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Internetwerbung : Schwaches Chartbild bei Ad Pepper Media

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Bild: FAZ.NET

Mit satten Kursverlusten reagiert die Aktie des Online-Werbeunternehmens Ad Pepper Media auf die Umsatz- und Ertragszahlen des vergangenen Jahres. Sie waren vor allem von Sondereffekten geprägt. positiven und negativen.

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          Mit satten Kursverlusten von bis zu etwas mehr als 20 Prozent auf 7,11 Euro im bisherigen Tagestief reagiert die Aktie des Online-Werbeunternehmens Ad Pepper Media auf die Umsatz- und Ertragszahlen des vergangenen Jahres.

          Die Aktie befindet sich schon seit November des vergangenen Jahres in der Defensive und hat inzwischen längst den Aufwärtstrend zerstört, die sie von 66 Cent im August des Jahres 2001 auf bis zu 12,90 Euro zu Beginn des vergangenen Jahres geführt hatte.

          Sondereffekte bestimmen das Bild ...

          Auf den ersten Blick sehen die Zahlen gar nicht so schlecht aus. Denn das Unternehmen konnte den Umsatz im Vergleich mit dem Vorjahr um 41,6 Prozent auf 41,69 Millionen Euro steigern, der Ergebnis vor Steuern und Zinsen stieg von 0,228 auf 5,82 Millionen Euro und der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit stieg um 575 Prozent auf 3,164 Millionen Euro. Das sei das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte gewesen, heißt es in der Ad-hoc-Meldung.

          Allerdings gab es einige Sondereffekte. Denn „ein wesentlicher Treiber des Ebit waren die Erlöse aus der Veräußerung der Minderheitsbeteiligungen an dMarc Broadcasting und Falk eSolutions zu Beginn des Jahres 2006“, wie es in der Mitteilung weiter heißt. Ebenso führten Einmaleffekte im Zusammenhang mit der Ausgabe des aktuellen Stock Option Plans von rund 800.000 Euro und zusätzliche Wertberichtigungen auf Forderungen von rund 800.000 Euro zu einer Belastung des Ergebnisses im vierten Quartal.

          Genau das war es auch, was den Anlegern nicht sonderlich gefallen haben dürfte. „Das vierte Quartal war nicht gut“, sagte Finanzvorstand Jens Körner im Gespräch mit FAZ.NET offen. Man brauche nichts zu beschönigen, denn sowohl das Unternehmen als auch die Analysten hätten mit einer besseren operativen Entwicklung gerechnet. Das Unternehmen habe im vierten Quartal an Momentum verloren, das Weihnachtsgeschäft sei zumindest nicht so stark ausgefallen wie in den Vorjahren. Möglicherweise seien Werbeausgaben aufgrund der Fußballweltmeisterschaft vorgezogen worden. Das sei zumindest bei einigen der Kursen zu beobachten gewesen.

          ... und machen die Aktie damit relativ spekulativ

          Körner hält die gegenwärtigen Kursverluste der Aktie für übertrieben. Der Markt werde organisch auch im laufenden Jahr mit 20 bis 25 Prozent wachsen und davon solle man profitieren können. Bei einer Bruttomarge, also Umsatz minus Webkosten, von 49 Prozent sollte sich der Gewinn entsprechend positiv entwickeln können.

          Die Kosten für Mitarbeiteroptionen hätte man früher kommunizieren können und müssen, gibt er zu. Gerüchte über eine mögliche Kapitalerhöhung hält er nicht für sinnvoll. Immerhin sei das Unternehmen schuldenfrei und verfüge über eine Liquiditätsreserve von 22,7 Millionen Euro oder von etwas mehr als zwei Euro je Aktie. Er sieht auch keine größeren Bestände von Aktien über dem Markt schweben, die aus Unternehmensübernahmen resultieren könnten.

          Auf der anderen Seite sei es möglich, dass der Markt eine zu hohe Erwartung an die dMarc-Transaktion gehabt habe. dMArc ist von Google übernommen worden, in deren Rahmen Ad Pepper von so genannten „earn outs“ zwischen 100 Millionen und 1,1 Milliarden anteilsmäßig hätte profitieren können. Diese würden irgendwann kommen, keiner könne jedoch wissen wann und wie hoch sie ausfallen werde, so Körner. In diesem Sinne sei eine Beruhigung der Erwartungen gut. Allerdings sind bei dMarc inzwischen die Gründer ausgestiegen und Google verkauft offensichtlich weniger Radiowerbung als erwartet. Auf dieser Basis scheinen hohe Erwartungen in diesem Punkt längst nicht mehr gerechtfertigt zu sein.

          Auf Basis des abgelieferten Gewinns scheint die Aktie vor allem unter Berücksichtigung der Cashbestände inzwischen sehr vernünftig bewertet zu sein. Allerdings scheint der operative Geschäftsverlauf bisher schlecht planbar zu sein. Das Risiko liegt bisher darin, dass das entscheidende vierte Quartal enttäuscht. Insgesamt scheint die Aktie spekulativ und damit risikobehaftet zu sein. Zumal sie inzwischen charttechnisch angeschlagen ist.

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