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IT-Dienstleister : Ist die Party vorbei für indische Outsourcer?

  • -Aktualisiert am

Firmengelände von Infosys in Bangalore Bild: AFP

Infosys, TCS und Wipro fahren nach wie vor satte Gewinne ein, doch sie sehen sich zusehends Herausforderungen gegenüber: Angefangen von einer stärkeren Rupie bis hin zu Unternehmen wie IBM und Accenture, die ihnen ihr Revier streitig machen.

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          Ende Juli kursierten Gerüchte, dass Infosys Technologies ein Übernahmeangebot für Cap Gemini oder ein anderes führendes Unternehmen im Bereich Technology Services in den Vereinigten Staaten oder Europa vorbereite. Die Spannung war also groß, als das Unternehmen am 25. Juli die Presse und die Märkte informierte, dass es eine wichtige Bekanntmachung zu melden habe.

          Stattdessen gab Infosys jedoch einen Outsourcing-Vertrag über 250 Millionen Dollar mit dem niederländischen Unternehmen Royal Philips Electronics bekannt. Es handele sich um eine Art Übernahme, erklärte das Unternehmen, zumindest eine Übernahme der Outsourcing-Center von Philips. „Wir heben das Modell auf eine neue Ebene“, sagte der Vorstandsvorsitzende Kris Gopalakrishnan.

          Einen neuen Vertrag an Land zu ziehen ist sicherlich keine schlechte Nachricht, dennoch war die Entwicklung in gewisser Weise ernüchternd für diejenigen, die der Meinung sind, dass sich Infosys in der Milliarden-Dollar-Arena für globale Outsourcing-Dienstleistungen neu definieren und positionieren müsse. In der Tat sehen sich Infosys und andere indische Outsourcer einer ganzen Reihe von Herausforderungen des Wettbewerbs gegenüber, die einige einschneidende neue Strategien erfordern werden.

          Anhaltendes Wachstum - jedoch Schwierigkeiten häufen sich

          Noch fahren die größten indischen Outsourcing-Firmen kräftige Gewinne ein, zumindest wenn man den letzten Berichtszeitraum betrachtet. Die führenden fünf Unternehmen - Tata Consultancy (TCS), Infosys, Wipro, Cognizant und Satyam - meldeten für das zweite Quartal 2007 stabile Gewinne. Und die Unternehmensvorstände sagen generell ein starkes Wachstum voraus.

          „Wir sind sehr zufrieden, dass wir die Prognosen übertroffen haben“, sagte S. Ramadorai, der Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer des 3,1 Milliarden Dollar schweren Unternehmens Tata Consultancy Services in Bombay. „TCS als Marktführer geht es gut.“ Ramadorai prognostiziert, dass die Branche 2010 60 Milliarden Dollar mit dem Export von technologischen Dienstleistungen umsetzen werde, beinahe das Doppelte der derzeitigen 35 Milliarden Dollar. Hinzu kämen Einnahmen in Höhe von 20 Milliarden Dollar aus dem Inlandsgeschäft.

          Doch hinter diesem zur Schau gestellten starken Selbstvertrauen verbirgt sich ein tiefes Unbehagen. Unterschiedliche Widrigkeiten spielen zusammen, darunter eine erstarkende Rupie, die die Erträge drastisch verringert, ein gravierender Mangel an Fachkräften im Inland, und die Festsetzung einer Obergrenze für H-1B-Arbeitsvisa (hoch qualifizierte Arbeitnehmer) für die Vereinigten Staaten, zusammen mit Protektionismusdrohungen im Vorfeld der amerikanischen Wahlen 2008.

          Schwindende Erträge

          Hinzu kommen das Ende der steuerlichen Vorzugsbehandlung im Inland und der zunehmende Erfolg multinationaler Konkurrenten wie Accenture und IBM auf dem indischen Markt. Die größte Herausforderung für die indischen Unternehmen stellt möglicherweise die dringende Notwendigkeit dar, die nächste Stufe zu erklimmen und sich im Business Consulting zu etablieren, einem Bereich, der seit Jahrzehnten von Firmen wie IBM dominiert wird. Indische Outsourcing-Firmen müssen massiv investieren, um sich in dieser Arena eine Position zu sichern, und das wird ihre hohen Gewinne zumindest kurzfristig schmälern.

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