https://www.faz.net/-gv6-2u7n

Irland : Wackere Bilanz der keltischen Tiger-Aktien

  • Aktualisiert am

Für Irlands Börsianer ist die Welt noch einigermaßen in Ordnung Bild: dpa

Irland hat im Jahr 2001 viel besser als die meisten anderen Aktienmärkte abgeschnitten. FAZ.NET prüft, ob das so bleiben wird.

          2 Min.

          Wir schreiben das Jahr 2001. Die europäischen Börsen sind alle fest in der Hand der Bären. Oder besser gesagt: fast alle. Denn nördlich des Alten Kontinents gibt es einen Börsenplatz, der sich erfolgreich gegen die Bären zur Wehr setzt. Die Rede ist von Irland.

          Der dort richtungsweisende ISEQ Overall Index hat seit Jahresbeginn fast zehn Prozent auf aktuell rund 6.335 Punkte zugelegt. Gemessen am Jahrestief ergibt sich sogar ein Plus von über 25 Prozent. Und dabei haben die irischen Technologieaktien sogar noch schlechter abgeschnitten als ihre entsprechenden Gegenparts in Europa und den USA. Der Kurssturz beim E-Security-Anbieter Baltimore Technologies lässt grüßen.

          Bessere Bilanz in fast allen Branchen

          Doch andere Branchen sind als Ersatz in die Bresche gesprungen. In fast allen übrigen Sektoren fällt die Bilanz der irischen Vertreter besser aus als anderswo. Paradebeispiel ist Ryanair. Während die Billigfluglinie in den ersten sechs Monaten um sieben Prozent zulegte, brach etwa der Aktienkurs von Lufthansa um über 30 Prozent ein. Offenbar trauen die Anleger dem irischen Vertreter zu, mit dem derzeit schwierigen Umfeld für Fluglinien besser zurechzukommen als die Deutschen.

          Ein wichtiger Grund für die überzeugende Gesamtbilanz liegt aber auch in der Bestückung des Index mit vielen defensiven Titeln. So befinden sich unter den 69 Mitgliedern viele Banken, Pharmawerte, Bau- und Nahrungsmittelaktien. Von diesem Umstand, der sich aktuell als Vorzug entpuppt, dürfte der Markt noch eine Zeit lang profitieren. Ein Ende der Baisse bei den Technologieaktien ist schließlich nicht in Sicht.

          Daran glaubt man auch bei Davy Stockbrokers nicht. Bei dem zur Bank of Ireland-Gruppe zählenden Broker befürchten die Strategen zwar, dass sich die irische Wirtschaft den weltweiten Schwächetendenzen nicht komplett entziehen kann. Das Bruttoinlandsprodukt soll laut Volkswirt Jim O´Leary aber in 2001 und 2002 immerhin noch um jeweils sechs Prozent zulegen.

          Vertretbares Bewertungsniveau

          Unter dem Strich sollten daher die Gewinnrückgänge geringer ausfallen als in anderen Ländern, was wiederum dem Aktienmarkt zu Gute kommen sollte. Zumal irische Aktien keinen überbewerteten Eindruck machen. Auf Basis der für 2001 geschätzten Gewinne veranschlagt Davys das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf 16,3 und für 2002 auf 14,5. Da das KGV in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt bei 15,4 lag, bewegt sich das Bewertungsniveau im normal üblichen Rahmen.

          Die Bäume werden aber vermutlich auch in Dublin nicht in den Himmel wachsen. Bei Davys sieht man den ISEQ am Jahresende bei 6.500 Punkten, was einem nur noch moderaten Aufwärtspotenzial gleichkäme. Kurzfristig sind die Prognosen jedoch nicht so optimistisch. Im Zuge der Bekanntgabe von vermutlich geringeren Gewinnzuwächsen dürfte der ISEQ noch einmal unter Druck geraten. Bei Davys wittern die Strategen zwischenzeitliches Abwärtspotenzial bis auf 5.500 Punkte.

          Unter den Einzelwerten bleiben wegen solider Gewinnaussichten und Übernahmegerüchten die schon im ersten Halbjahr gut gelaufenen Kreditinstitute wie Allied Irish Bank oder Bank of Ireland interessant. Ebenfalls gefragt bleiben dürfte der in den ersten sechs Monaten um 55 Prozent gestiegene Baustoffhändler Grafton Group. Dem Marktführer billigen die zur Allied Irish Bank gehörenden Goodbody Stockbrokers weiteren Kurspotenzial zu. Sie machen das daran fest, dass einem erwarteten Gewinnwachstum von 14 Prozent nur ein KGV von rund zehn gegenübersteht, was als günstige Relation gilt.

          Weitere Themen

          Wie stark wirken die EZB-Anleihekäufe?

          EZB-Streit : Wie stark wirken die EZB-Anleihekäufe?

          Die Bundesbank und die Commerzbank befassen sich in zwei Studien mit den Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank – mitten im Streit um das kritische Urteil des Bundesverfassungsgerichts.

          Geringste Dividenden seit langem

          Studie der DZ Bank : Geringste Dividenden seit langem

          Die Aktienkurse haben sich kräftig erholt, doch die Ausschüttungen an Aktionäre sinken auf den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung.

          Topmeldungen

          Schüler einer vierten Klasse sitzen zu Beginn des Unterrichts in Dresden auf ihren Plätzen.

          Im neuen Schuljahr : Welcher Lernstoff ist verzichtbar?

          Auch nach den Sommerferien wird der Unterricht anders sein als gewohnt. Drei Szenarien sind denkbar. Die Friedrich Ebert Stiftung schlägt nun vor, Prüfungs- und Lehrinhalte zu reduzieren. Streit ist programmiert.
          Streit mit der Bild-Zeitung: Virologe Christian Drosten

          „Bild“ gegen Drosten : Wahrheit im Corona-Style

          Die Kampagne gegen den Virologen Drosten ist sachlich unbegründet, niveaulos und niederträchtig. Sie richtet sich gegen die Wissenschaft. Und damit ist weder der Gesellschaft noch der Politik gedient.
          Lachen für die Kameras: Betriebsratschef Bernd Osterloh und VW-Chef Herbert Diess (rechts) im Oktober 2019 in Wolfsburg

          Osterloh gegen Diess : Das System VW schlägt zurück

          Betriebsratschef Bernd Osterloh wagt den Machtkampf mit VW-Chef Herbert Diess. Hauptkritikpunkte: Sein Führungsstil und die vielen technischen Pannen im Unternehmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.