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Internetunternehmen : Zynga nimmt beim Börsendebüt eine Milliarde Dollar ein

  • -Aktualisiert am

Zynga nimmt bei seinem Börsengang an der elektronischen Börse Nasdaq 1 Milliarde Dollar auf Bild: REUTERS

Zynga gelingt das größte Börsendebüt eines amerikanischen Internetunternehmens, seit Google 2006 an die Wall Street gegangen ist. Neue Internetaktien haben im dritten Quartal überwiegend Verluste gemacht.

          Das auf Online-Spiele spezialisierte amerikanische Unternehmen Zynga hat bei seinem Börsengang an der elektronischen Börse Nasdaq 1 Milliarde Dollar aufgenommen. Damit ist Zynga das größte Börsendebüt eines amerikanischen Internetunternehmens, seit Google 2006 an die Wall Street gegangen war. Google hatte bei seiner Erstemission Aktien im Wert von 1,9 Milliarden Dollar verkauft. Zynga emittierte jetzt 100 Millionen Aktien zum Kurs von 10 Dollar je Anteilschein. Der Ausgabepreis lag am oberen Ende der vorher avisierten Spanne. Im frühen Handel legten sie um bis zu 10 Prozent zu.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Auf Basis des Ausgabepreises kam Zynga auf einen Börsenwert von rund 7 Milliarden Dollar. Die von Morgan Stanley und Goldman Sachs angeführten Konsortialbanken haben die Option, in den kommenden 30 Tagen weitere 15 Millionen Anteilscheine zu veräußern. Das Unternehmen und seine Investmentbanker hatten ursprünglich höhere Ambitionen. Noch Anfang Dezember war über einen Ausgabepreis spekuliert worden, der das Unternehmen mit rund 10 Milliarden Dollar bewertet hätte. Bei der Anmeldung des Börsengangs im Juli waren in der Branche noch mögliche Bewertungen um 20 Milliarden Dollar kolportiert worden.

          227 Millionen Menschen in der virtuellen Welt

          Die Aktienkurse an der Wall Street haben im dritten Quartal jedoch allgemein stark nachgegeben. Das führte zu einer hohen Verunsicherung von Investoren und einem zeitweise komplett eingefrorenen Markt für Börsengänge. Zudem ließ auch die Euphorie für Internetunternehmen wie Linkedin oder Groupon nach, die in diesem Jahr bereits vielbeachtete Debüts an der Wall Street gegeben hatten. Lori Hoberman, die bei der Anwaltskanzlei Chadbourne & Parke für den Bereich Risikokapital zuständig ist, bezeichnete die Preisstrategie von Zynga als „konservativer“ im Vergleich zu den vorhergegangenen Debütanten. „Sie steuern die Erwartungen und zeigen nichts von dem Überschwang, den es bei Linkedin und Groupon gegeben hatte“, sagte Hoberman dem „Wall Street Journal“. Der Ausgabepreis von Groupon, einem Anbieter von Rabattgutscheinen, hatte über der zuvor genannten Spanne gelegen. Das soziale Karrierenetzwerk Linkedin hatte den Ausgabepreis kurz vor dem Börsengang um 30 Prozent angehoben.

          Zynga ist für populäre Online-Spiele wie „Farmville“ oder „Cityville“ bekannt, mit denen sich überwiegend Nutzer des großen sozialen Netzwerks Facebook die Zeit vertreiben. Diese Spiele simulieren eine virtuelle Welt, etwa Bauernhöfe oder eine Stadt, in der Nutzer virtuelle Produkte erwerben können. Zynga verdiente damit in den ersten neun Monaten dieses Jahres rund 31 Millionen Dollar bei einem Umsatz von etwa 829 Millionen Dollar. Nach Angaben des Unternehmens spielen monatlich 227 Millionen Menschen mit den Spielen des Unternehmens.

          Indikator für zukünftige Erstemissionen

          Der Börsengang von Zynga und die weitere Kursentwicklung gilt als Indikator für zukünftige Erstemissionen von Technologieunternehmen. An der Wall Street wird für das zweite Quartal des kommenden Jahres mit dem Börsengang von Facebook gerechnet. Diese Emission dürfte die bisherigen Dimensionen für Internetunternehmen allerdings sprengen. Facebook will nach amerikanischen Presseberichten rund 10 Milliarden Dollar einsammeln. Das entspräche einer Marktkapitalisierung von 100 Milliarden Dollar. Facebook wäre an der Börse damit schon halb so viel wert wie derzeit Google und doppelt so viel wie der große Technologiekonzern Hewlett-Packard.

          Für Anleger hat sich das Engagement in junge Internetunternehmen zuletzt aber überwiegend nicht ausgezahlt. Nach Angaben des Wertpapierhauses Birinyi Associates sind die Aktienkurse von drei Fünfteln der seit 2010 an die Börse gegangenen Internetfirmen unter ihren Ausgabepreis gerutscht. Investoren, die bei der Zuteilung der Aktien leer ausgingen und sie erst zum Eröffnungskurs erwarben, haben im Durchschnitt 32 Prozent ihrer Anlagesumme verloren. Der Eröffnungskurs lag in der Regel über dem Ausgabepreis. Der Aktienkurs von Groupon, die im November bei der Erstemission 805 Millionen Dollar aufgenommen hatte, war in den ersten Handelswochen um bis zu 31 Prozent gestiegen. Mittlerweile hat der Kurs gegenüber diesen Höchstkursen aber um 12 Prozent nachgegeben.

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