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Internetdienste : Immer noch viel Phantasie im Ebay-Kurs

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Die Zeiten des schnellsten Wachstums sind vorbei Bild: AP

Die Geschäftszahlen waren besser als erwartet, die Ebay-Aktie gewinnt mehr als 15 Prozent. Doch die Zahlen zeigen auch: Das Wachstum ist das schwächste seit dem Börsengang, der teure Zukauf Skype zahlt sich erst langsam aus.

          Im vergangenen Jahr hatten die Ebay-Aktionäre wenig Freude an ihrem Investment: Die Aktien des weltgrößten Internet-Auktionshauses verloren in New York schließlich fast ein Drittel ihres Wertes.

          Dieses Jahr könnte besser werden, jedenfalls wenn man die nachbörsliche Reaktion vom Mittwoch zugrunde legt: Die Titel legten satte 13 Prozent zu. Im Xetra-Handel ging es bis zum späten Donnerstagvormittag sogar 15,2 Prozent nach oben auf 26,03 Euro (Isin US2786421030).

          Gewinn steigt überraschend stark

          Die Erklärung für diese fast euphorische Reaktion der Anleger liegt auf der Hand: Ebay hat im abgelaufenen Quartal den Gewinn überraschend stark gesteigert und einen positiven Ausblick für 2007 abgegeben. Das Ergebnis sei von internationalem Wachstum und einer positiven Entwicklung im Kerngeschäft mit Auktionen getragen worden, teilte der Konzern am Mittwoch nach New Yorker Börsenschluss mit.

          Der Konzern bezifferte den Zuwachs des Reingewinns im vierten Quartal auf 24 Prozent. Das waren 346,5 Millionen Dollar oder 25 Cent je Aktie. Analysten hatten im Schnitt 22 Cent erwartet. Der Umsatz kletterte um 29 Prozent auf 1,72 Milliarden Dollar, erwartet worden waren 1,67 Milliarden.

          Management blickt optimistisch nach vorn

          Für das Gesamtjahr 2007 sagte Ebay einen Gewinn ohne Sonderposten zwischen 1,25 und 1,29 Dollar je Aktie voraus, was in der oberen Hälfte der Analystenschätzungen von 1,19 bis 1,32 Dollar mit einem Durchschnitt von 1,24 Dollar liegt.

          Beim Umsatz geht das Unternehmen für 2007 von 7,05 bis 7,30 Milliarden Dollar aus. Die Experten-Schätzungen liegen hier zwischen 6,94 und 7,49 Milliarden.

          Zwei Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe

          Im ersten Quartal sollen dabei 1,67 bis 1,72 Milliarden Dollar eingefahren werden, was ebenso wie der Gewinn ohne Sonderposten mit 1,28 bis 1,30 Dollar je Aktie in etwa in der Mitte der Analystenschätzungen liegt.

          Stützend auf den Kurs dürfte sich auch die Ankündigung eines neuen Aktienrückkaufprogramms auswirkt haben: Zwei Milliarden Dollar will Ebay dafür aufwenden. Schon im vergangenen Quartal hatte Ebay für etwa eine Milliarde Dollar 31 Millionen Aktien zurückgekauft.

          Geringstes Wachstum seit dem Börsengang

          Das klingt alles sehr erfreulich. Ein zweiter Blick offenbart aber auch einige Schwächen. So legte das Auslandsgeschäft um 40 Prozent zu und macht inzwischen fast die Hälfte des Konzernumsatzes aus. Das Amerikageschäft läuft also nicht so gut. Auch der schwache Dollar kam dem Unternehmen entgegen. Währungsbereinigt hätte das Umsatzplus nur 24 Prozent betragen, nicht 29 Prozent.

          Was nach einem soliden Umsatzplus klingt, ist für Ebay-Verhältnisse wenig. Das Wachstum im viertel Quartal war das schwächste seit dem Börsengang 1998, wie Bloomberg meldet.

          Skype gewinnt, aber der Umsatz bleibt klein

          Mit der Entwicklung des Online-Bezahlsystems PayPal sind das Unternehmen und die Analysten zufrieden. „PayPal hat die kritische Masse inzwischen erreicht“, zitiert Bloomberg einen Fondsmanager. „PayPal wird die nächste unglaubliche Wachstumsgeschichte“, sagte ein anderer. An den Auktionserlösen hat PayPal inzwischen einen Anteil von einem Viertel. Ebay hatte PayPal im Jahr 2002 für 1,2 Milliarden Dollar in Aktien gekauft.

          Wesentlich teurer war 2005 der Kauf des Internettelefonie-Spezialisten Skype. 2,6 Milliarden Dollar ließ sich Ebay das Unternehmen kosten. Im vierten Quartal legte dessen Umsatz im Vergleich zum Vorquartal um stolze 32 Prozent zu - allerdings nur auf 66 Millionen Dollar. Bis sich diese Akquisition auszahlt, muss also noch einiges passieren.

          Google greift mit „Checkout“ an

          Umsatz und Ergebnis von Ebay zeigen seit Jahren einen wunderschönen Trend nach oben. Doch zumindest die Zeiten des exponentiellen Wachstums dürften vorbei sein, wie die jüngsten Quartalszahlen zeigen. Außerdem wird abzuwarten sein, wie gut Ebay das neue Google-Angebot „Checkout“ abwehren kann.

          Vor diesem Hintergrund ist die Aktie stattlich bewertet, wenn auch nicht mehr ganz so ambitioniert wie vor einem Jahr, als die Titel noch wesentlich teurer waren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beträgt auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung beträgt 24,3 für das laufende und 19,8 für das kommende Geschäftsjahr. Die Aktie kostet das 5,6fache des für dieses Jahr und das 4,6fache des für das kommende Jahr erwarteten Umsatzes. Mit einer Dividende rechnen die Analysten nach wie vor nicht. Es ist, so scheint es, noch immer viel Phantasie im Ebay-Kurs. Trotzdem stehen die Chancen gut, dass 2007 für die Ebay-Aktionäre besser läuft als 2006.

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