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Interview : „Pfleiderer wird dieses Jahr in Amerika Geld verdienen“

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Hans H. Overdiek, Vorstandsvorsitzender von Pfleiderer Bild: Archiv

Unternehmenschef Hans Overdiek sieht zwar ein paar mehr Fragezeichen mit Blick auf Amerika. Doch insgesamt rechnet er mit weiterem Wachstum des Holzwerkstoffherstellers. Seine Aktie hält Overdiek für günstig. Er selbst hat zugekauft

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          Pfleiderer verkauft Holzwerkstoffe und Laminatböden. Damit ist das Unternehmen auch in Amerika stark im Geschäft. Dort ist die Baubranche jedoch gerade leidgeplagt, und hinter die künftigen Ausgaben der Konsumenten werden viele Fragezeichen gesetzt. Zu befürchten ist also, dass auch das Geschäft von Pfleiderer leidet. Bisher hat die Gesellschaft dafür jedoch offenbar wenig Hinweise - und das schon seit Monaten.

          Profiteur einer Konsolidierung in der Branche

          Es ist also gut möglich, dass der Kurseinbruch der Aktie übertrieben war, zumal Pfleiderer in Osteuropa weitere Wachstumschancen sieht. Und es könnte zudem der Profiteur einer weiteren Konsolidierung in der Branche sein. Das kostet zwar Geld, doch die Mittel dafür sind bereits über Kreditlinien vorhanden.

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          Unruhe im Vorstand stimmt skeptisch

          Skeptischer stimmt da eher die jüngste Aufregung im Management. Der Finanzvorstand verspielte das Vertrauen des Vorstandschefs und des Aufsichtsrats - weil er mit potentiellen Übernahmeinteressenten sprach. Das ist kein wirkliches Vergehen, denn in dieser Funktion musste er das. Warum er kurzerhand gefeuert wurde, blieb daher letztlich unklar.

          Mehr Grund zum Optimismus liefert hingegen der Einstieg eines neuen Finanzinvestors. Wenn dieser die Strategie des Managements unterstützt, ist damit zwar die Übernahmephantasie aus dem Markt. Doch es bleibt eine relativ starke Unterbewertung der Aktie von Pfleiderer.

          Was meint Vorstandschef Hans Overdiek?

          Herr Overdiek, warum ist Ihre Aktie so stark gefallen?
          Die Pfleiderer-Aktie hat überproportional verloren wegen der Rezessionängste in Nordamerika und zunehmend auch in Europa. Für viele war dies ein Grund, im vergangenen Jahr auszusteigen.

          Sind denn die Rezessionsängste in Ihrem Geschäft unberechtigt?
          Wir machen in Kanada und den Vereinigten Staaten ein Viertel unseres Umsatzes. Der Baumarkt in Amerika ist rückläufig und wird bestimmt nicht wachsen. Unser Geschäft ist jedoch die Renovierung, insbesondere Laminatböden. Dies ist ein wachsendes Segment, weil Laminat teurere Bodenbeläge verdrängt.

          Aber der Dollar-Verfall belastet?
          Nein, auch der schwache Dollar stört uns nicht so stark, weil wir in Amerika produzieren. Insgesamt können wir auch in einem schrumpfenden Markt gut leben. Hinzu kommt, dass wir 2007 bei Pergo ein Restrukturierungsprogramm auf den Weg gebracht haben. Wir sind also auch unter Kostengesichtspunkten im Laminatgeschäft wettbewerbsfähig. Das bedeutet: 2008 werden wir in Amerika Geld verdienen.

          Und in Westeuropa?
          In Deutschland sind wir der größte integrierte Hersteller von Holzwerkstoffen und nur indirekt vom Hausbau abhängig. 2007 lief das Geschäft sehr gut. Wir haben in Westeuropa eine Marge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von mehr als 16 Prozent.

          Und 2008?
          Dieses Jahr erwarten wir einen stabilen bis leicht wachsenden Markt in Westeuropa. Im Konzern streben wir einen Umsatz von etwa zwei Milliarden Euro und eine Ebitda-Marge von rund 15 Prozent an.

          Wie schätzen Sie den Markt ein?
          Die Märkte sind nicht einfacher geworden. Es gibt ein paar mehr Fragezeichen als im vergangenen August. Wir sind aber gut aufgestellt mit unserer Produktpalette und als Kostenführer.

          Was folgt von 2009 an?
          Wir werden weiter wachsen, vor allem in Osteuropa. Polen und Russland sind ertragreiche Märkte. In den reiferen Märkten erwarten wir weiteren Konsolidierungsdruck. Das ermöglicht Zukäufe.

          Brauchen Sie Kapital?
          Nein, wir eröffnen ein bis zwei neue Werke im Jahr aus eigener Kraft. Für Akquisitionen haben wir seit dem Herbst eine Kreditlinie von 800 Millionen Euro geschaffen, die wir noch nicht nutzen.

          Droht Ihnen eine Übernahme?
          Nein, wir haben einen stabilen Kreis von Kerninvestoren, der unsere Ziele teilt. Natürlich wird der Vorstand bei jedem Übernahmeangebot unvoreingenommen prüfen, ob es im Interesse des Unternehmens und der Aktionäre ist. Wenn uns jedoch jemand übernähme und wir die Finanzierung tragen müssten, beschnitte dies unsere Wachstumsmöglichkeiten stark.

          Ihr Topargument für die Aktie?
          Wir haben Pfleiderer nach vorn entwickelt in Märkten, die weiteres Wachstum versprechen. Die Aktie ist derzeit günstig bewertet. Ich selbst habe gerade erst weitere Aktien gekauft.

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