https://www.faz.net/-gv6-38c1

Interview : Pharma-Werte, bei denen die Chemie stimmt

  • Aktualisiert am

Tipps zu Pharma und Biotechs Bild: Klein/STOCK4B

Die S&P-Analysten Herman Saftlas und Frank DiLorenzo suchen nach Gewinnern in einer Branche, die in letzter Zeit reichlich Federn lassen musste.

          2 Min.

          War die Pharmabranche in Krisenzeiten gefragt und gab es im Biotechnologiebereich lange Zeit viel Fantasie, so ist die in jünster Zeit etwas getrübt worden. Beispielsweise durch die Kontroverse um das Krebsmittel Erbitux von ImClone Systems. Bei Pharmaaktien stellt sich eher die Frage nach der Bewertung.

          Im Interview mit BusinessWeek Online stellen die S&P-Analysten Herman Saftlas und Frank DiLorenzo ihre Sicht der Dinge dar und nennen auch konkrete Aktien, auf die sie setzen würden.

          Welche Pharma-Unternehmen werden derzeit von S&P favorisiert?

          Das sind vor allem Johnson & Johnson und Pfizer. Johnson & Johnson ist das größte und auch das am besten diversifizierte Unternehmen in der Branche. Umsatz und Gewinn wachsen seit vielen Jahren kontinuierlich an wie bei kaum einem anderen Unternehmen. Bei der Entwicklung neuer Erfolgsprodukte sowohl im Bereich Arzneimittel als auch im Bereich medizinische Geräte gehört es nach wie vor zu den Spitzenreitern. Diese Produkte dürften dem Unternehmen in den nächsten Jahren ein beschleunigtes Gewinnwachstum bescheren.

          Mit einem erwarteten Gewinnwachstum von mindestens 20 Prozent würde ich Pfizer ebenfalls als relativ wachstumsstark bezeichnen. Auch hier sorgen wieder einmal Neuprodukte - zum Beispiel Bextra - für den nötigen Antrieb. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt nur mit etwa 15 Prozent über dem Durchschnitt, was bedeutet, dass Pfizer im Branchenvergleich ein bedeutend schnelleres Wachstum an den Tag legt. Außerdem fällt sein KGV nicht übermäßig aus der Reihe.

          Zu den anderen von uns favorisierten Unternehmen gehört Aventis auf dem europäischen Pharma-Markt, das im Vergleich zur dortigen Konkurrenz wohl auch über die stärkste Produkt-Pipeline verfügt. Zusätzlich empfehlen wir Abbott Laboratories. Seine neue Führungsspitze hat einige clevere Akquisitionen getätigt. Etwa den Kauf von Knoll Pharmaceuticals, das eine viel versprechende Pipeline neuer Produkte zur Behandlung von Arthritis und Herzkrankheiten einbringt.

          Experten meinen, dass Amgen die viel versprechendste Biotech-Aktie der nächsten zehn Jahre sei. Würden Sie dem zustimmen?

          Wenn Sie sich auf eine Biotech-Aktie als Kernanlage konzentrieren wollen, dann würde ich Ihnen auch Amgen empfehlen. Dieses Unternehmen ist höchst profitabel und verfügt über eine Reihe von Medikamenten, die zu wahren Kassenschlagern aufsteigen könnten.

          Gibt es im Small-Cap-Bereich auch Biotech-Unternehmen, die Sie empfehlen können? Und welche Kategorie ist generell viel versprechend?

          Ich konzentriere mich in erster Linie auf Unternehmen, bei denen Produktzulassungen in etwa einem Jahr anstehen. Unter den Biotech-Werten im Small- und Mid-Cap-Bereich ist Cephalon zu nennen: Das Unternehmen verfügt über zwei wirklich wachstumsstarke Medikamente. Deshalb zählt es auch zu meinen großen Favoriten.

          Ebenso wie Celegene, das über ein recht erfolgreiches Medikament mit Namen Thalomid verfügt. Darüber hinaus befinden sich noch einige viel versprechende Produkte zur Behandlung des Multiplen Myeloms und anderer Krebsarten in der Pipeline. Sollten hierbei gute Ergebnisse erzielt werden, so denke ich, dass der Kurs der Aktie entsprechend Auftrieb erhält.

          Enzon ist ein Unternehmen, das in letzter Zeit etwas gelitten hat, aber dennoch zu meinen Favoriten gehört. Der Kurs der Aktie hat Federn lassen müssen wegen der Probleme mit dem Medikament PEG-Intron, das von Schering-Plough vertrieben wird. Dieses Enzon-Medikament hat ein Potenzial von mehreren Milliarden Dollar. Wegen eines Produktionsengpasses bei Schering-Plough steht jedoch zu befürchten, dass die Verbrauchernachfrage nach diesem Medikament nicht gedeckt werden kann. Meiner Meinung nach wurde dies aber schon in den Kurs der Aktie eingepreist.

          Insgesamt stufen wir Enzon mit „Akkumulieren“, Cephalon mit „Kaufen“ und Celgene ebenfalls mit „Akkumulieren“ ein.

          Können Sie uns zum Abschluss noch schnell ein paar Namen nennen, die auf Ihrer Liste ganz oben stehen?

          Saftlas: Wie gesagt, uns gefällt Johnson & Johnson, Abbott Laboratories, Pfizer, Aventis und im Spezialbereich auch noch Teva und Mylan.

          DiLorenzo: Ich habe im Moment drei Kaufempfehlungen: Amgen, Genzyme und Cephalon.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hans-Georg Maaßen Anfang September in Benshauen

          Campact gegen Maaßen : Was ist erlaubt, um einen Kandidaten zu verhindern?

          Damit Hans-Georg Maaßen nicht für die CDU in den Bundestag einzieht, verlangt die Organisation Campact, dass alle den SPD-Kandidaten im Wahlkreis unterstützen. Bei der Linkspartei kommt das gar nicht gut an.
          Wieder mehr USA-Flüge: Vor Corona waren sie Umsatzgarant für Lufthansa.

          Grenzöffnung ab November : Wo die Tücken auf USA-Reisen liegen

          Die Wirtschaft jubelt über die endlich angekündigte Grenzöffnung der USA. Doch für Touristen sind noch einige Fragen offen – zum Beispiel das Reisen mit Kindern. Die Probleme sind allerdings klein im Vergleich zu Reisen nach China.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.