https://www.faz.net/-gv6-qyb6

Interview : „Ich kaufe Bankaktien - da ist der Pessimismus am größten“

  • Aktualisiert am

Der Vermögensverwalter Lutz Gebser ist Vorstand von Gebser & Partner Bild:

Der Vermögensverwalter Lutz Gebser hat schon viele Börsenstürme erlebt. Derzeit findet der Vorstandsvorsitzende des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter die Standardwerte im Dax besonders interessant - vor allem die Banken.

          2 Min.

          Der Frankfurter Vermögensverwalter Lutz Gebser hat schon viele Börsenstürme erlebt. Seit mehr als 40 Jahren beobachtet er das Marktgeschehen intensiv - und nach wie vor kauft er bevorzugt deutsche Aktien. Derzeit findet der Vorstandsvorsitzende des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter die Standardwerte im Dax besonders interessant - vor allem die Banken.

          Wie beurteilt Lutz Gebser die aktuelle Börsenkrise?

          Herr Gebser, die amerikanische Notenbank hat die Zinsen gesenkt. Beruhigen sich die Märkte nun?

          Das ist eine Pille. Da weiß man nicht, wie die wirken und muss abwarten.

          Steigt der Dax denn nun wieder?

          Von dieser Basis bestimmt.

          Wird er dieses Jahr auch wieder mehr als 8000 Punkte schaffen?

          Das halte ich nicht für unmöglich. Das wirtschaftliche Umfeld stimmt nach wie vor. Und Zinssenkungen verringern die Attraktivität von alternativen Anlagen wie Anleihen.

          Hat der Kurseinbruch der vergangenen Tage nicht viele Anleger verschreckt?

          Das war eine Reaktion auf etwas, was schwer zu verstehen ist - der Auslöser ist der Immobilienmarkt in Amerika und die Kreditgeschäfte, die in diesem Zusammenhang stattgefunden haben. Plötzlich bricht ein Kartenhaus zusammen. Doch wenn der Ausverkauf vorbei ist, geht das Leben weiter. Die Kreditkrise ist kein Grund, Aktien zu verkaufen.

          Auch wenn es kracht?

          Gerade dann. Die Erfahrung lehrt, dass nach einem Crash die Kurse auch wieder steigen. 1987 zum Beispiel hat es nur wenige Monate gedauert. Wer da panikartig ausgestiegen ist, hat sich schon bald darüber geärgert.

          Was stimmt Sie denn heute für den Dax so positiv?

          Wir haben ein sehr schönes, sehr günstiges Einstiegsniveau. Die Bewertung von vielen großen Standardwerten war lange nicht mehr so günstig wie im Moment.

          Aber die Deutschen kaufen trotzdem nicht?

          Das stimmt. Die Deutschen haben eine Aversion zur Aktienanlage und das ist ein Fehler. Deshalb sind Privatanleger kein Faktor am deutschen Aktienmarkt. Entscheidend sind die Ausländer, da kommen neue Marktteilnehmer aus Asien und Russland. Die haben alle noch keine deutschen Aktien.

          Was kaufen Sie?

          Ich persönlich bevorzuge Banken. Da ist der Pessimismus am größten.

          Haben Sie keine Angst vor weiteren Milliarden-Abschreibungen?

          Nein, denn das sollte weitestgehend in den Kursen drin sein.

          Gibt es nicht auch ein wenig sichere Aktien?

          Natürlich: BASF, Bayer, RWE oder Eon, aber auch MAN und Conti sind interessant.

          Und die Nebenwerte? Da traut sich momentan ja kaum einer rein?

          Um so besser: Wenn man das Gefühl hat, etwas ist nicht interessant, sollte man es gerade genau anschauen. Ich kaufe zum Beispiel Leonardo. Das ist eine Gesellschaft, die sich an jungen Unternehmen beteiligt. Man sollte aber nicht blind kaufen, sondern wissen warum man sich in einem Unternehmen engagiert.

          Lutz Gebser wurde am 30. Januar 1938 in Berlin geboren. Er ist Gründer und Vorstand der Gebser & Partner Vermögensverwalter und Gründungsmitglied sowie Vorstandsvorsitzender des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter (VuV).

          1954 begann Gebser als Lehrling bei der Deutschen Bank. Von 1964 bis Mitte der 90er Jahre war er in der Anlageberatung, Vermögensverwaltung und im Fondsmanagement der Deutschen Bank in Frankfurt tätig. Seit 1986 war er dabei als Mitglied der Geschäftsleitung für das Wertpapiergeschäft in Hessen verantwortlich. Gemeinsam mit Eduard Motter gründete er 1994 die Vermögensverwaltung Gebser & Partner, die 1999 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde.

          Neben der individuellen Vermögensverwaltung für private und institutionelle Kunden managt Gebser & Partner eigene Fonds. Das Leistungsangebot von Gebser & Partner AG wird im Bereich Institutionelle Kunden/ Family Offices durch G&P Institutional Management AG ergänzt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.