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IT-Dienstleister : Ist die Party vorbei für indische Outsourcer?

  • -Aktualisiert am

Indische Unternehmen hinken der Konkurrenz bei der Forschung hinterher

Bislang haben die Inder auch nicht durch bedeutende Übernahme den Sprung in die obere Liga versucht. „Das sollten und müssen sie aber, um auf dem globalen Markt einen Fuß in die Tür zu bekommen“, sagt Avinash Vashistha von der New Yorker Outsourcing-Beratungsfirma Neo-IT. Mangelt es ihnen an Selbstvertrauen? Gewiss, „die Hebel und das unterstützende Umfeld, über das sie in Indien verfügen, stehen ihnen im Ausland nicht zur Verfügung“, erklärt Kris Wadia, Executive Partner Global Sourcing, bei Accenture.

In der Tat wird die indische Technologiebranche von Neu Delhi so verhätschelt und von gewöhnlichen Indern so bewundert, dass sie der Konkurrenz mittlerweile hinterherhinkt. Der Industrieverband NASSCOM veröffentlichte vor kurzem einen Bericht über die überlebenswichtige Notwendigkeit einer aufkeimenden Innovationskultur in indischen Unternehmen und schlug eine von politischen Initiativen unterstützte Errichtung eines Innovationssystems vor.

Doch während es Indien an einer formellen Innovationskultur fehlt, würde man das anhand der angenommenen Überlegenheit gegenüber ausländischen Rivalen niemals vermuten. Indische Firmen sind kulturell bedingt schlichtweg unfähig, ein westliches Unternehmen zu übernehmen. Branchenanalysten sind der Ansicht, dass indische Firmen wie Infosys zu hierarchisch seien, eine elitäre Sichtweise ihres Geschäfts besäßen und - mit Anspielung auf die ranghöchste Gruppe des indischen Kastensystems - an „konzeptionellem Brahmanismus“ litten.

„Konzeptioneller Brahmanismus“ als Problem?

Da ist etwas Wahres dran. Während die Unternehmen alle Inder und einige Ausländer aller wirtschaftlichen und sozialen Schichten beschäftigen, werden die Führungsetagen sowohl bei Infosys als auch bei Tata Consultancy von Südindern aus der oberen Kaste dominiert. Satyam besitzt ein großes Kontingent an Mitarbeitern aus dem Gründungsstaat des Unternehmens, Andhra Pradesh. Die Integration einer westlichen Firma in diese geschlossene Kultur könnte sich als problematisch erweisen. S.D. Shibulal, Chief Operating Officer von infosys, verneint eine Unfähigkeit zur Übernahme und erklärt lediglich: „Wir sind vollkommen in der Lage, Dinge organisch aufzubauen.“

Unternehmen wie IBM haben einen demokratischeren Ansatz beim Aufbau ihrer Geschäftsaktivitäten gewählt. Das Unternehmen hat den Wettbewerb mit den Indern im Bereich Outsourcing technischer Dienstleistungen erst vor drei Jahren mit der Übernahme des Call-Centers Daksh aufgenommen. Seitdem hat IBM zahlreiche Übernahmen in Indien getätigt, diese integriert, und sein Geschäft auch organisch erweitert. Heute beschäftigt IBM in seiner Niederlassung in Bangalore 3.000 Arbeitnehmer im Bereich Forschung und Entwicklung. Das ist der größte F&E-Betrieb außerhalb des Centers in Armonk, N.Y., in den Vereinigten Staaten, jedoch einer, der mit allen neun Forschungszentren von IBM in der ganzen Welt venetzt ist. Letztes Jahr erlebte IBM einen Anstieg von Patentanmeldungen aus seiner indischen Niederlassung um 385 Prozent.

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