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Aktienhandel : Hin und Her lohnt sich manchmal doch

Weniger ist mehr: Ein bis zwei Transaktionen erzielten ein höheres Plus, als aktivere Anleger Bild: AP

Wer an der Börse viel kauft und verkauft, bezahlt auch höhere Gebühren. Reger Handel will daher gut überlegt sein. Doch das volatile Jahr 2014 belohnte vor allem die Handelsfreudigen.

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          Viel Bewegung ist eigentlich gut, hält sie doch wach und fit. Die Taschen hingegen macht Hin und Her leer. Dies gilt in vielen Fällen wie eben an der Börse. Dahinter steckt der Gedanke, dass durch häufiges Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren auch die Gebühren steigen. Davon profitieren zwar die Banken, gleichwohl schmälert es für Anleger den Ertrag. Man fährt demnach besser, Aktien zu kaufen und diese einfach liegen zu lassen, wie es dereinst Börsenguru André Kostolany geraten hat.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Doch wie sieht es in der Realität aus? Ob diese Börsenweisheit stimmt, hängt von der jeweiligen Marktsituation ab. Das haben die Direktbanken Comdirect Bank, Consorsbank, DAB Bank und ING Diba, die sich zur „Aktion pro Aktie“ zusammengefunden haben, nun festgestellt. Untersucht wurden 1,6 Millionen Privatkundendepots dieser Banken. Der Blick auf das Jahr 2013 scheint demnach die Regel zunächst zu bestätigen. Je mehr ein Anleger damals handelte, desto niedriger fiel im Durchschnitt die Bilanz aus. Depotinhaber mit ein oder zwei Transaktionen erzielten ein Plus von 12 Prozent, aktivere Anleger eines von 10 bis 11 Prozent.

          Doch Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Im Börsenjahr 2014 sei es nicht empfehlenswert gewesen, Anlagen einfach liegen zu lassen, sagen die Direktbanken. Investoren hätten damit eine Rendite von 2 Prozent erzielt, handelsfreudigere Anlegernaturen hingegen eine von 5 Prozent. Der Grund: die damals höhere Volatilität. In Jahren mit größeren Kursschwankungen könne es durchaus sinnvoll sein, Positionen im Depot zu ändern, heißt es weiter. Ein wohl überlegtes „Hin und Her“ mache dann die Taschen sogar voll. In eher ruhigeren Börsenjahren wie 2013 wiederum sei eine ruhige Hand von Vorteil. Das Ergebnis leuchtet ein. Denn wer Marktschwankungen geschickt nutzt, kann viel gewinnen, geht allerdings auch ein hohes Risiko ein.

          Deutsches Verhältnis zur Aktie: viele Vorurteile

          Dieses Ergebnis deckt sich zum Teil mit einer anderen Studie der DAB Bank, wonach Männer durch häufigeres Handeln und erhöhte Risikobereitschaft Frauen im Anlageerfolg zuletzt übertrumpft hatten. Mit den Kursverlusten sind auch derzeit die Volatilitäten an der Börse wieder gestiegen, spiegeln sie doch die höhere Unsicherheit der Anleger. Der Dax liegt etwa 700 Punkte oder 6 Prozent unter dem Rekordhoch von 12.391 Punkten im April.

          Das Volatilitätsmaß V-Dax-New ist seither von 17 auf zeitweilig rund 27 Prozent gestiegen. Doch die Direktbanken haben auch festgestellt, dass ihre deutschen Kunden offenbar eine sehr ruhige Hand haben. Häufig schichten sie ihre Depots nicht um. Drei Viertel der Anleger handeln höchstens zweimal im Jahr mit Aktien. Jeder Fünfte tut dies bis zu zehnmal. Nur 7 Prozent der Deutschen kaufen und verkaufen häufiger.

          Das Deutsche Aktieninstitut und die Börse Stuttgart haben in einer repräsentativen Umfrage zudem festgestellt, dass Missverständnisse, Vorurteile und Unsicherheit das Verhältnis der Deutschen zu Aktien prägen. Viele Anleger scheuen demnach das Aktienrisiko und sind unsicher ob der langfristigen Renditeeigenschaften. 55 Prozent der Befragten würden keinen Cent in Aktien oder Fonds investieren, wenn sie 10.000 Euro für 25 Jahre anlegen sollten. Mit der Erfahrung steige aber das Interesse. Aktien würden vielen überdies als Anlage für Vermögende gelten. Und nur ein Drittel der Deutschen spreche privat über Aktien. Doch vielleicht ist es hier wie anderswo: Über Geld spricht man ja eigentlich nicht.

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