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Interseroh : Schrottaktie mit glänzender Perspektive

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Nicht mehr fahrtüchtig, aber begehrt: Auch zusammen gepresst haben Altautos einen Wert Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Früher liefen sie durch die Straßen, bimmelten mit einer Glocke und riefen „Alteisen“. Heute betreiben international tätige Konzerne das Geschäft. Interseroh, einziger börsennotierter Entsorger Deutschlands, verdient glänzend - und die Aktionäre profitieren mit hohen Kursgewinnen davon.

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          Müll ist für Deutschlands Mieter ein ständiges Ärgernis. Die Abfallgebühren reißen längst ein sichtbares Loch in die Haushaltskasse. Für die Recyclingbranche dagegen stellt sich die Lage völlig anders da: Müll ist knapp und ein begehrtes Gut geworden. In Lüneburg beispielsweise entbrannte ein Streit um Altpapier, den erst das Oberverwaltungsgericht Niedersachsen entschied. Nun darf dort ein privates Entsorgungsunternehmen eigene Altpapiertonnen aufstellen.

          Ob Kupfer, Alteisen, Stahl, Glas, Altpapier oder selbst Hausmüll - in der allgemeinen Rohstoffknappheit ist alles wieder gefragt, was sich wieder verwerten oder zur Energiegewinnung verbrennen lässt.

          Der einzige börsennotierte Entsorger Deutschlands

          Anleger haben jedoch nur wenige Möglichkeiten, vom Boom in der Entsorgungsbranche zu profitieren. Das einzige börsennotierte Recyclingunternehmen ist die Interseroh AG in Köln. Deren Geschäfte allerdings laufen wie geschmiert. Bei einem Gewinn von 55,4 Millionen Euro stieg der Umsatz im vergangenen Jahr bei auf die Rekordhöhe von 1,75 Milliarden Euro. Bis 2010 sollen die Verkaufserlöse sogar die Marke von 2,5 Milliarden Euro erreichen.

          Bild: F.A.Z.

          Diese Marke sie jedoch „möglicherweise früher erreichbar“, sagte nun Vorstandsvorsitzender Johannes-Jürgen Albus, nachdem Interseroh in der vergangenen Woche in Berlin die Alba Metall GmbH übernommen hatte.

          Dementsprechend gut entwickelt sich auch die Aktie: In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Kurs auf zuletzt 62,21 Euro glatt verzehnfacht. Gegen Ende vergangenen Jahres hatte die Aktie einmal eine Schwächephase, die den Kurs von rund 58 Euro auf weniger als 37 Euro drückte. Doch letztlich tat diese Korrektur dem Titel gut, da sie die Aktie auf eine realistischere Bewertung zurück führte. In diesem Jahr rückte der Kurs auch schon wieder um knapp 30 Prozent vor.

          Heute liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnschätzung für dieses Jahr bei 15,2, was für einen Nebenwert mit einer Marktkapitalisierung von 612 Millionen Euro immer noch relativ hoch ist.

          5 Millionen Tonnen Rohstoffe im Jahr gesammelt

          Dafür ist das Unternehmen jedoch in einer vielversprechenden Branche aktiv, auch wenn es Interseroh selbst schwer fällt, seine Tätigkeit allgemein verständlich zu umschreiben. Als in Europa „führenden Anbieter von Organisationslösungen für das Stoffstrommanagement“ bezeichnet sich Interseroh. Tatsächlich ist das Geschäft relativ simpel: Interseroh sammelt jedes Jahr rund 5 Millionen Tonnen Rohstoffe, davon allein 3,8 Millionen Tonnen Stahl und Metall, aber auch Papier und Aluminium.

          Dieses Geschäft hat jedoch nichts mehr mit dem Schrottsammler zu tun, der durch Wohnstraßen tourt und „Alteisen“ rufend mit einer Glocke läutet. Interseroh nimmt für den Handel Verpackungen wie auch alte Elektro- und Elektronikgeräte zurück. Interseroh entlastet den Einzelhandel auch von Einweg-Plastik-Flaschen und Getränkedosen, die seit zwei Jahren gegen Pfand zurück genommen werden müssen.

          Übernahme von Alba Metall stärkt Interseroh

          Trotz des hohen Kursniveaus empfiehlt Equinet die Aktie zum Kauf und erhöhte kürzlich sogar das mittelfristige Kursziel 61 Euro auf 70 Euro. Die angekündigte Übernahme von Alba Metall durch den Verwerter von Rohstoffen zu den bisher bekannten Bedingungen wäre begrüßenswert, hieß es zur Begründung. Damit würde Interseroh unter die fünf bedeutendsten Verarbeiter von Stahlschrott in Europa aufrücken.

          Der Kauf von Alba Metall zu einem Preis von schätzungsweise 70 Millionen Euro gilt auch deshalb als besonders wichtig, weil diese Transaktion als die letzte große Kaufgelegenheit für Interseroh in Deutschland gilt. Allerdings bleibt Alba Metall gewissermaßen in der Familie: Die beiden Eigentümer von Alba, Eric und Axel Schweitzer, halten einen Anteil von knapp 56 Prozent an Interseroh.

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