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Interview : „Langfristig sehe ich interessante Ertragschancen“

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Andres Gut unterwegs in einer Teakpflanzung Bild: Privat

Alternative Anlagen - dazu zählen auch Holzplantagen. Ein interessantes Beispiel ist das Unternehmen Precious Woods. Im Interview erläutert Präsident Andres Gut die Strategie, die Chancen und Risiken, die damit verbunden sind.

          7 Min.

          Alternative Anlagen - führten sie vor der Baisse eher eine stiefmütterliches Dasein, so sind sie mit fallenden Kursen in Mode gekommen. Plötzlich wurde alles interessant, was sich anders verhielt als die Börsen.

          Dazu zählen nicht nur Hedge- oder Rohstoffonds, sondern auch Holzplantagen. Inzwischen steigen die Aktienkurse zwar wieder, was das Interesse wieder etwas abflauen läßt. Fragt sich nur, wie lange. Aus diesem Grund ist es nach wie vor interessant, sich mit solchen Anlageformen zu beschäftigen.

          Ein besonders interessantes Beispiel ist das Unternehmen Precious Woods. Denn es verbindet ökonomische und ökologische Aspekte bei der Anpflanzung von Edelhölzern und bei der nachhaltigen Bewirtschaftung von Tropenwäldern. Im folgenden Interview erläutert Andres Gut als Präsident des Unternehmens die Strategie und die Chancen und auch Risiken, die damit verbunden sind.

          Bild: Daten: Hancock Timber Resource Group

          Beim Kauf von Produkten, die aus tropischen Hölzern gefertigt sind, muß man beinahe ein schlechtes Gewissen haben, weil man Raubbau dahinter vermuten muß. Bei den Produkten, die Sie anbieten, scheint das anders zu sein.

          Das ist richtig. Für den Verbraucher ist in diesem Zusammenhang das FSC-Zeichen auf solchen Produkten wie Gartenmöbeln entscheidend. Es wird vergeben vom Forstweltrat und steht für eine umweltfreundliche, sozialverträgliche sowie ökonomisch nachhaltige Forstwirtschaft. . Der Kunde sollte auf dem FSC-Zertifikat bestehen, und sich nicht von anderen Angaben abspeisen lassen.

          Das heißt, ein Unternehmen muß bestimmte Kriterien erfüllen, um das FSC-Zertifikat zu erreichen?

          Als wir das erste Mal zertifiziert wurden, mußten wir über 80 Kriterien erfüllen. Angefangen von waldbaulichen über soziale bis hin zu ökologischen Gesichtspunkten. Das wird weiterhin strikte kontrolliert. Einmal jährlich erscheinen die Experten unangemeldet und einmal angemeldet und überprüfen einzelne Punkte. Nach fünf Jahr kommt es zu einer umfassenden Reevaluation aller Kriterien. Es gibt immer wieder Firmen, die das Zertifikat verlieren.

          Gleichzeitig scheint eine solche Wirtschaftsweise dem Gewinnstreben jedoch nicht zu widersprechen, denn Precious Woods erzielt nette Gewinne?

          Absolut betrachtet sind unsere Gewinn noch bescheiden, sie haben sich jedoch gut entwickelt. Seit über fünf Jahren haben wir Umsatz und Gewinn regelmäßig zweistellig gesteigert.

          … und das kann so weitergehen?

          Das ist unsere Absicht und dafür bestehen sehr gute Chancen. Fürs laufende Jahr muß man eine Einschränkung machen. Da wir in Brasilien produzieren, fallen die Kosten vorwiegend in brasilianischen Reais an, während wir die Einnahmen vor allem in Dollar erzielen. Im Moment läuft die Währung gegen uns, indem der Real stark angestiegen ist. Das wirkt sich auf unsere Margen sehr negativ aus. Mittel- und langfristig wird das jedoch eine Episode sein, da der Real sehr wahrscheinlich seinen langfristigen leichten Abwertungstrend wieder aufnehmen wird. Zudem beginnen sich Preiserhöhungen auszuwirken.

          Aus Ihrer Antwort spricht jedoch nicht eine Skepsis am Erfolg Brasiliens an sich?

          Nein, ich denke, daß Brasilien als rohstoffreiches Land eine große Zukunft hat. Aber nichts desto Trotz gibt es einen Inflationsunterschied zwischen Brasilien und dem Dollarraum. Außerdem sind die Zinsen in Brasilien gegenwärtig zu hoch. Die volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten werden sich letztendlich beim Wechselkurs durchsetzen.

          Wie würden Sie das Geschäftsmodell von Precious Woods definieren?

          Wir sind das einzige börsennotierte Unternehmen, welches sich auf nachhaltige Forstwirtschaft in den Tropen konzentriert. Niemand außer uns hat sich so klar auf dieFSC-Kriterien festgelegt. Unser Ziel bestand von Anfang darin, etwas gegen die Entwaldung des Tropengürtels zu unternehmen. Aber als kommerzielles Unternehmen , das Gewinn erzielt, nicht als Hilfsorganisation. Auch konventionelle Holz-Unternehmen bewegen sich teilweise immer mehr in Richtung Nachhaltigkeit.

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