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IT-Dienstleister : Ist die Party vorbei für indische Outsourcer?

  • -Aktualisiert am

Tata Consultancy gräbt inzwischen tief nach potentiellen Kandidaten und stellt dabei keine Ingenieure ein, sondern Personen mit Universitätsabschlüssen in mathematischen und wissenschaftlichen Fächern, die das Unternehmen einer siebenmonatigen Schulung unterzieht. „Etwa 20 Prozent unserer neu eingestellten Mitarbeiter sind keine Ingenieure, und dieser Anteil wird noch steigen“, räumt Ramadorai von TCS ein. IBM löst das Problem dadurch, dass höhere Gehälter gezahlt, jedoch ausschließlich Ingenieure eingestellt werden.

Was jedoch einzig den Indern Kopfschmerzen bereitet, ist die Visa-Situation in den Vereinigten Staaten, wo nur 65.000 H-1B Arbeitsvisa ausgestellt werden - eine Belastung für indische Unternehmen, die ihre Ingenieure in die Niederlassungen ihrer amerikanischen Kunden schicken müssen. Die Nachfrage ist so groß, dass in den vergangenen zwei Jahren am 1. April, dem Tag, an dem die amerikanische Einwanderungsbehörde das Kontingent für H-1B-Visa veröffentlicht, beinahe alle von indischen Technologiefirmen weggeschnappt wurden.

Mit dem 2008 bevorstehenden Präsidentschaftswahlkampf dürften Visa ein heißes Eisen werden. Bereits jetzt verhängten Staaten wie Kalifornien Geldstrafen für Unternehmen wie Infosys und Patni Computers (PATIF), weil diese ihren H-1B-Arbeitskräften nicht die marktüblichen Gehälter gezahlt haben. Die Inder stellen zwar vor Ort ein, es wird aber sicherlich ihren Kostenvorteil beeinträchtigen. Den Indern gehe es „unglaublich gut“, sagt Harish Grama, Leiter der IBM-Softwareforschung in Indien, „aber was tun sie, um im Spiel zu bleiben?“

Die Margenfixierung überwinden

Die Inder verteidigen ihre Position mit Zähnen und Klauen. „Jetzt sind wir in der gleichen Position wie IBM oder Accenture, in der man Menschen wie einen Partner und Berater behandelt, und nicht wie einen Verkäufer“, sagt Ramadorai von TCS. Indische Unternehmen, fügt er hinzu, gäben mehr und mehr Geld für Innovationen aus. TCS erklärt, es habe eine komplette Dienstleistungspalette, ein globales Leistungsnetzwerk, geistiges Eigentum und tiefgehendes Know-how verschiedener Branchen erarbeitet, und beginne nun in Zusammenarbeit mit den Kunden massiv in Innovationen zu investieren. Gleiches gilt für Infosys, das beispielsweise ihre Forschungs- und Entwicklungsausgaben für dieses Jahr auf 12 Millionen Dollar erhöht hat.

Nach Meinung von Branchenanalysten liegt die Zukunft darin, Dinge multinational anzupacken: Innovation, Consulting und geographische Expansion in die Arme zu schließen. Um dorthin zu gelangen, müssten indische Unternehmen ihre „Fixierung auf eine Gewinnspanne von 25 Prozent“ überwinden, sagt Ashish Thadani von Gilford Securities, der an der New Yorker Börse notierte indische Technologieunternehmen betreut. „Diese anhaltend hohen Gewinnspannen deuten darauf hin, dass man möglicherweise nicht ausreichend in die Zukunft investiert.“

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