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Internet : Microsoft übernimmt: Kurssprung für Yahoo-Aktie

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Das waren wohlklingende Ziele, nur war den Analysten nicht klar, wie Yahoo dies erreichen wollte. Was das Unternehmen bislang ankündigte, klang eher nach Verbesserung in kleinen Schritten und nicht so sehr nach einer Radikalkur. Eine Reihe von ihnen stufte das Papier herab. Ein Analyst meinte gar, es seien schon dramatische Ereignisse notwendig, um dem Kurs wieder deutlich nach oben zu helfen - wie zum Beispiel ein Wechsel im Management. Die dramatischen Ereignisse gibt es jetzt.

Yahoo hatte zuletzt im Wettbewerb mit Google erheblich an Boden verloren. Gerade bei der als lukrativer und wachstumsstärker geltenden Suchwerbung hatte Yahoo großen Rückstand, weil man als Suchmaschine nicht mithalten konnte und auch die Darstellung zu wünschen übrig ließ.

Insofern erwischt Microsoft das Unternehmen gerade an einem Tiefpunkt, an dem radikale Lösungen gebraucht werden und von einem neuen Eigentümer auch umsetzbar sind. Da kann es sich der nach Marktkapitalisierung mehr als siebenmal so große Konzern leisten, auch großzügig beim Kaufpreis zu sein. Angeblich hatte der Gates-Konzern dies schon vor einem Jahr versucht, war aber von Yahoo zurückgewiesen worden.

Google schwächelt zumindest kurzfristig

Und noch unter einem Aspekt ist der Zeitpunkt gut gewählt. Just am Freitag ist der große Konkurrent Google, der Yahoo das Leben in den vergangenen Jahren so schwer gemacht hat, selbst etwas wackelig auf den Beinen.

Seit Anfang November befindet sich der bis dahin extrem gut gelaufene Aktienkurs in einer Konsolidierung und mit den Ergebnissen für das vierte Quartal verfehlte man die Erwartungen der Analysten, auch wenn der Nettogewinn gegenüber dem Vorjahresquartal um rund 15 Prozent stieg, ohne Einmalaufwendungen sogar um 35 Prozent.

Analysten hatten bereits im Vorfeld der Ergebnisvorlage die Befürchtung geäußert, dass sich das Nachlassen der Verbraucherausgaben auf die Onlinewerbung des Konzerns auswirken könnte. Sie sahen sich nun in dieser Vermutung bestätigt. Denn die Zunahme der Klicks hat im Vergleich zu den Vorquartalen deutlich nachgelassen. Sie betrug auf Jahressicht im Schlussquartal laut Google nur noch rund 30 Prozent, verglichen mit knapp 50 Prozent in den vorangegangenen vier Quartalen.

Rezessionssorgen

Google sieht das naturgemäß optimistischer. Auch Jerry Yang wollte nicht sagen, ob eine mögliche wirtschaftliche Abschwächung in Amerika das Geschäft von Yahoo weiter beeinträchtigen könnte. Präsidentin Susan Decker aber räumte ein, dass man bereits im vierten Quartal ein schwächeres Wachstum oder sogar Rückgänge bei Werbekunden in einigen konjunktursensiblen Bereichen gespürt habe, zum Beispiel im Einzelhandel, im Tourismus oder der Finanzbranche.

Und so ist dies ein guter Zeitpunkt für Microsoft, einen Frontalangriff zu starten. der Vorstandsvorsitzende Steve Ballmer hat es sich schon lange zum Ziel gesetzt, Microsoft im boomenden Online-Werbemarkt stärker aufzustellen. Gemeinsam mit Yahoo könne man „spannende Lösungen für Endkunden, Verlage und Werbetreibende kreieren.“ Microsoft erwartet jährliche Synergien von einer Milliarde Dollar.

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