen rechnen, warnte Wirtschaftsminister Giulio Tremonti. Nach Angaben der Banken sind bereits 23 Milliarden Euro zurückgeflossen, berichtete die Tageszeitung Il Sole/24 Ore.

          Kritik kommt indes aus den Reihen der Opposition. Von einem "Bonbon für Steuerhinterzieher" ist die Rede. Auch die "Betroffenen" sind skeptisch. Sie fürchten, dass sie nach einem Regierungswechsel in Schwierigkeiten geraten. Dem halten die Banken entgegen, dass sie Anonymität garantieren. So werden die 2,5 Prozent Steuer direkt und diskret abgeführt.

          Bankaktien steigen überdurchschnittlich

          Auf die Konten von Banca Steinhauslin sind bereits 100 Millionen Euro geflossen, bis Ende Juni könnte sich die Summe verdreifacht haben. Je höher das verwaltete Anlagekapital, desto satter die Gebühren. Und parallel dazu verzeichnen auch die Aktien der italienischen Banken deutliche Kursgewinne. Mediolanum sind in dem Monat seit der Fristverlängerung um 19 Prozent gestiegen. Meliorbanca und Banca Fideuram kletterten je elf Prozent. Der Bloomberg Europe Banks Index legte im gleichen Zeitraum nur 4,8 Prozent zu. "Die Steueramnestie könnte dem Private Banking einen Schubs geben", hofft Ennio Doris, Vorstandschef von Mediolanum.

          Auf den Depots für vermögende Privatkunden liegen derzeit nur 70 Milliarden Euro. Das ist ein Fünftel dessen, was die 180.000 reichsten Italiener tatsächlich besitzen.
          Politische Unruhen veranlassten viele Familien, ihr Kapital in den 60er und 70er Jahren außer Landes zu schaffen. In diesem Zeitraum gab es in Italien 23 Regierungen. Zwischen April 1973 und September 1984 lag die Inflationsrate bei über zehn Prozent. 1974 schnellte sie sogar auf über 26 Prozent. Die Angst vor Entführungen, damals an der Tagesordnung, beschleunigte die Kapitalflucht. Weil italienische Banken die Einlagen im Entführungsfall einfrieren, was die Zahlung von Lösegeld erschwert, eröffneten viele wohlhabende Familien Konten in der Schweiz.

          Schweizer wollen Gelder behalten

          Ganz so einfach wollen sich die eidgenössischen Wettbewerber nicht geschlagen geben. Allein auf die Region Ticino an der nördlichen Grenze zu Italien entfällt über ein Drittel der 500 Milliarden Euro, die von Italienern seit Ende des zweiten Weltkrieges ins Ausland geschafft wurden. Zuversichtlich geben sich die Vertreter von Banca della Svizzera Italiano, UBS, Credit Suisse Group und der zu Swiss Life gehörenden Banca del Gottardo. Sie gehen davon aus, dass ihre Kunden die Gelder auf Konten ihrer norditalienischen Filialen transferieren.

          Malferrari ist dennoch optimistisch. Die Steueramnestie soll den Kundenstamm von Banca Steinhauslin um bis zu 15 Prozent erweitern. Zwei der Top-Manager und 50 Mitarbeiter des Private-Banking-Bereichs wurden auf Steuersünder und Steuerberater angesetzt. Aktiv ist auch Banca Profilo. Sie übernimmt die 2,5 Prozent an Steuern, sollten Kapitalflüchtlinge ihre Gelder für mindestens vier Jahre dort anlegen. Ähnliche Angebote gibt es von Mediolanum.

          Weitere Themen

          Vorwurf der Kirschblütenkorruption

          Japan : Vorwurf der Kirschblütenkorruption

          Ministerpräsident Shinzo Abe ist in Kürze der am längsten amtierende Regierungschef Japans. Die Opposition wirft ihm nun vor, Steuergeld als Wahlkampfhilfe missbraucht zu haben. Es geht um Kirschblüten.

          Topmeldungen

          Eskalation in Hongkong : Jagdszenen auf dem Campus

          Die Universitäten in Hongkong geraten zum Kampfgebiet. Das stellt die Hochschulleitungen vor eine Zerreißprobe. Sollen sie sich hinter ihre Studenten stellen? Oder auf die Seite der Polizei?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.