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IT-Dienstleister : Ist die Party vorbei für indische Outsourcer?

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Zum ersten Mal fragen sich Geschäftsinsider, ob das Outsourcing-Spiel für Bangalore vorbei sei. „Die indischen IT-Unternehmen profitierten von einer ungewöhnlich langen gewinn- und umsatzträchtigen Zeit“, sagt Siddharth Pai, Partner und Geschäftsführer der globalen Technologieberatungsgesellschaft TPI Advisory Services India. Doch das sei „eine Anomalie“, wie er hinzufügt. „Wenn sie sich weiterentwickeln, können sie derartige Erträge nicht mehr erwarten.“

Und sie müssen sich weiterentwickeln. Während des letzten Jahrzehnts sind indische Softwaredienstleister, die als Pioniere in diesem Bereich effizient und zu 40 Prozent der Kosten von Unternehmen wie IBM technische Dienstleistungen aus Indien in die Industrienationen exportiert haben, exponentiell gewachsen. Die Umsätze sind explosionsartig angestiegen: von lediglich einer Milliarde Dollar 1997 auf 35 Milliarden Dollar im Jahr 2007.

Außenseitervorteil geht nach und nach verloren

Zunächst wurden ihre multinationalen Konkurrenten wie IBM Global Services, Accenture und Electronic Data Systems davon kalt erwischt. Doch dann haben sie sich auf das neue Spielfeld begeben, Betriebe in Indien eröffnet und die indischen Anbieter in großen Schritten überholt, indem sie lokale Übernahmen getätigt, aggressiv Arbeitskräfte angeworben und ihren Kunden vergleichbare Dienstleistungen angeboten haben. Im Juni beschäftigten allein die drei multinationalen Unternehmen 100.000 Fachkräfte in Indien. Das ist etwa ein Drittel der Beschäftigtenzahlen der drei indischen Marktführer, und die multinationalen Unternehmen haben erst vor drei Jahren mit der Einstellung von Mitarbeitern begonnen.

Nachdem sich nun der Wettbewerb am unteren Ende des Geschäfts nivelliert, wird sich der Schauplatz des Kampfes nach oben verlagern - ins Business Consulting und in die Integration der Offshore- und On-Site-Dienstleistungen. Hier liegen die multinationalen Unternehmen klar im Vorteil. Sie bieten nicht nur seit Jahrzehnten Beratungsleistungen an, sondern tun dies über geographische Grenzen hinweg, wobei sie auf erfahrene Talente zurückgreifen und langfristige und tiefgehende Beziehungen mit ihren Kunden pflegen. Und was noch wichtiger ist: diese Unternehmen investieren seit Jahrzehnten in die Forschung und Produktentwicklung. Im Jahr 2006 hat IBM 6,2 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung ausgegeben; das größte F&E-Zentrum von IBM außerhalb der Vereinigten Staaten befindet sich in Bangalore.

Im Gegensatz dazu engagieren sich indische Unternehmen nur marginal in Forschung und Entwicklung und geben dafür nur sehr wenig Geld aus. Sie haben erst vor zwei Jahren behutsam mit dem Aufbau ihrer erstklassigen Consulting Services begonnen. Infosys hat Infosys Consulting im kalifornischen Fremont eröffnet. Wipro hat kleine, aber strategische Übernahmen in den Vereinigten Staaten und in Europa getätigt. Und TCS, das mit weltweit 150 Niederlassungen und 79 Entwicklungszentren übe die weiteste Reichweite verfügt, gibt an, dass jetzt drei Prozent ihrer Erträge mit Consulting-Leistungen erzielt würden. Verglichen mit ausländischen Rivalen sind das allerdings Peanuts.

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