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Interview : "Wir geben Firmen ohne Nachfolger eine Heimat"

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Im Einkauf liegt der Gewinn. Wenn Gesco Mittelständler mit guten Aussichten und starker Marktstellung findet und diese zu einem akzeptablen Preis kaufen kann, funktioniert das Geschäftsmodell, erklärt Gesco-Vorstand Robert Spartmann im Interview.

          Im Einkauf liegt der Gewinn. Das gilt für das Beteiligungsunternehmen Gesco in besonderem Maße. Nur wenn Gesco Mittelständler mit guten Aussichten und starker Marktstellung findet und diese zu einem akzeptablen Preis kaufen kann, funktioniert das Geschäftsmodell.

          Denn dann muss sich die Holding nicht übermäßig verschulden und kann den Kauf mit künftigen Erträgen solide abbezahlen, erklärt Gesco-Vorstand Robert Spartmann im Interview.

          Herr Spartmann, was unterscheidet Sie von den großen Beteiligungsgesellschaften wie Blackstone, Fortress oder KKR?

          Viel. Der auffälligste Unterschied ist: Wir konzentrieren uns auf kleine, mittelständische Unternehmen, die sehr profitabel sind und in einer Marktnische arbeiten. Der wichtigste Unterschied ist jedoch: Wir sind im Prinzip Investoren für die Ewigkeit. Ein Verkauf nach einigen Jahren ist für uns kein Thema. Wir bürden einem Unternehmen, das wir kaufen, auch keine Schulden auf, die es abbezahlen müsste. Die Kreditbelastung trägt allein die Holding in Wuppertal.

          Große Sprünge machen Sie so aber wohl nicht?

          Das wollen wir auch nicht. Zwei Dinge sind wichtig für uns. Erstens steigern wir die Ertragskraft unserer Beteiligungen nachhaltig von Jahr zu Jahr. Außerdem kaufen wir jedes Jahr ein bis drei Unternehmen zu. So erweitern wir unser Portfolio kontinuierlich.

          Was bringt das den Anlegern unter dem Strich?

          Der Kurs hat sich in drei Jahren zum Beispiel gut verzweieinhalbfacht. Hinzu kommt eine attraktive Dividende - derzeit mit einer Rendite von gut drei Prozent. Dabei ist das Risiko für unsere Investoren, rund 30 Prozent institutionelle und etwa 5500 Privatanleger, sehr überschaubar.

          Verdoppelt sich der Kurs in den nächsten drei Jahren noch einmal?

          Wir sind konservativ. Unser Ziel ist, den Umsatz pro Jahr um sechs bis zehn Prozent zu erhöhen und das Ergebnis um acht bis zehn Prozent. Das entspricht dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Seit dem Börsengang 1998 ist der Umsatz im Schnitt um 7,6 Prozent pro Jahr gestiegen und der Gewinn um 15,4 Prozent.

          Rechnen Sie auch im laufenden Geschäftsjahr mit solch einem starken Gewinnanstieg?

          Ja, wobei wir dies operativ betrachten. Im Geschäftsjahr 2006/07, das bis Ende März lief, hatten wir einen Einmalertrag von 2,6 Millionen Euro aus dem Verkauf einer untypischen Gewerbepark-Beteiligung. Wenn man dies herausrechnet, soll der Umsatz in diesem Jahr um 15,6 Prozent und der Gewinn um 16,7 Prozent stei- gen - nach Anteilen Dritter natürlich.

          Was sind Anteile Dritter?

          Da zeigt sich eine Spezialität von Gesco. Nach einer Einarbeitungszeit beteiligen wir unsere Geschäftsführer mit zehn bis zwanzig Prozent an „ihrem“ Unternehmen. Damit steht ihnen natürlich ein entsprechender Gewinnanteil zu.

          Steigt dadurch die Motivation der Manager?

          Ja, eindeutig. Wir kaufen inhabergeführte Unternehmen, und unsere Beteiligungen sollen auch künftig nach diesem Prinzip geführt werden. Das ist ein wesentlicher Grund für den bisherigen Erfolg, den wir in die Zukunft fortschreiben wollen.

          Ihr Top-Argument für die Aktie?

          Durch Gesco erhalten Investoren Zugang zu Top-Unternehmen des Mittelstands. Auch künftig wird das Nachfolgethema unser Wachstum treiben, weil es viele Unternehmer gibt, die ihr Lebenswerk nicht zum Höchstpreis verkaufen, sondern in gute Hände geben wollen.

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