https://www.faz.net/-gv6-44mz

Internethandel : Amazon-Aktie ist massiv überbewertet

  • Aktualisiert am

Bild:

Amazon verkündet schwarze Zahlen. Die Aktie ist viermal so teuer, wie die vergleichbarer Unternehmen, die gleichzeitig den vierfachen Umsatz erzielen.

          2 Min.

          Mit einem hauchdünnen Nettogewinn pro Aktie von einem Cent im vierten Quartal des vergangenen Jahres schreibt Amazon.com als Internetunternehmen schlechthin schwarze Zahlen. Zum zweiten Mal in der achtjährigen Geschichte des Unternehmens.

          Das hört sich gut an, allerdings fällt der Kurs der Aktie im nachbörslichen Handel um etwa 1,5 Prozent. Damit scheint der Markt nicht so sonderlich begeistert zu sein. Und das, obwohl der Umsatz um satte 28 Prozent auf 1,43 Milliarden Dollar anstieg. Das Problem könnte sein, dass das Unternehmen die Umsätze über Preiszugeständnisse während der Ferienzeit erkauft hat. Für das erste Quartal des laufenden Jahres wird ein Umsatz von 1,08 Milliarden Dollar prognostiziert.

          Starke Kursgewinne im Jahr 2002 ...

          Angesichts der Kursgewinne des vergangenen Jahres jedoch sieht der nachbörsliche Kursverlust harmlos aus. Denn das Papier hat im Jahr 2002 satte 72,35 Prozent zugelegt, während der Nasdaq 100 Index im gleichen Zeitraum knapp 39 Prozent verlor. Die Kursgewinne rühren von optimistischen Anlegern her. Die bauen darauf, dass Kostendisziplin bei gleichzeitig steigenden Umsätzen auf Grund niedriger Preise das Unternehmen dauerhaft in die Gewinnzone bringen werden. Denn das ist die Strategie des Unternehmens.

          Die operativen Kosten fielen von 56 Prozent des Umsatzes im vierten Quartal des Jahres 2000 auf 26 Prozent des Umsatzes im dritten Quartal des Jahres 2002. Das geht in die richtige Richtung. Während die Umsätze mit Büchern, CDs, DVDs und Videos im zweiten Quartal des Jahres 2001 nur um ein Prozent stiegen, sprangen sie im dritten Quartal des Jahres 2002 um 17 Prozent nach oben. Gleichzeitig nutzen immer mehr Leute Amazon als Plattform, um neue und gebrauchte Waren zu verkaufen. Das Unternehmen betreibt ebenfalls die Web-Verkaufsstellen von anderen Firmen wie Toys ´R´ Us und anderen Handelsunternehmen.

          ... lassen Optimisten frohlocken ...

          Die Optimisten machen sich mittlerweile über die Skeptiker lustig, die Amazon immer noch als dot.com-Unternehmen betrachteten, das demnächst pleite gehen würde. „Wir hören kaum noch etwas von den Leuten“, sagt beispielsweise Ken Cassar als Analyst bei Jupiter Research. „Amazon hat bewiesen, dass das Geschäftsmodell funktioniert“, ergänzt er.

          Allerdings lassen sich manche Skeptiker nicht unterkriegen. Die tiefen Preise führten dazu, dass die Margen sehr gering seien, argumentieren sie beispielsweise. Das Wachstum bei Büchern, CDs, DVDs und Videos werde abflachen. Analyst Mark Rowen von Pudential Securities bezweifelt, dass die Kursentwicklung der Aktie von der Wachstumsperspektive getragen sein kann. Auch die Kosten bleiben kritisch. Denn die Umsätze mit Elektrogeräten, Werkzeugen und Küchenteilen nehmen zwar zu, aber Amazon verliert mit diesen Produkten Geld.

          ... aber die Aktie ist unglaublich teuer

          Insgesamt betrachtet mag es zwar sein, dass das Unternehmen mittlerweile eine Größe erreicht hat, bei der es Geld verdienen kann. Aber der Aktienkurs impliziert ja viel mehr. Denn ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 90 auf Basis der Gewinnschätzungen von 24,4 Cents je Aktie für das Jahr 2003 unterstellt ein starkes und dabei profitables Wachstum. Ob das machbar ist, darf bezweifelt werden.

          Gleichzeitig kann Amazon beim Umsatz etablierteren Einzelhändlern mit weitaus niedrigeren Bewertungen bei Weitem nicht das Wasser reichen. Die Marktkapitalisierung ist mit 51 Milliarden Dollar nahezu viermal so hoch wie das gemeinsame Bewertungsniveau von Barnes & Noble und Circuit City Stores. Obwohl deren gemeinsamer Umsatz mehr als viermal so hoch ist wie die 3,9 Milliarden Dollar, die Amazon im Jahr 2002 erzielte. Das lässt nur einen Schluss zu: die Aktie ist massiv überbewertet. Wer sie hat, sollte unbedingt Stopp-Loss-Orders platzieren. Wer nicht, sollte sich nicht leichtfertig locken lassen.

          Weitere Themen

          Apple sollte in keinem Depot fehlen

          Scherbaums Börse : Apple sollte in keinem Depot fehlen

          Der in einer Garage entstandene Technologiekonzern gehört für viele Menschen zum Alltag – so als wenn er schon immer da. Dabei feiert er im April erst sein 45. Jubiläum. Wer Apple-Aktionär ist, darf feiern. Wer es nicht ist, sollte es werden.

          Topmeldungen

          Will Amerika weniger abhängig in kritischen Technologien machen: Joe Biden

          Wettstreit mit China : Biden macht Mikrochips jetzt zur Chefsache

          Amerika fürchtet um seine Dominanz in der Chip-Industrie. Sogar die nationale Sicherheit sieht das Weiße Haus in Gefahr. Kurzfristig drohen Produktionsausfälle in Schlüsselindustrien.
          Lithium-Abbau in der Atacama-Wüste im Norden Chiles
am Uyuni-Salzsee in Bolivien (unten)

          Kampf um das „weiße Gold“ : Wettrüsten im Lithium-Dreieck

          Noch kommen viele Akkus nicht ohne den seltenen Rohstoff aus. Die Nachfrage steigt rasant in Südamerika, wo es die größten Lithium-Reserven der Welt gibt. Aber die Lage dort ist schwierig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.