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Internetdienstleister : Sehr hohe Bewertung bremst Yahoo-Aktie bisher nicht

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Yahoo hat den Umsatz über die Prognosen hinaus gesteigert. Doch nur soviel verdient wie erwartet. Deshalb stand der sehr hoch bewertete Titel nachbörslich unter Druck. Der Trend dürfte ihn aber weiter treiben.

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          Die Aktie von Yahoo hat am Mittwoch an der Wall Street nachbörslich etwas Federn lassen müssen. Der Kurs sank auf 47,10 Dollar von 48,39 Dollar zum Handelsschluß, nachdem er zuvor schon gegenüber dem Vortag fast ein Prozent abgegeben hatte.

          Der Grund: Zwar konnte das Internetunternehmen Yahoo hat im abgelaufenen Quartal nach der Übernahme des Werbedienstleisters Overture Services seinen Umsatz über die Analystenprognosen hinaus steigern und auch seinen Gewinn erhöhen. Aber bei den Erträgen blieb ist positive Überraschung aus.

          Zudem hat Yahoo mit seinem zuversichtlichen Ausblick die Erwartungen des Marktes getroffen. Aber in Zeiten, in denen viele Unternehmen mehr verdienen als erwartet und Schübe für Internetunternehmen gesehen werden, hatten sich manche Analysten noch mehr erhofft. Gleichwohl sieht es weiter günstig für die Aktie aus, die nicht zuletzt von ihrem Aufwärtstrend lebt, gegen den die überaus hohe Bewertung in den Hintergrund tritt. Jedenfalls bisher.

          Umsatzwachstum stürmisch

          Der Nettogewinn sei im vierten Quartal auf 75 Millionen Dollar nach 46,2 Millionen Dollar im Vorjahr oder elf Cent nach Cent je Aktie gestiegen, teilte Yahoo am Mittwoch nach Börsenschluß in Amerika mit. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt ebenfalls mit einem Gewinn je Aktie von elf Cent gerechnet. Yahoo hatte Overture im Oktober übernommen.

          Ohne Berücksichtigung der so genannten Traffic Acquisition Costs lag der Umsatz im vierten Quartal bei 511,3 Millionen Dollar. Damit übertraf Yahoo die Erwartungen der Analysten, die von 495,49 Millionen Dollar ausgegangen waren. Unter Berücksichtigung der Traffic Acquisition Costs verzeichnete Yahoo einen Umsatz von 663,9 Millionen Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen einen Umsatz von 285,8 Millionen erzielt.

          Analysten uneins bei der Bewertung der Zahlen

          Das ist dem Markt aber offenbar nicht genug: Quartalsgewinn und Ausblick für 2004 hätten zwar die veröffentlichten Erwartungen der Analysten und Investoren getroffen, nicht aber die darüber hinaus gehenden Hoffnungen und Erwartungen, sagten Händler laut Reuters. Die unter den Investoren für möglich gehaltenen Zahlen hatten den Kurs an den jüngsten Handelstagen in die Höhe getrieben.

          „Der Markt ist sich vielleicht selbst etwas vorausgeeilt", sagte ein Analyst. „Die Basisdaten bleiben sehr stark. Ich hatte den Eindruck, daß der Ausblick ziemlich gesund war“, urteilte dagegen Imran Khan vom Umfrageinstitut Fulcrum Global Partners.

          Yahoo will stärker wachsen als der Markt

          Yahoo-Chef Terry Semel äußerte sich optimistisch über die Entwicklung des Internet-Anzeigenmarkts in 2004. Das Wachstum werde an Fahrt gewinnen und Yahoos Umsätze in diesem Bereich werden seinem Ausblick nach um 25 bis 30 Prozent zulegen und damit schneller als der Markt insgesamt.

          Semel hat Yahoo nach den Einbrüchen bei der Bannerwerbung auf Web-Seiten neue und profitable Bereiche erschlossen, zum Beispiel gebührenpflichtige Dienste wie Kennenlernbörsen und Stellenmärkte. Zudem will Yahoo seine Zahl von fünf Millionen zahlender Abonnenten weiter steigern. Sie soll bis Ende 2004 sieben Millionen betragen. Zudem will Yahoo einen Online-Auktions-Service in China starten sowie seine Zahl von fünf Millionen zahlender Abonnenten weiter steigern. Sie soll bis Ende 2004 sieben Millionen betragen.

          Aktie überaus hoch bewertet im Aufwärtstrend

          Mithin liefert das Unternehmen neuen Stoff für Umsatzphantasien und scheint die These zu bestätigen, daß Unternehmen, die das Platzen der Internetblase vor drei Jahren überlebt haben, gestärkt aus der Krise gekommen sind. Das muß Yahoo aber auch, denn im Aktienkurs stecken schon viele Hoffnungen: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 93 ist der Titel überaus hoch bewertet. Und letztes Endes zählt aber weniger der Umsatz als der Gewinn. Folglich steht der Konzern auch fortan unter Erwartungsdruck und darf Hoffnungen nicht enttäuschen - andernfalls dürfte der Titel leiden.

          Bis auf weiteres dürfte er sich aber in seinem vor knapp einem Jahr bestehenden Aufwärtstrend mit dem Markt weiter nach oben bewegen, nachdem er sich zuletzt binnen Jahresfrist um mehr als 100 Prozent besser entwickelt hatte als die Nasdaq. Der nächste größere Widerstand lauert erst bei rund 60 Dollar. Angesichts der Bewertung ist es aber wichtig, den Titel im Auge zu behalten, um rechtzeitig die Reißleine ziehen zu können, falls der Trend brechen sollte.

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