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IT-Dienstleister : Bechtle-Aktie droht der Fall aus dem Aufwärtstrend

  • Aktualisiert am

Bechtle Logistikzentrum Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Bechtle-Aktie ist lange Zeit dem TecDax meilenweit vorausgelaufen, doch jüngst hat sich das Bild gedreht. Nun erwischt das IT-Systemhaus die Anleger mit einer „Gewinnwarnung“ kalt. Der Aktie droht der Fall aus dem langfristigen Aufwärtstrend.

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          Über viele Jahre ist die Aktie von Bechtle eine Perle unter den deutschen Technologietiteln gewesen. Ein Dreijahres-Wertzuwachs von gut 143 Prozent spricht für sich. Der TecDax hat im gleichen Zeitraum um 41 Prozent zugelegt. Noch krasser fällt der Fünfjahresvergleich aus: Während Bechtle seinen Aktionären ein Plus von gut 28 Prozent beschert hat, liegt der im Frühjahr eingeführte Index (rechnerisch) gut 84 Prozent niedriger als im November 2000.

          Doch in den vergangenen Monaten hat sich das Bild gedreht: Während Bechtle im Laufe des jüngsten Vierteljahres bis Donnerstag gut 14 Prozent verloren hat, beträgt das entsprechende Minus im TecDax nur 1,5 Prozent. Und am Freitag geht die Schere weiter auseinander. Nachdem sie vorbörslich um bis zu gut sieben Prozent abgegeben hatte, verliert die Notiz im frühen Handel um bis zu 7,2 Prozent auf 15,55 Euro, hat sich aber im Verlauf wieder erholt und notiert aktuell bei 16,65 Euro nur noch 0,6 Prozent unter dem Vortagesschluß. Der Grund für den anfänglichen Absturz: Der schwäbische IT-Händler und -Dienstleister hat nach einem unerwartet schwachen dritten Quartal seine Prognosen für Umsatz und Gewinn überraschend gesenkt.

          Investitionsneigung bei Kunden schwächer als gedacht

          „Der Vorstand hält den ursprünglich prognostizierten Anstieg beim Vorsteuerergebnis auf mindestens 42 Millionen Euro für das laufende Jahr für zu ambitioniert“, teilte das Unternehmen laut Reuters mit. Die Investitionsneigung von öffentlicher Hand und Unternehmen habe sich nicht so stark belebt, wie es nötig gewesen wäre, um die bisherigen Ziele zu erreichen. Noch Mitte Oktober hatte Bechtle-Chef Ralf Klenk die Geschäftsaussichten bekräftigt.

          Bechtle rechnet nun 2005 nur noch mit einem Gewinn vor Steuern (Ebt) von rund 40 Millionen Euro. Das wäre ein Anstieg zum Vorjahreswert um 6,4 Prozent. Der Umsatz soll zum Jahresende um 5,7 bis 8,5 Prozent auf 1,15 bis 1,18 Milliarden betragen, bisher hatte das Unternehmen einen Anstieg auf 1,3 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Im traditionell auftragsstarken vierten Quartal deute sich zwar eine Belebung der Nachfrage an. Die Branchenkonjunktur habe aber nach wie vor noch nicht die erwartete Dynamik, warnte Bechtle. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 11,2 Prozent auf 288,1 Millionen Euro, vor Steuern verdiente Bechtle mit 11,9 Millionen Euro knapp 19 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

          Das in den vergangenen Jahren durch Akquisitionen und organischen Ausbau des Geschäfts schnell gewachsene Unternehmen hat auch in den Monaten Juli bis September unter den Kosten für die jüngste Expansion gelitten. In der größeren Geschäftssparte Systemhaus gab der Vorsteuergewinn von Januar bis Ende September deutlich auf 9,5 von 10,5 Millionen Euro nach. Bechtle muß vier in diesem Jahr zugekauften Systemhäuser integrieren und will den Vertrieb neu ausrichten. Die Zukäufe trieben den Umsatz der Sparte um 12,7 Prozent auf 565,7 Millionen Euro in die Höhe.

          Fall aus dem langfristigen Aufwärtstrend droht

          Mit der sogenannten Umsatz- und Gewinnwarnung hat Bechtle die Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. Nicht nur wegen der erst im Oktober bekräftigten Prognose: Analysten haben den Titel bisher unter dem Strich zum Kauf empfohlen. Die WestLB hat im September noch das Unternehmen als „Konsolidierer Nummer eins“ im „wettbewerbsintensiven deutschen Systemhausmarkt“ gelobt und gemeint: Das erfahrene Management stelle die beste Garantie dafür dar, daß sich die Erfolgsgeschichte fortschreiben lasse. Angesichts dessen hat die WestLB die Bechtle-Aktie als „outperformer“ eingestuft - obwohl die Notiz seit Juni ein „underperformer“ ist, sich also schlechter entwickelt als der Index (siehe zweite Info-Graphik).

          Diese Einstufung dürfte nun kaum zu halten sein. Zumal die Aktie nicht nur auf das Niveau vom Dezember vergangenen Jahres zurückgefallen ist und ihren seit August ausgebildeten kurzfristigen Abwärtstrend vertieft, sondern auch aus dem seit Oktober 2002 geltenden Aufwärtstrend zu laufen droht - ein Ereignis, das technisch orientierte Anleger als Verkaufssignal werten dürften. Die Trendlinie verläuft bei 15,95 Euro leicht aufwärts. Sollte diese Marke nicht halten, wäre bei 15,70 Euro aus technischer Sicht der nächste Unterstützungszone. Falls Bechtle auch dahinter zurückfallen sollte, könnte sie bis zum möglichen Haltepunkt bei 14,80 Euro durchgereicht werden; von dieser Region aus war sie vor einem Jahr nach oben gelaufen.

          Wenn etwas für die Aktie spricht, dann die Bewertung. Mit bisher geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 13,7 für dieses Jahr und 11,35 für 2006 ist Bechtle erheblich günstiger als der TecDax (26,6/19,8) und etwas niedriger bewertet als das Systemhaus Cenit (14,6/13). Zudem kann sich die erwartete Dividendenrendite von 2,5 Prozent für 2005 sehen lassen. Dies mögen Gründe sein, warum sich die Kursverluste in Grenzen halten. Dessenungeachtet hat die Aktie ihren lange Zeit gepflegten Nimbus bis auf weiteres eingebüßt.

          Aus Sicht der BW-Bank stellt das aktuelle Kursniveau eine Kaufgelegenheit dar. Bechtle sei kerngesund. Letztlich wird das Kursbild andeuten, wann sich ein Einstieg wieder lohnen könnte.

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