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IT-Dienstleister : Bechtle-Aktie langfristig interessant

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Bild: FAZ.NET

Bechtle steigert seit Jahren Umsatz und Gewinn. In diesem Jahr könnte das Ergebnis stagnieren, darum verliert die Aktie. Langfristig ist das Papier aber trotzdem einen Blick wert.

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          Wie die Börse mit nach unten revidierten Erwartungen umgeht, ist schön am Beispiel Bechtle zu sehen. Der IT-Händler und -Dienstleister aus Neckarsulm erwartet für das laufende Jahr ein Umsatzplus von sechs bis zehn Prozent, aber nur einen Vorsteuergewinn auf Vorjahresniveau. Im Februar hatte nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters eine Firmensprecherin für 2006 noch - neben einem steigenden Umsatz - ein höheres Ergebnis in Aussicht gestellt.

          Die Reaktion kam prompt: Die im Technologieindex TecDax notierte Aktie lag gegen Mittag etwa ein Prozent im Minus bei 21,42 Euro (Isin DE0005158703). Die Analysten der WestLB stuften ihre Anlageempfehlung für das Papier von „Add“ auf „Hold“ zurück. Aus ihrer Sicht ist die Prognose des Unternehmens für den Vorsteuergewinn 2006 enttäuschend.

          Kennzahlen entwickeln sich gut

          Doch dieses Urteil ist ein wenig zu hart. Nicht ohne Grund kletterte das Papier am Montag auf ein neues Fünf-Jahreshoch von 22,20 Euro. Die Aktie, die im März 2000 an die Börse kam und erst einmal kräftig Federn lassen mußte, läuft seit etwa vier Jahren nach oben. Und das hat natürlich seinen Grund: Die Entwicklung wichtiger Kennzahlen kann durchaus überzeugen.

          Bechtle Logistikzentrum

          Umsatz, operatives Ergebnis und Gewinn je Aktie steigen kontinuierlich (siehe Grafik). Der Umsatz kletterte im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 8,3 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro, das Ergebnis nach Steuern legte sogar um 15,9 Prozent auf 29,3 Millionen Euro zu. Auch die Eigenkapitalrendite entwickelt sich gut, inzwischen beträgt sie 13,8 Prozent und liegt damit mehr als doppelt so hoch als vor fünf Jahren.

          Wer lange genug sucht, findet natürlich auch weniger erfreuliche Entwicklungen. Der Cash Flow aus betrieblicher Tätigkeit sank 2005 im Vergleich zum Vorjahr um 38,3 Prozent und liegt damit auf dem Niveau des Jahres 2003. Auch der Umsatz je Mitarbeiter ging leicht zurück - er konnte auch auf Sicht von fünf Jahren nicht gesteigert werden.

          Gutes Marktumfeld

          Bechtle ist auf einem Markt tätig, an dem wieder ansehnliche Wachstumsraten zu verzeichnen sind. Der IT-Markt entwickelt sich etwas besser als die Gesamtwirtschaft, der Branchenverband Bitkom rechnet 2006 in Deutschland mit einem Wachstum von 3,4 Prozent. Der westeuropäische Markt soll Experten zufolge um 4,2 Prozent wachsen.

          Marktforschungsinstitute rechnen damit, daß Unternehmen und öffentliche Hand in diesem Jahr wieder Geld für IT-Investitionen in die Hand nehmen - sei es, um sich auf die geänderten Eigenkapitalrichtlinien (Basel II) vorzubereiten, oder weil die IT-Infrastruktur endlich erneuert werden muß.

          Vorsichtiger Ausblick

          Doch der Ausblick des Unternehmens ist - wie oben bereits erwähnt - eher vorsichtig: 2006 stehe die Konsolidierung im Vordergrund. Zehn Akquisitionen in zwei Jahren wollen erst einmal verdaut werden. Außerdem will das Management in den Bereich „Managed Services“ (Outtasking oder Outsourcing) investieren. Darum sei trotz Umsatzwachstum nicht unbedingt mehr Gewinn zu erwarten.

          Bis 2010 will das Management vor allem die Marktposition sichern und Marktanteile gewinnen. Der Umsatz soll bei zunehmender Profitabilität auf zwei Milliarden Euro steigen. „In der kurzfristigen Entwicklung können dabei insbesondere durch Unternehmenszukäufe Integrationsaufwendungen entstehen, die das Ergebnis belasten“, heißt es im Jahresbericht. „Mittel- bis langfristig erwartet Bechtle jedoch eine Fortsetzung der positiven Geschäftsentwicklung.“

          Auf lange Sicht ein lohnendes Investment

          Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14,4 und 13,0 auf Basis der Gewinnschätzung für das laufende und das kommende Geschäftsjahr ist die Aktie kein Schnäppchen mehr, aber auch nicht zu optimistisch bewertet. Die Dividende spricht inzwischen für ein Investment: Sie wurde von 25 Cent 2003 über 30 Cent 2004 auf 40 Cent 2005 angehoben. In diesem Jahr sollen 50 Cent fließen. Das entspricht einer Dividendenrendite von immerhin 2,3 Prozent.

          Bechtle hat in der Vergangenheit bewiesen, daß es solide wirtschaften und langfristig wachsen kann. Darum kann sich eine Investition für die Aktionäre auf lange Sicht durchaus lohnen. Vorsichtige Anleger sollten aber abwarten, ob das jüngste Kurshoch in den kommenden Wochen bestätigt wird. Wenn ja, dürfte die Aktie wieder Luft nach oben haben.

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