https://www.faz.net/-gv6-vbih

Internet : Microsoft übernimmt: Kurssprung für Yahoo-Aktie

  • Aktualisiert am

Mit Zukäufen von Online-Werbefirmen hatten sich sowohl Microsoft, als auch Google in der jüngsten Vergangenheit in diesem Feld verstärkt, während sich Yahoo stärker auf Internetsuche und E-Mail-Dienst konzentrieren wollte und so in Microsofts Strategie passt. Denn unter anderem wollte Yahoo sein soziales Netzwerk aufgeben. Das hat sich Microsoft mit der erfolgreichen Plattform Facebook gerade erst zugekauft.

Verzweifelter Softwareriese

Die Google-Aktie fiel im vorbörslichen Handel bis auf 507 Dollar und damit um vier Prozent gegenüber dem nachbörslichen Schlusskurs, der bereits um 6,5 Prozent unter dem regulären Schlusskurs gelegen hatte. Dann aber erholte sich der Kurs auf 532 Dollar.

Denn der Übernahmeversuch hat auch ein anderes Gesicht. Denn es ist nicht ausgemacht, dass Microsoft Yahoo zum Erfolg führen kann, nachdem dem Unternehmen selbst dies jahrelang nicht gelang.

Vielmehr zeigt es auch, unter welchem Druck Ballmer steht, dem es bislang nicht gelungen ist neben Google im Online-Werbemarkt Fuß zu fassen. „Microsoft steht unter massivem Druck, sein Internet-Geschäft auszubauen, um Rivalen wie Google abzuwehren. das zeigt, wie verzweifelt sie sind“, meint etwa Thomas Radinger, Fondsmanager bei Pioneer Investments. Er sieht einen hohen Einsatz Microsofts. Es werde Jahre brauchen, bis diese riesige Zukauf integriert sein werde.

Insofern kann nicht überraschen, dass die Microsoft-Aktien, die zunächst vorbörslich 0,3 Prozent auf 32,70 Dollar zulegten, nunmehr gegenüber dem nachbörslichen Schlusskurs und an den europäischen Börsen mehr als vier Prozent im Minus liegen.

Flaggschiff wird abgewrackt

Fast scheint es also, als ob es zunächst nur einen Sieger gebe: Yahoo. Aber auch dessen Hosen sind eigentlich zerrissen. Einst eines der Flaggschiffe der Internet-Branche, wird es jetzt im Microsoft-Konzern abgewrackt.

Immerhin kann sich ein Teil der Aktionäre freuen oder wenigsten trösten. Wer seine Aktien zwischen 1996 und 1999, 2001 bis Anfang 2004 oder seit dem Frühjahr 2006 kommt wahrscheinlich ohne Verluste oder sogar mit Gewinnen aus dem Investment heraus. In der Verfassung, in der sich Yahoo zuletzt wieder präsentierte, sollte man angesichts des hohen Aufschlags auch nicht unbedingt auf einen höheren Preis oder ein Scheitern spekulieren, auch wenn 82 Prozent der Aktien im Streubesitz sind.

Abwarten, was wird

Google könnte den Angriff dagegen überstehen. Zwar kommt erhöhter Konkurrenzdruck in einer möglichen Phase schwächeren Marktwachstums alles anders als gelegen, aber solange Google seinen Vorsprung behalten kann, sollten die Sorgen nicht allzu groß werden. Angesichts von Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp 28 für das laufende und 21 für das kommende Jahr und des schwachen charttechnischen Trends aber (), sollte man die Erwartungen tiefer hängen. Einige Analysten haben bereits ihre Kursziele reduziert.

Und Microsoft muss jetzt erst einmal belegen, dass das Geld sinnvoll eingesetzt ist. Insofern gibt die Übernahme keinen Anlass zu der Annahme, dass der Kurs, der erst Anfang 2007 aus einer fünfjährigen Seitwärtsbewegung ausbrach und Ende des vergangene Jahres einen zweiten Schub erhielt, jetzt auf ein noch höheres Niveau klettern kann. Im Gegenteil: Folgt man der vorbörslichen Entwicklung, so sieht es eher nach einem Rückfall auf das Kursniveau aus, das zwischen Ende 2006 und Herbst 2007 vorherrschte.

Weitere Themen

Topmeldungen

Nächtliche Pressekonferenz: Selenskyj, Merkel, Macron und Putin im Elysée-Palast

Ukraine-Gipfel : Bewegung in einen versteinerten Prozess

Der Stillstand sei überwunden, versichern Merkel und Macron nach neun Stunden Verhandlungen. Putin wittert Tauwetter. Doch Selenskyj ist skeptisch: „Mir ist das viel zu wenig.“

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.